Diözesan-Caritasverband Eichstätt, 08.10.2015

Ein "gefragter Vater" geht

Bernardin Porstner im Caritas-Kinderdorf verabschiedet, Brigitte Radeljic-Jakic eingeführt

Stabwechsel im Caritas-Kinderdorf Marienstein: Leiter Bernardin Porstner (65) ist heute bei einem Gottesdienst und Festakt in der heilpädagogischen Einrichtung auf dem Blumenberg in Eichstätt verabschiedet worden. Seine Nachfolgerin Brigitte Radeljic-Jakic (45), die als Diplom-Sozialpädagogin bereits seit 1999 dort tätig ist, wurde von Caritasdirektor Franz Mattes gleichzeitig in ihr neues Amt eingeführt. An der Feier nahmen gut 50 Verantwortliche und Mitarbeitende der Caritas sowie verschiedene Vertreter aus Kirche, Politik und Schulen teil. Der Gottesdienst wurde vom hauseigenen Projektchor durch rhythmische Lieder mitgestaltet.

Porstner war 33 Jahre lang als Diplom-Psychologe im Kinderdorf tätig. 2005 hatte er die Leitung als Nachfolger von Schwester Esther Mayr übernommen. Direktor Mattes sagte im Gottesdienst, es erfülle die Caritas im Bistum Eichstätt mit großer Dankbarkeit, „Sie so lange Zeit gehabt zu haben“. Porstner sei gleichermaßen ein verständnisvoller Hausvater für Kinder mit Erziehungsproblemen und ein vertrauensvoller Kollege für Mitarbeitende gewesen. Mattes verglich Porstner in seiner Predigt mit dem italienischen Priester und Jugendseelsorger Johannes Bosco, der vor 200 Jahren verwahrlosten jungen Menschen Geborgenheit und Anerkennung durch Vertrauen ermöglichte. Ähnlich wie Don Bosco die Herzen von diesen Jugendlichen durch Freude am  Spiel gewann, habe Porstner dem Sport zugunsten der ihm und seinen Mitarbeitenden anvertrauten jungen Menschen aus ganz Bayern große Bedeutung beigemessen.

Der Eichstätter Landrat Anton Knapp würdigte, Porstner habe sich als „Urgestein“ in der Caritaseinrichtung weit über die Landkreisgrenzen hinaus einen Namen gemacht. „Das Kinderdorf gehört zu Eichstätt wie die Burg oder die Residenz“, betonte Knapp dessen Bedeutung. Es zeichne sich vor allem durch die Zuwendung zum einzelnen Kind aus. Bernardin Porstner habe großen Anteil daran, dass Kindern, die aufgrund einer Notsituation in die Einrichtung gekommen sind, „tatkräftig mit Nächstenliebe auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes geholfen wird“. In einer Zeit, in der Eltern zunehmend überfordert seien, so Knapp, „wird die Arbeit nicht leichter“. Brigitte Radeljic-Jakic wünschte er daher für die kommenden Herausforderungen „eine glückliche Hand“.

Professionell und liebevoll

Eichstätts zweite Bürgermeisterin Dr. Claudia Grund hob hervor, dass das Kinderdorf Vorverurteilungen von Jugendlichen begegne, indem es Probleme von der Wurzel her angehe: mit professioneller wie liebevoller Erziehung. Porstner sei für die jungen Menschen sowohl Respektsperson als auch Freund gewesen. Seiner Nachfolgerin wünschte sie ein ebenso „segensvolles Wirken wie das ihrer Vorgänger“. Mit einer kleinen Büttenredeneinlage würdigte die Vorsitzende der Mitarbeitervertretung der Einrichtung, Alexandra Wirz, vor allem Porstners „Sinn für Humor“. Ihm sei es stets gelungen, auch bei unpopulären Entscheidungen die Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erhalten. Sie dankte auch dafür, dass er diesen „viele Freiheiten für eigenes Engagement“ gelassen habe.

Die langjährige Leiterin der Einrichtung Schwester Esther Mayr ließ die über drei Jahrzehnte mit Bernardin Porstner in einer Laudatio auf diesen Revue passieren: von der Einstellung des „vor Vitalität sprühenden Rheinländers“ 1982 bis hin zu „Perlen“ mit seinem Engagement wie dem Aufbau von Außenwohngruppen. Bei vielen Kindern ist Porstner nach Erfahrung der Schwester das gewesen, was sie zuvor nicht gehabt hätten: „ein gefragter Vater“. Sie hätten bei ihm sowohl Frustrationen abbauen können als auch einen Mann mit handwerklichem Geschick gefunden, wenn sie ein praktisches Problem hatten. Aus seiner christlichen Überzeugung heraus habe er stets nach dem  Motto gelebt „Egal, wie weit ein Weg ist – man muss den ersten Schritt tun“.

Die Mitarbeitenden Walter Heller und Sabine Lehmeier zeigten ihre Wertschätzung Porstners beim Festakt zum einen durch besondere Lieder, zum Beispiel das Kinderdorflied. Zum anderen taten sie dies durch eine Diashow, in denen die besondere Verbundenheit des bisherigen Leiters mit jungen Menschen in der Einrichtung zum Ausdruck kam. Porstner selbst gab in seiner Schlussrede das geäußerte Lob an die Mitarbeitenden zurück, „denn ohne Kollegen, die die Dinge mittragen, wäre vieles nicht möglich“. An seiner jahrzehntelangen Arbeit in der heilpädagogischen Einrichtung habe er vor allem geschätzt, „viel mitgestalten und auch Konzepte zum Wohl der Kinder schaffen zu können“. Besonders schwierig für ihn sei es dann gewesen, „wenn wir Kinder entlassen mussten, weil wir nicht weiterkamen“. Grundsätzlich sei es „ein Geschenk gewesen, hier zu arbeiten“. Seiner Nachfolgerin wünschte er gerade bei Schicksalsentscheidungen viel Einfühlungsvermögen und auch das nötige Quäntchen Glück. Diese sagte, sie wolle ihre Aufgabe mit Gottvertrauen, dem Vertrauen der Mitarbeitenden und auch einer Portion Humor angehen.   

Leitungswechsel im Caritas-Kinderdorf: Bernardin Porstner (Mitte) erhielt zum Abschied von Caritasdirektor Franz Mattes (links) eine moderne Engelsfigur aus Holz. Brigitte Radeljic-Jakic bekam zum Einstieg eine Aquarelldarstellung des Flammenkreuzes der Caritas. Foto: Karl Ferstl

 

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