Diözesan-Caritasverband Eichstätt, 10.03.2017

"Es ist Liebe, deshalb schaffen wir das"

Eine Tochter pflegt ihre Mutter, die Tagespflege entlastet und sorgt für Abwechslung

Alles begann vor zwei Jahren, als Christa Press (86) vergaß, tagsüber regelmäßig zu trinken. Die Folge waren Herz-Rhythmusstörungen und ein zweiwöchiger Krankenhausaufenthalt. Danach suchte die Familie nach einer Lösung, wie sie ihrer rüstigen Mutter das Leben im eigenen Haus in Hepberg weiterhin ermöglichen könnten. „Wir fanden die Tagespflege in Wettstetten“, erklärt Tochter Claudia Press. Zweimal in der Woche nutzt ihre Mutter seitdem das Wettstettener Angebot der Caritas-Sozialstation Gaimersheim. „Es ist eine große Erleichterung für uns, unsere Mutter in guten Händen zu wissen“, sagt die voll berufstätige Frau. „Man geht beruhigter zur Arbeit.“

Erfüllte Tage

Am Montag und am Donnerstag besucht Christa Press die Tagespflege. Der Fahrdienst der Caritas holt sie gegen acht Uhr morgens vor ihrer Haustür ab und bringt sie abends gegen fünf Uhr wieder zurück. Claudia Press und ihre Mutter lachen über den durchstrukturierten Tag der alten Dame. „Manchmal sag ich zu meiner Tochter: ‚Jetzt bin ich schon so alt und muss trotzdem noch so früh raus‘“, erzählt Christa, und Claudia hält dagegen: „Dann sag‘ ich: Das hilft nichts, wir müssen uns ranhalten.“ Gegen sechs Uhr morgens wird Christa Press zunächst zu Hause von der Krankenschwester der Caritas-Sozialstation geweckt und medizinisch versorgt. Kurz darauf kommt ihre Tochter und hilft beim Anziehen. „Danach frühstücken wir erst einmal gemütlich“, sagt Claudia Press. Man glaubt der gelernten Erzieherin, dass es ihr gelingt, die notwendige Ruhe in dieses Morgenritual zu bringen. 

Die Tagespflege Wettstetten ist nur eine kleine Außenstelle mit zwölf Plätzen, die vor drei Jahren im Zuge der Umgestaltung des Rathausplatzes entstand. „Mir ginge etwas ab, wenn ich nicht mehr hinginge“, sagt Christa Press. Denn der Tag in der Caritas-Tagespflege bietet deutlich mehr als nur Betreuung. Am Vormittag beschäftigen sich die Senioren mit hauswirtschaftlichen Tätigkeiten. Sie falten frisch gewaschene Geschirrtücher und schneiden Gemüse für das gemeinsame Mittagessen klein. So erhalten sie sich ihre vertrauten Alltagskompetenzen. „Wir kochen Hausmannskost“, sagt Fachkraft Elisabeth Heimerer, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Anna Schüller den Tagesablauf organisiert. „Bei uns gibt es kein Sushi, sondern Gulasch.“ Es gehört zum Konzept der Einrichtung, dass sich die Senioren auch kulinarisch wohlfühlen. „Deshalb gibt es nichts, was ihnen fremd ist“, erklärt Heimerer.

 

Mit Tüchern mobilisieren die Mitarbeiterinnen der Caritas-Einrichtung die Seniorinnen und Senioren. Fotos: Schödl/Caritas

 

Musik schafft Bewegung
Ebenso traditionell sind die Lieder, die die beiden Mitarbeiterinnen und Praktikant Tjark Börner mit den Senioren singen. Heiter und humorvoll klingen die Texte und wer kein Liederbuch benutzt, braucht Erinnerungsvermögen und Kreativität. Das aktiviert den Geist, was ebenfalls zum Konzept der Tagesstätte gehört. Die Melodie lädt zum Schunkeln ein: „Wir sind noch etwas müde und auch etwas weiß, doch mit der Gymnastik wird es uns ganz schnell heiß“, dichtet Schwester Anna und animiert die Senioren nach der Mittagsruhe zur Bewegung. Christa Press weiß diese rhythmische Gymnastik in der Gruppe zu schätzen. Nachdem sie einmal Übungen für die Beine gemacht hätten, sei ihr am Abend das Treppensteigen viel leichter gefallen. „Zu Hause machst du sowas einfach nicht“, sagt sie, wenngleich sie sich das vorgenommen hat. Ihr Sohn hat ihr ein Trainingsgerät ins Wohnzimmer montiert. 

 

"Läuft bei dir?": Praktikant Tjark Börner bringt jugendlichen Schwung in die Kaffeerunde der Wettstettener Tagespflege.

 

Für viele Gäste der Tagesstätte ist die Gesellschaft mit anderen am wichtigsten. „Ich mag gerne unter Leuten sein“, sagt Stilla Vogel, eine andere Seniorin der Gruppe. Plaudern, sich unterhalten, gemeinsam Rätsel raten oder Zeitung lesen erhält die Kommunikationsfähigkeit und vertreibt die Zeit. „Leben allein reicht nicht, man muss es auch mit Qualität füllen“, bekräftigt Elisabeth Heimerer und sieht darin ihre Aufgabe. Für die berufstätigen Angehörigen ist es ein beruhigender Gedanke, die Eltern nicht alleine zu wissen. „Acht Stunden sind sehr lang“, meint Claudia Press. Ihre Mutter sieht noch einen anderen Vorteil: „Man wird zufriedener“, sagt sie, denn sie erlebt Menschen, denen es körperlich schlechter und andere, denen es körperlich besser geht. „Alles passt schon“, sagt sie und nimmt ihre eigenen Beschwerden leichter an.

Unabhängigkeit bewahren

Wenn Christa Press nach der Tagesstätte nach Hause kommt, ist sie erst einmal allein. Sie hängt ihren Mantel auf, geht in die Küche und macht es sich gemütlich. In ihrer vertrauten Umgebung fühlt sie sich am wohlsten. Deshalb ist das Heimkommen „immer am allerschönsten“. Meist liest sie noch ein wenig Zeitung, bis ihre Tochter, die mit ihrer Familie am anderen Ende des Ortes wohnt, kommt und sie gemeinsam den Abend einläuten. Die Kinder von Christa Press wollen ihrer Mutter die Unabhängigkeit im eigenen Haus noch lange bewahren, doch ohne Vorsichtmaßnahmen geht es nicht. Alle Laufwege des alten Hauses sind inzwischen mit Geländern gesichert und am Handgelenk trägt sie einen Notfallknopf. Auch die Nachbarn achten auf die alte Dame. „Jeder Tag mit meiner Mutter ist ein Geschenk“, sagt Claudia Press, die scheinbar souverän den Spagat zwischen Berufstätigkeit, eigener Familie und Pflege meistert. „Es ist Liebe, deshalb schaffen wir es.“

 

Andrea Schödl

 

Christa und Claudia Press erleben jeden gemeinsamen Tag als Geschenk.

 

 

Angebote für Tagespflege von Caritas-Sozialstationen

 

·          Tagespflege Gaimersheim, Tel. 08458 / 331800

·          Tagespflege Hilpoltstein, Tel. 09174 / 9777-0

·          Tagespflege Ingolstadt, Tel. 0841 / 3706773

·          Tagespflege Neumarkt, Tel.  09181 / 47650

·          Tagesbetreuung Pleinfeld, Tel. 09144 / 6990

·          Tagespflege Spalt, Tel. 09175 / 684

·          Tagespflege Wettstetten, Tel. 0841 / 37081991

Des Weiteren bieten die meisten Caritas-Seniorenheime der Diözese an, dass alte Menschen ganztags oder stundenweise am Tagesprogramm der Einrichtung teilnehmen. Die Einrichtungen informieren und beraten Sie gerne über Angebot und Kosten: www.caritas-eichstaett.de/tagespflege

 

 

Weitere Infos zu diesen Themen: