Diözesan-Caritasverband Eichstätt, 23.09.2015

Innovativ von der Biografiearbeit bis zum Umweltschutz

Caritas-Seniorenheim Bruder Balthasar Werner in Dietfurt ist 40 Jahre alt

Seit 40 Jahren besteht das Caritas-Seniorenheim “Haus Bruder Balthasar Werner“ in Dietfurt. Das Haus wurde nach Schließung des örtlichen Krankenhauses errichtet und am 1. Oktober 1975 eröffnet. Es war damals ein großes Anliegen von Vertretern der Stadt und der Pfarrgemeinde, dass in Dietfurt eine soziale Einrichtung entsteht. Benannt ist die Einrichtung nach Balthasar Werner, einem Sohn der Stadt Dietfurt. Dieser lebte als Bruder im Franziskanerkloster München und kam im zweiten Weltkrieg bei einem Bombenangriff ums Leben.

Bis 1996 von Ordensschwestern geleitet

Bis November 1996 leiteten Schwestern der Ordensgemeinschaft „Barmherzige Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul“ das Altenheim. Mit Schwester Maria Gilduina Schmidschneider wurde im Januar 1997 die letzte Oberin aus der Dietfurter Einrichtung ins Mutterhauses in München zurückberufen.  Wie in anderen Altenpflegeeinrichtungen nahm auch in Dietfurt die Anzahl pflegebedürftiger Menschen zu. Daher wurde das Haus ab 2008 in ein modernes Pflegeheim umgebaut: Auf allen Etagen entstanden Wohnbereiche mit Küchen, die eine Betreuung der Hausgäste in familiären Gruppen ermöglichen. Ferner wurden alle Bewohnerzimmer mit einem eigenen behindertengerechten Bad mit Waschbecken, Dusche und WC ausgestattet und großzügige Pflegebäder mit modernen Pflegewannen sowie neue Dienst- und Funktionsräume geschaffen. Im Keller richtete man zudem Räume für Beratungen der Caritas-Sozialstation, Kreisstelle und Erziehungsberatung Neumarkt ein, um verschiedene Caritashilfen für unterschiedliche Generationen stärker miteinander zu vernetzen. Darüber hinaus wurden die Außenanlagen erneuert, die Küche erweitert und ein neuer Aufenthaltsraum im dritten Obergeschoss errichtet.

Im Sommer 2012 weihte der seinerzeitige Caritasdirektor Rainer Brummer das umfassend sanierte Haus ein. Nach den Worten des früheren Einrichtungsleiters Klaus-Josef Knaus ist es mit einem Neubau gleichzusetzen, hat aber auch seinen ursprünglichen Charakter des Siebzigerjahre-Baustils gewahrt. Nach dem Umbau stehen 46 Einzel- und vier Doppelzimmerplätze zur Verfügung. Zusätzlich zu den 52 Heimplätzen für vollstationäre – also dauerhafte – Pflege wurden zwei Kurzzeitpflegeplätze geschaffen – für alte Menschen, die vorübergehend in der Einrichtung leben, weil die Kinder zum Beispiel aufgrund von Urlaub verhindert sind. Ferner werden vier Tagespflegeplätze angeboten für Menschen, die nur tagsüber in dem Seniorenheim gepflegt und betreut werden.

Ende 2014 zeichnete die Zeitschrift FOCUS das Seniorenheim als „Top-Pflegeheim“ aus. Es gehört nach einer Erhebung, für die rund 1.800 Einrichtungsleiter und Pflegeexperten ihre persönlichen Empfehlungen abgaben, zu den besten 856 Pflegeheimen in Deutschland. Die Untersuchung dafür hatte das Hamburger Institut Statista gemeinsam mit dem Online-Portal pflege.de durchführt. Ein Beispiel, für das die Einrichtung ausgezeichnet wurde, sind laut Pflegedienstleiterin Verena Gradl in der Einrichtung entstandene alltägliche Hausgemeinschaften: Hier unternehmen hauptamtliche Betreuungskräfte als Alltagsbegleiter und zahlreiche Ehrenamtliche verschiedene Initiativen mit den alten und pflegebedürftigen Menschen: vom gemeinsamen Kochen, Backen und Singen über Tagesausflüge bis zu Gottesdienstgestaltungen. Selbstwertgefühl und Lebensqualität von demenzkranken Menschen werden zudem in einem Garten der Einrichtung mit über 600 Gehölzen und Gewächsen sowie drei Hochbeeten mit Kräutern und Tomaten gefördert. Da viele Bewohnerinnen und Bewohner früher im ländlichen Raum lebten, eignet sich dieser in besonderer Weise für „Biografiearbeit“. In technischer Hinsicht trägt ein ausgeklügeltes Farb- und Lichtkonzept in den Fluren und Gemeinschaftsräumen des Seniorenheimes zur Tagesstrukturierung bei: zum Beispiel morgens durch eine Blaufärbung und abends durch ein spezielles Rot zur Simulierung der Abendröte. „Bei Menschen mit Tag-Nacht-Rhythmusstörungen trägt dies durchaus dazu bei, dass weniger schnell zu Medikamenten gegriffen werden muss“, erklärt Verena Gradl.

Vorreiter bei Energienutzung

Zuletzt machte die Einrichtung durch eine innovative Initiative zu einer besonders effektiven Stromnutzung auf sich aufmerksam. In dem Seniorenheim wurde eine Photovoltaikanlage mit batterieartigem Lithium-Ionen-Speicher installiert. Nach ersten Ergebnissen ermöglicht dieser eine fast vollständige Eigennutzung des produzierten Stroms. In Photovoltaikanlagen ohne diese Energiespeicher kann hingegen nur 90 Prozent selbst genutzt werden – der Rest geht ins öffentliche Stromnetz. Neben dem Caritas-Seniorenheim St. Franziskus in Berching wurde das Dietfurter Haus damit zu einem Vorreiter im Umweltmanagement auf diesem Gebiet.

 


Das Caritas-Seniorenheim Dietfurt besteht seit 40 Jahren. Foto: Caritas/Verena Gradl

 

 

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