Diözesan-Caritasverband Eichstätt, 10.07.2009

Caritasstiftung fördert innovative Projekte

Kindergärten St. Willibald Neumarkt und Marienheim Kastl unterstützt

 

Die Caritasstiftung Eichstätt hat den beiden katholischen Kindergärten St. Willibald in Neumarkt-Woffenbach und Marienheim in Kastl Zuschüsse von jeweils 3.500 Euro für innovative Projekte gewährt. Neben der Förderung eines Projektes für Erziehungshilfen in Ingolstadt sind dies die ersten beiden Ausschüttungen der vor zwei Jahren gegründeten Stiftung. Deren Geschäftsführer,  Dr. Thomas Echtler, übergab die beiden Schecks an die Leiterin der Neumarkter Einrichtung, Petra Sturm, sowie Sandra Kohlmann, die den Kindergarten in Kastl kommissarisch führt.  In St. Willibald wird damit ein Projekt „Gewaltfreie Kommunikation mit Kindern/Giraffentraum“ unterstützt. Konkret werden die Einführung des Teams in dieses Thema an zwei Tagen, ein Informationsabend für Eltern sowie die Projektbegleitung über ein Jahr durch einen Experten finanziert.  Der katholische Kindergarten Marienheim in Kastl fördert mit dem Geld ein Projekt „Kindergarten der Sinne im Hinblick auf die Schöpfung“. Dort sollen unter anderem Barfußinseln, Tastbeutel, Elemente für eine Tastwand, Instrumente, Klangröhren und –schalen, Sinneswände und Wandspiegelelemente finanziert werden.

 

 

Die Leiterin des Neumarkter Kindergartens St. Willibald, Petra Sturm, Pfarrer Helmut Hummel als Einrichtungsträger sowie die begünstigten Kinder freuten sich über die Unterstützung, die der Geschäftsführer der Caritasstiftung Eichstätt, Dr. Thomas Echtler (rechts), ihnen übergab. Fotos: Caritas/Esser

 

Für gewaltfreie Kommunikation mithilfe der „Giraffensprache“

Im Neumarkter Kindergarten St. Willibald sollen die Kinder gewaltfreie Kommunikation im täglichen Umgang miteinander durch die „Giraffensprache“ lernen. Die Giraffe – als Tier mit dem größten Herzen – steht symbolisch für ein Lebewesen, das die Kommunikation von Herz zu Herz führt. Sie spricht eine lebensbereichernde Sprache, die zum Ziel hat, Verbindungen herzustellen. Das Projekt „Giraffentraum“ soll Beziehungen zwischen Kindern, Eltern und Erzieherinnen langfristig auf einer Basis von gegenseitigem Verständnis, Achtung und Wertschätzung festigen. Es wurde von Frank und Gundi Gaschler entwickelt. Frank Gaschler wird es mit der Einrichtung durchführen.

Nach Information von Kindergartenleiterin Petra Sturm geht darum, dass sich die Kinder aufrichtig ausdrücken, indem sie genau beschreiben, was sie gesehen haben, über ihre Gefühle und Bedürfnisse reden und schließlich konkrete Bitten äußern. Dies geschehe am Beispiel der Geschichte einer Babygiraffe mit Spielen und Übungen. Am Ende erzählt eine „Giraffenmama“  von ihrem Traum, in dem Kinder in einem Kindergarten gelernt haben zu sagen, „was sie brauchen und zu hören, was der andere braucht. Sie suchen gemeinsam nach Lösungen, damit es allen gut geht.“

Die Erzieherinnen vertiefen die Thematik im Hinblick auf Perspektivenübernahme, Streitschlichtung und gelebte Demokratie im Kindergarten. Die Eltern werden bei Treffen sowie bei Interesse in einer eigenen Schulung in das Thema einbezogen. Mit dem Projekt werden nach Auskunft von Petra Sturm wesentliche Kompetenzen und Förderschwerpunkte des Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplans (BEP) für Kinder in Tageseinrichtungen bis zur Einschulung vermittelt: das Selbstbewusstsein der Kinder zu stärken, vor allem für Stress und Krisensituationen die Fähigkeit zur Kommunikation und des sozialen Umgangs zu fördern und Möglichkeiten zur Konfliktfähigkeit zu vermitteln. Ferner würden Sprachkompetenzen und Einfühlungsvermögen gefördert.

 

 

Pfarrer Helmut Hummel als Trägervertreter des Kindergartens St. Willibald und Dr. Thomas Echtler, Geschäftsführer der Caritasstiftung Eichstätt (rechts), erörterten mit Medienvertretern das Projekt „Gewaltfreie Kommunikation“.

 

Für einen „Kindergarten der Sinne“ zur Förderung der Schöpfung Gottes

Mit dem Projekt „Kindergarten der Sinne“ in Kastl soll es Kindern ermöglicht werden, ihre Sinne täglich bewusst zu erkennen, zu begreifen und auch gezielt situationsorientiert einzusetzen – und somit Gottes Schöpfung mit anderen Augen zu sehen. Einzelne Sinnesbereiche werden den Kindern in Kinderkonferenzen erklärt und anschließend vier Sinnabschnitte durchgeführt: Der Abschnitt „Tastsinn“ steht unter dem Motto „Mit Hand und Fuß die Welt begreifen“. Dabei sollen die Kinder durch einen täglichen Barfußgang ihre Füße spüren und Materialen bewusst ertasten. Die Hände erfühlen sie durch Übungen an Tastwänden und -säckchen, bei Gruppenspielen im Kreis und kreativen Angeboten mit unterschiedlichen Materialien wie Knetmasse, Fingerfarben, Stoffe, Pappe, Papier oder Watte. Im Gruppenraum werden „Barfußinseln“ angeboten. Die Materialien sammeln die Erzieherinnen gemeinsam mit den Kindern, zum Beispiel Naturmaterialien aus dem Wald. Durch Igelballmassagen sollen die Kinder für ihren Körper sensibilisiert werden. Eine Tastwand im Flur kann Feinmotorik und ausgeprägten Tastsinn fördern.

 

 

Kinder und Verantwortliche des katholischen Kindergartens Marienheim Kastl freuten sich über die Unterstützung der Caritasstiftung Eichstätt für das Projekt "Kindergarten der Sinne im Hinblick auf die Schöpfung". Dabei waren Kastls Bürgermeister Stefan Braun, die kommissarische Einrichtungsleiterin Sandra Kohlmann, Dr. Thomas Echtler, Geschäftsführer der Caritasstiftung, Pfarrer Pater Ryszard Kubiszyn und Kirchenpfleger Franz Lautenschlager (von links).

 

Für das Sinnesorgan Ohr werden Stille- und Entspannungsübungen durchgeführt. „Wir hören Vögel, Hunde, Katzen, andere Tiere, Fahrzeuge wie Autos, Motorräder, wir hören den Wind, das Rauschen der Bäume, wir hören und lernen unsere Körperinstrumente kennen, etwa durch Klatschen, Stampfen, Schnalzen mit der Zunge, Hände reiben, Zähne knirschen …“, beschreibt Leiterin Sandra Kohlmann. Die Kinder würden durch Klangelemente, -spiele und einen kleinen Klangraum in eine eigene kleine Klangwelt der Sinne einladen. Zur täglichen Arbeit sollen Hörspiele wie Flüsterpost, Finger- und Kreisspiele, Geschichten, Topfschlagen, Wecker raten und Bewegungsspiele dazugehören. Damit die Kinder mit wachen Augen die Schöpfung genießen, betrachten sie sich im Spiegel, malen und machen Fotos von sich und Freunden. „Wir betrachten Dinge unter dem Mikroskop. Wir sprechen über blinde Menschen und laden vielleicht einmal einen blinden Menschen zum Gespräch ein“, nennt die Leiterin ein Beispiel für die Beschäftigung mit dem Tastsinn Auge. Im letzten Sinnesbereich „Mit meiner Zunge die Welt entdecken“ erfahren die Kinder „Schmecken“, indem sie Gartenfrüchte ernten und bewusst genießen. Gemeinsames Kochen, Backen und Geschmacksspiele kommen hinzu.  Angedacht ist, einen Sinnes-, Duft- und Kräutergarten nach Hildegard von Bingen in Schneckenform als Schneckenlabyrinth anzulegen.

 

 

Austausch über das Projekt „Kindergarten der Sinne“ in Kastl: zwischen Dr. Thomas Echtler, Geschäftsführer der Caritasstiftung Eichstätt, Kirchenpfleger Franz Lautenschlager, Pater Ryszard Kubiszyn als Trägervertreter, der kommissarischen Kindergartenleiterin Sandra Kohlmann und Kastls Bürgermeister Stefan Braun

 

Diesjähriges Stiftungsmotto: „Geben wir Kindern eine Zukunft“

Der Caritas verband für die Diözese Eichstätt rief die Caritasstiftung ins Leben, um unabhängig von Schwankungen bei Spendeneingängen sowie anderen finanziellen Zuschüssen helfen zu können. Der Verband hat sie nach eigenen Angaben mit einem Startkapital von zwei Millionen Euro ausgestattet. Gemäß dem  Charakter einer Stiftung bleibt das Grundkapital unangetastet und die Erträgnisse kommen sozial-caritativen Hilfen zugute. Im vergangenen Jahr begann die Caritasstiftung mit der inhaltlichen Arbeit und dieses Jahr unterstützt sie erstmals Projekte. Als Förderschwerpunkt 2009 legte der Stiftungsvorstand die Zielgruppe Kinder fest – unter dem Motto „Geben wir Kindern eine Zukunft“.

 

 

Zum Dank für die Unterstützung überreichten die Kinder des katholischen Kindergartens Marienheim Kastl dem Geschäftsführer der Caritasstiftung Eichstätt, Dr. Thomas Echtler, ein Bild mit ihren Fingerabdrücken und Lieblingssymbolen.

 

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