Diözesan-Caritasverband Eichstätt, 19.10.2011

Depression und Psychose nachempfinden

Caritas-Ausstellung "Grenzen erleben" heute eröffnet worden

Die Ausstellung „Grenzen erleben“ hat die Beratungsstelle für psychische Gesundheit der Caritas-Kreisstelle Ingolstadt heute in der Reithalle im Ingolstädter Klenzepark eröffnet. Anlass ist das 30-jährige Bestehen dieser Caritasstelle, der auch ein Gerontopsychiatrischer Fachbereich angehört. Grund und Ziel der Ausstellung, die vom Sozialpsychiatrischen Dienst des Caritas-Zentrums Traunstein bezogen wurde, ist es, der breiten Öffentlichkeit eine konkrete Vorstellung von psychischen Erkrankungen durch eigenes Erleben zu vermitteln.  „Wir hoffen, dass die Ausstellung einen bleibenden Eindruck vermittelt. Psychische Erkrankungen sind immer noch teilweise ein Tabuthema, obwohl sie eine Volkskrankheit sind“, sagte Caritas-Kreisstellenleiter Bernd Leitner und verwies darauf, dass diese nach jüngsten Untersuchungen einer der Hauptursachen für frühzeitige Verrentungen sind. Der stellvertretende Vorsitzende der Caritasstiftung Eichstätt, Prof. Dr. Stefan Schieren, wünschte den Besuchern „nachhaltige Eindrücke“. Da es sich bei der Erlebnisausstellung um ein innovatives Projekt handele, habe die Stiftung sie gerne mit 3.000 Euro unterstützt.

Nach den Worten der stellvertretenden Bezirkstagspräsidentin des Bezirks Oberbayern, Ursula Bittner, nimmt auch in Bayern die Anzahl psychisch kranker Menschen alarmierend zu. Ambulante Hilfe für sie sei oft die einzige Möglichkeit diese Menschen wohnortnah zu unterstützen. Der Ingolstädter Caritasdienst leiste diese seit 30 Jahren mit seinem „wertvollen Angebot“. Diese Hilfe allein reiche aber nicht aus, um Ängste bei Betroffenen und Vorurteile in der Bevölkerung abzubauen. Frau Bittner bedauerte, dass solche durch Fernsehkrimis und Zeitungsberichte über in Gewalthandlungen verstrickte psychisch kranke Menschen verfestigt würden. „Wir brauchen mehr Aufklärung“, forderte sie. Dazu könne die Ausstellung „Grenzen erleben“ beitragen, indem alle interessierten Bürgerinnen und Bürger die leidvollen Erfahrungen Betroffener dort nachempfinden könnten. 

Die stellvertretende Bundes- und Landesvorsitzende der Angehörigen psychisch Kranker, Eva Straub, sagte, Angehörige könnten „sich oft keinen Reim darauf machen“, was der Betroffene erlebt. „Besucher erleben hier in der Ausstellung Grenzen, auch die eigenen Grenzen“, warb sie darum, dass möglichst viele Menschen das Angebot der Ingolstädter Caritas-Kreisstelle wahrnehmen. Gleichwohl müsse man sich bewusst sein, dass man selbst jederzeit den eigenen Erlebnisbesuch abbrechen könne und dieser ohnehin nur einige Minuten dauere. „Das kann ein Betroffener im Leben nicht“, erläuterte sie, dass die Ausstellung eine Ahnung von psychischen Erkrankungen vermitteln könne, aber kein komplettes Bild.

In der Ausstellung geht es um das Erleben einer Depression sowie einer Psychose. Dafür sind Räume so gestaltet, dass Besucher diese Erkrankungen nachempfinden können. Im „Depressionsraum“ werden durch dunkle enge Gänge, ein trostloses Inventar und deprimierende Gedankenspiralen über Kopfhörer die Symptome einer Depression erlebbar gemacht. Der Besucher trägt eine schwere Bleischürze und hört immer wieder Sprüche wie „Ich bin traurig und müde“, „Jeder Schritt fällt mir schwer“, „Es ist alles sinnlos“.

 

 

Im „Depressionsraum“ werden durch dunkle enge Gänge, ein trostloses Inventar und deprimierende Gedankenspiralen über Kopfhörer die Symptome einer Depression erlebbar gemacht. Fotos: Caritas/Esser

 

Der „Psychoseraum“ ist als Supermarkt konzipiert. Die Besucher bekommen die Aufgabe, einen ganz alltäglichen Einkauf zu bewerkstelligen, während ihnen über Kopfhörer akustische Reize eines Supermarktes übertragen werden: reale, aber auch irreale Stimmen. Das „Supermarktpersonal“ vermittelt dem „Einkäufer“ den Eindruck, verfolgt und beobachtet zu werden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Beratungsstelle für psychische Gesundheit begleiten die Besucher durch die Ausstellung und stehen für Nachgespräche zur Verfügung.

 

 

Der „Psychoseraum“ ist als Supermarkt konzipiert. Die Besucher bekommen die Aufgabe, einen ganz alltäglichen Einkauf zu bewerkstelligen, während ihnen über Kopfhörer akustische Reize eines Supermarktes übertragen werden: reale, aber auch irreale Stimmen. Das „Supermarktpersonal“ vermittelt dem „Einkäufer“ den Eindruck, verfolgt und beobachtet zu werden.

 

„Wenn ich das den ganzen Tag hören würde, dann würde mich das herunterziehen“, sagte die Ingolstädter Besucherin Irmgard Gutzeit, nachdem sie den „Depressionsraum“ besucht hatte. „Mir ist klar geworden, dass man in einer solchen Situation fachliche Hilfe braucht.“ Im Foyer der Reithalle stehen daher auch Info-Stände, an welchen die Angebote für psychisch kranke Menschen in der Region dargestellt werden.

 

 

Die Eröffnungsveranstaltung für die Erlebnisausstellung wurde von der Band „InCariWo“ musikalisch untermalt. Die Band aus Mitarbeitern und Bewohnern der Caritas-Wohnheime und Werkstätten Ingolstadt wurde dabei am Keyboard von Gisela Karlin, Mutter der Fachdienstleiterin des Dienstes für psychische Gesundheit der Caritas, Andrea Ploß, unterstützt.

 

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