Diözesan-Caritasverband Eichstätt, 07.12.2011

Sprachkurs für Flüchtlinge gefördert

Caritasstiftung finanziert Honorar- und Materialkosten

Der Sozialdienst für ausländische Flüchtlinge der Caritas-Kreisstelle Eichstätt erhält aus Mitteln der Caritasstiftung Eichstätt für einen Sprachkurs in der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Denkendorf 4.000 Euro. Damit werden die Honorarkosten für die Sprachlehrerin sowie für die Anschaffung von Lehr- und Arbeitsbüchern finanziert. „ Integration von Menschen mit Migrationshintergrund“ ist der Förderschwerpunkt der Stiftung 2011.

„Beim Radfahren brauche ich einen Helm“, spricht Sprachlehrerin Melanie Szilagy den zehn ausländischen Flüchtlingen vor und blickt mit ihnen gemeinsam auf ein abgebildetes Männchen mit Helm auf dem Kopf im Lehrbuch. Es geht um das Thema Sportbekleidung. Dann sprechen einige der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an dem Sprachkurs den Satz nach.  „Wir freuen uns, dass Sie so eifrig dabei sind, Deutsch zu lernen“, begrüßt sie anschließend der Geschäftsführer der Caritasstiftung Eichstätt. Echtler besuchte gestern (6.12.) gemeinsam mit dem Leiter der Caritas-Kreisstelle Eichstätt, Gerhard Bauer, den Kurs in der Gemeinschaftsunterkunft. Bei dieser Gelegenheit überreichte er Caritas-Flüchtlingsberaterin Lisa Mödl einen symbolischen Scheck über 4.000 Euro für den Sprachkurs. „Es ist wichtig, dass wir diese Möglichkeit haben“, freute sich der aus Sierra Leone kommende Sesay Abdoulie und bedankte sich für die Unterstützung sowie auch „für die Geduld unserer Lehrerin“.

Bereits seit knapp drei Jahren gibt es einen Deutschkurs für erwachsene Flüchtlinge in der Gemeinschaftsunterkunft. Die bisherige Finanzierung aus Caritas-Sammlungsmitteln läuft jedoch Ende dieses Jahres aus. Die Caritasstiftung Eichstätt sorgt dafür, dass der Kurs zunächst für weitere drei Jahre fortgesetzt werden kann. Dafür finanziert sie nach Mitteilung Bauers komplett die Honorarkosten für Melanie Szilagy, „die den Kurs bisher regelmäßig und zuverlässig durchgeführt hat und das Vertrauen der Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft genießt“, sowie die Sachkosten für zehn Exemplare des Lehr- und Arbeitsbuches „Berliner Platz 1“ einschließlich zwei CDs. Weiteres Material wie Hefte, Stifte oder einen CD-Player trägt der Caritas-Sozialdienst selbst. Der Deutschkurs wird wie bisher dienstags und donnerstags von 9:00 bis 10:30 Uhr angeboten. „Aufgrund des häufigen Wechsels bei den Bewohnern in der Unterkunft wird die Aufnahme in den Kurs laufend möglich sein“, informierte Beraterin Lisa Mödl.

 

 

Flüchtlinge in der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Denkendorf können zunächst für weitere drei Jahre mit Melanie Szilagy deutsch lernen. Fotos: Caritas/Esser

 

Ziel ist vor allem, sich im Alltag verständigen zu können

Vorrangiges Ziel des Kurses ist es, beim Erlernen einer einfachen Umgangssprache für das Alltagsleben zu helfen. Dabei geht es vor allem um Konversation und das Erlernen eines Basis-Wortschatzes. So sollen die Beteiligten in die Lage versetzt werden, Anliegen vorbringen zu können, ohne auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Anhand von Rollenspielen werden Alltagssituationen wie zum Beispiel Arztbesuche oder Einkäufe nachempfunden. Neben Sprechen sollen die Teilnehmer jedoch mithilfe des Lehr- und Arbeitsbuches auch die deutsche Sprache lesen und schreiben lernen sowie die deutsche Grammatik vermittelt bekommen.

In der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Denkendorf können bis zum 55 Bewohnerinnen und Bewohner aufgenommen werden. Die Fluktuationsrate ist unter diesen recht hoch. Zwischen Januar und Mitte November 2011 sind laut einer Statistik des Caritas-Sozialdienstes 39 neue Flüchtlinge der Unterkunft zugeteilt worden, 43 Bewohner verließen sie aber auch: durch Rückkehr ins Herkunftsland, Anerkennung als Flüchtling – bei irakischen Christen – oder Aufenthaltserlaubnis auf anderem Wege wie Hochzeit, Umverteilung in andere Gemeinschaftsunterkünfte oder Erlaubnis, in eine Privatwohnung zu ziehen, in wenigen Fällen auch „Untertauchen“.  Da viele Flüchtlinge erst seit kurzer Zeit in der Unterkunft leben, sprechen sie kein deutsch und brauchen die Hilfe anderer, um sich verständigen zu können. „Dies ist nicht selten problematisch, vor allem wenn es sich um persönliche Anliegen handelt oder wenn eine Frau für das Vorbringen gesundheitlicher Beschwerden auf die Übersetzung durch einen Mann angewiesen ist“, erläuterte Lisa Mödl die praktische Bedeutung des Sprachkurses für die Flüchtlinge. Sie wies zudem daraufhin, dass Asylbewerber, die sich noch im Verfahren befinden oder deren Antrag auf Asyl abgelehnt wurde, aber hier „geduldet“ sind, anders als Migrantinnen und Migranten mit Aufenthaltstitel keine finanzielle Förderung zur Teilnahme an einem Sprachintegrationskurs vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge erhielten. „Sie haben somit kaum eine Chance, sich gesellschaftlich zu integrieren.“ Initiativen wie der nun von der Caritasstiftung Eichstätt geförderte Sprachkurs sollen dies zumindest teilweise ermöglichen.

 

Der Geschäftsführer der Caritasstiftung Eichstätt, Dr. Thomas Echtler (hinten rechts), überreichte der Sozialberaterin für ausländische Flüchtlinge der Caritas-Kreisstelle Eichstätt, Lisa Mödl, einen symbolischen Scheck.

 

Seit 25 Jahren leistet Caritas-Sozialdienst Hilfe

Seit 1986 werden die Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft kontinuierlich vom einem Caritas- Sozialdienst für ausländische Flüchtlinge beraten und betreut. Seit gut einem Jahr tut dies die Sozialwissenschaftlerin Lisa Mödl. Sie leistet Hilfestellung in rechtlichen und lebenspraktischen Angelegenheiten, vor allem bei Fragen zum Asylverfahren, gesundheitlichen oder psychosozialen Problemen, durch Unterstützung bei materiellen Nöten, zum Beispiel mit Kleidung und Möbeln, durch Kommunikation mit Behörden und anderen Diensten, durch Öffentlichkeitsarbeit und Sensibilisierung der Gesellschaft sowie für die Freizeitgestaltung der Flüchtlinge.

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