Diözesan-Caritasverband Eichstätt, 03.07.2009

Starthilfe für "BeBi"

Erstes gefördertes Projekt der Caritasstiftung Eichstätt

Die vor zwei Jahren gegründete Caritasstiftung Eichstätt hat erstmals einem sozial-caritativen Projekt einen Zuschuss gewährt. Sie unterstützt den Fachbereich Ambulante erzieherische Hilfen der Caritas-Kreisstelle Ingolstadt mit einer einmaligen Anschubfinanzierung für das Projekt „BeBi“ – Beziehung und Bindung von Eltern und Kind in Höhe von 5.000 Euro.  BeBi ist ein innovatives Modellprojekt, das vorbeugend der Förderung benachteiligter Kinder dienen soll. Caritasdirektor Willibald Harrer, der auch Vorsitzender der Caritasstiftung ist, überreichte heute den für das Projekt verantwortlichen Caritas-Mitarbeiterinnen Angela Müller-Knapp und Elisabeth Wagener dafür einen Scheck. „Ich übergebe diese allererste Ausschüttung mit Freude und positiver Spannung“, sagte Harrer. Das Projekt sei zum einen ausgewählt worden, weil die von den Antragsstellerinnen „geschilderte Notsituation Betroffener als sehr realistisch empfunden wurde“. Zum anderen sei dessen präventiver Charakter wichtig: „zu helfen, bevor das Kind in der Brunnen gefallen ist“. Mit der Förderung werden vorbereitende Hausbesuche und Beratungen, Gruppentermine, individuelle Hilfen sowie Sachkosten finanziert.

Elterliches Einfühlungsvermögen vermitteln

Der Fachbereich Ambulante erzieherische Hilfen hilft oft jungen Müttern, die aufgrund negativer Lebenserfahrungen oder Überforderung die Bedürfnisse kleiner Kinder nicht erfüllen können. Forschungsergebnisse zeigen, dass viele spätere Probleme der Kinder aus desorganisierter frühkindlicher Bindung und mangelnder Befriedigung von Grundbedürfnissen wie Nahrung und Geborgenheit resultieren. Mütter, die Gewalt und Missbrauch erfahren haben oder unter psychischen sowie psychosozialen Problemen leiden, können häufig keine sichere Bindung zu den eigenen Kindern aufbauen. Dort setzt das Konzept des Caritasdienstes an: Es will gezielt Fähigkeiten und elterliches Einfühlungsvermögen vermitteln. Das Projekt richtet sich an minderjährige und junge erwachsene Schwangere sowie Alleinerziehende oder Eltern mit Kleinkin­dern im ersten Lebensjahr, die zum Beispiel überfordert und unsicher sind, suchtabhängig oder psychisch krank sind, unter Kriminalität leiden – etwa Partnergewalt –, sich in einer ernsthaften finanziellen Notlage befinden oder sozial isoliert sind.

Es soll eine Gruppe aus mindestens drei Beteiligten gebildet werden. Diese werden zudem außerhalb der Gruppe individuell unterstützt.  Die Betreuung beginnt idealerweise in der Schwangerschaft und dauert bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres des Kindes. Die Treffen finden mit den Müttern und Vätern sowie bereits geborenen Kinder statt. Die Gruppe trifft sich zu mindestens acht Ein­heiten. Sie wird von Elisabeth Wagener, Diplom-Pädagogin mit den Schwerpunkten Sondererziehung, Rehabilitation und Psychologie, sowie Angela Müller-Knapp, Diplom-Sozialpädagogin und Systematische Familientherapeutin, geleitet.  

Ziele sind zum Beispiel, die Existenz von Not Betroffener zu sichern, Kontakte zu Behörden und Beratungs­stellen sicherzustellen und für die notwendige Erstausstattung zu sorgen. Zudem sollen die Teilnehmer auf ihre Mutter- oder Vaterrolle vorbereitet werden. So soll eine sichere Bindung für eine gesunde Entwicklung ermöglicht werden. Möglichkeiten der Geburtsvorbereitung mit Hebammen werden gesucht, später Förderangebote für die motorische und sprachliche Entwicklung im ersten Lebensjahr. Auch Fragen der Zeiteinteilung „Zeit für mich, Zeit für das Kind, Haushalts­führung“ werden erörtert. Bei dem Projekt setzen die Caritas-Mitarbeiterinnen auf eine gute Zusammenarbeit mit dem Jugendamt. Außerdem sollen zum Beispiel Fachärzte sensibilisiert werden, dem Caritasdienst Betroffene zu vermitteln. Diese können sich aber auch selbst bei den Ambulanten erzieherischen Hilfen melden: telefonisch unter 08 41 / 309-124.

Diesjähriges Stiftungsmotto: „Geben wir Kindern eine Zukunft“

Die Caritasstiftung Eichstätt wurde im Jahr 2007 gegründet. Der Caritas verband für die Diözese Eichstätt rief sie ins Leben, um caritative Hilfen unabhängig von Schwankungen bei Spendeneingängen sowie anderen finanziellen Zuschüssen leisten zu können. Der Caritasverband hat sie nach eigenen Angaben mit einem Startkapital von zwei Millionen Euro ausgestattet. Gemäß dem  Charakter einer Stiftung bleibt das Grundkapital unangetastet und die Erträgnisse kommen sozial-caritativen Hilfen zugute. Im vergangenen Jahr begann die Caritasstiftung mit der inhaltlichen Arbeit und dieses Jahr unterstützt sie erstmals Projekte. Als Förderschwerpunkt 2009 legte der Vorstand der Stiftung die Zielgruppe Kinder fest – unter dem Motto „Geben wir Kindern eine Zukunft“. Nach den Worten Harrers, hofft die Stiftung gerade angesichts „derzeit niedriger Zinsen, dass Leute auch über begünstigte Projekte hellhörig werden und Zustiftungen leisten“. Zwei weitere Ausschüttungen der Caritasstiftung dieses Jahr kommen in Kürze noch katholischen Kindergärten in Neumarkt und Kastl für soziale Projekte zugute.

 

 

Gemeinsam mit einer Redakteurin des Donaukurier sprachen Caritas-Kreisstellenleiter Bernd Leitner (vorne links), Elisabeth Wagener (Zweite von links), Caritasdirektor sowie Vorsitzender der Caritasstiftung Eichstätt Willibald Harrer und Angela Müller-Knapp über das Projekt „BeBi“. Foto: Caritas/Esser

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