Diözesan-Caritasverband Eichstätt, 29.11.2018

Freiwilligendienstleistende begrüßt und bestärkt

Caritasverband Eichstätt lud BFDler zu besonderem Tag ein / Arbeit bundesweit zertifiziert

Um die Arbeit von Mitarbeitenden im Bundesfreiwilligendienst (BFD) in besonderer Weise wertzuschätzen, hat der Caritasverband Eichstätt gestern erstmals die neuesten Engagierten zu einem Begrüßungstag eingeladen. Rund 35 überwiegend junge Frauen und Männer nahmen daran im Eichstätter Priesterseminar teil. Sie tauschten ihre Erfahrungen aus und beteiligten sich an einem Workshop  „Du und ich – Soziale Kompetenzen stärken“, den die pädagogische Fachkraft im BFD Sarah Strasser durchführte. Nahezu zeitgleich erhielt der Caritasverband in den vergangenen Tagen ein Zertifikat dafür, dass seine BFD-Arbeit bei einer bundesweiten Prüfung positiv bewertet wurde.

Caritasdirektor Franz Mattes dankte den Bundesfreiwilligendienstleistenden, „dass Sie sich für Ihren Dienst eine Einrichtung der Caritas ausgesucht haben“. Er betonte, deren Arbeit am Menschen – wie sie die weitaus meisten leisten – sei letztlich nicht bezahlbar. Das gelte ebenso für den Dienst an alten demenzkranken Personen in Caritas-Seniorenheimen wie für den an Menschen mit Behinderung oder für Kinder mit besonderen Problemen. „Das Vertrauen und die Liebe eines Menschen kann man nicht erkaufen.“ Daher wünschte der Caritasdirektor den im BFD Engagierten, dass auch sie sich stets vom Motto zum hundertjährigen Jubiläum des Caritasbandes heuer „Ohne Liebe ist alles nichts“ leiten lassen.

Motiviert engagiert

Dass viele der jungen Engagierten sich wertebewusst dem Dienst am Menschen widmen, machten sie bereits bei einer Vorstellungsrunde deutlich, bei der sie die Aufgabe hatten, auch spontan ein Bild auszuwählen, das ihnen besonders zusagt. So hatte die aus Georgien stammende und jetzt im Caritas-Seniorenheim Neumarkt tätige Kristine Tsikarishvilli ein Motiv mit einem Elefanten herausgesucht: „So groß wie dieser ist, muss unsere Motivation für unsere Arbeit sein und so stark müssen wir sein, um sie zu bewältigen“, erklärte sie ihr Sinnbild. Korbinian Funk, der in der Schule und Heilpädagogischen Tagesstätte des Caritas-Zentrum St. Vinzenz für Menschen mit Behinderung seinen BFD leistet, zeigte unterdessen eine Friedenstaube, die für seine Werte stehe. Ihm ist im BFD klar geworden, dass er Heilerziehungspfleger werden will. Nicht alle Engagierten streben wie er nach ihrem Dienst einen sozialen Beruf an. Und mancher ließ auch erkennen, dass ihm schwierige Erfahrungen zu schaffen machen: etwa, „wenn die alten Leute einen an ihrem Leid teilhaben lassen“, erklärte ein junger Mann, der in einem Seniorenheim tätig ist. Deutlich wurde aber, dass alle überwiegend Freude an ihrem Bundesfreiwilligendienst haben und er ihnen in irgendeiner Weise für ihr Leben wichtig ist.  

 

Bundesfreiwilligendienstleistende suchten sich beim Begrüßungstag Bilder, die für sie und ihre Arbeit eine besondere Bedeutung haben. Fotos: Caritas/Esser

 

Caritas-Pädagogin Sarah Strasser, die die Engagierten persönlich berät und begleitet, war es wichtig, auch beim Begrüßungstag deren sozialen Kompetenzen zu stärken. Theoretisch wie praktisch bei verschiedenen Übungen vermittelte sie den Beteiligten, wie sie einerseits zum Beispiel ihr Einfühlungsvermögen für den Dienst an sozial benachteiligten Menschen fördern können, andererseits aber auch Kooperations- sowie Konfliktfähigkeit im Umgang mit Anleitern sowie Kollegen. Wie erfolgreich im Team gearbeitet werden kann, wurde den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zum Beispiel an einem Spiel „Stuhllehne“ deutlich. Hierbei musste „Hand in Hand“ vorgegangen werden, damit gekippte Stühle beim Laufen im Kreis nicht umfielen. Ein Spiel „Gefühlspost“ ließ die BFDler erfahren, wie sie Emotionen wie Traurigkeit, Wut und Fröhlichkeit bei anderen Menschen erkennen und dies anderen vermitteln können.

 

Wie erfolgreich im Team gearbeitet werden kann, wurde den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zum Beispiel an einem Spiel „Stuhllehne“ deutlich.

 

Um Freiwilligendienste zu stärken, machte Sarah Strasser auf eine bundesweite Hashtag-Aktion in sozialen Netzwerken am kommenden 5. Dezember aufmerksam. Dabei werden „kostenfreie oder kostengünstige ÖPNV-Tickets für alle Freiwilligen in Deutschland in ihrem jeweiligen Bundesland“ gefordert. Bei der Aktion seien die Engagierten eingeladen, auf Instagram und Twitter unter #freiefahrtfuerfreiwillige Kommentare und Fotos zu posten. Als beispielhafte Vergünstigung erwähnte die Caritasmitarbeiterin das Land Hessen: Dort sei ein Schülerticket für einen Euro am Tag eingeführt worden, das auch von BFDlern genutzt werden könne.

Nach Mitteilung von Sarah Strasser sind derzeit 52 BFDler in katholisch-sozialen Einrichtungen im Bistum Eichstätt tätig, davon 35 unter 27 Jahre. Die Hälfte aller arbeitet laut der Statistik in Seniorenheimen, viele tun dies auch im Bereich Behindertenhilfe. Zwei Drittel aller sind weiblichen Geschlechts. Die jüngste Person ist Sarah Strasser zufolge erst 15 Jahre alt, die älteste 63. „Über ein Drittel sind Engagierte, die aus dem Ausland zu uns gekommen sind. Das Spektrum reicht von Brasilien über den Iran, Vietnam und Russland bis Indonesien. In allen Diözesen Bayerns insgesamt gibt es hingegen im Durchschnitt nur rund zehn Prozent ‚Incomer‘“, machte die Caritas-Mitarbeiterin einen Trend im Bistum Eichstätt deutlich, der auch in der aus vielen Nationen bestehenden Gruppe beim Begrüßungstag ersichtlich wurde.

Qualität offiziell bescheinigt

Die intensive pädagogische Begleitung der Freiwilligendienstleistenden durch den Eichstätter Caritasverband war ein Grund dafür, dass dessen BFD-Arbeit vor wenigen Tagen von den Zentralstellen Deutscher Caritasverband, Jugendhaus Düsseldorf und Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) zertifiziert wurde. Dem Eichstätter Verband wurde bescheinigt, eine „interne Fremdevaluation über die Einhaltung der Qualitätsstandards für Freiwilligendienste überdurchschnittlich bestanden“ zu haben. Bei einer Bundesträgerkonferenz in Berlin wurde dem Eichstätter Caritas-Koordinator für Freiwilligendienste, Jakob Streller, das Zertifikat überreicht. Für den Prüfprozess hatte Streller ein Handbuch mit Beschreibung der eigenen Praxis samt Belegnachweisen an den Qualitätsausschuss des Deutschen Caritasverbandes eingereicht. Dieser bewertete die Arbeit anhand von 74 Muss- und 13-Kann-Standards.  

 

Ein Spiel „Gefühlspost“ ließ die BFDler erfahren, wie sie Emotionen wie Traurigkeit, Wut und – wie hier – Fröhlichkeit bei anderen Menschen erkennen und dies anderen vermitteln können.

 

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