Diözesan-Caritasverband Eichstätt, 07.12.2018

Altersarmut und Vereinsamung nehmen zu

Mehr Menschen mit finanziellen Schwierigkeiten laut Studie in Caritas-Sozialberatung

Immer mehr Menschen mit Geldproblemen, in Altersarmut und einsame Personen suchen die Allgemeine Sozialberatung der Caritas-Kreisstellen im Bistum Eichstätt auf. Das sind die wesentlichen Erkenntnisse aus einer Stichtagserhebung über diesen Kerndienst des katholischen Wohlfahrtsverbandes. Der Deutsche Caritasverband hatte die Studie für alle deutschen Diözesen am 20. September 2018 durchgeführt. Danach gab es an diesem Tag fast 90 Ratsuchende bei den sieben Caritas-Sozialberatungsstellen in der Diözese Eichstätt.

Unerwartete Ausgaben treffen hart

Der Anteil der Menschen mit finanziellen Schwierigkeiten ist bei den Stellen im Vergleich mit derselben Erhebung im Vorjahr von 41 auf 53 Prozent gestiegen. Nach Information von Bernhard Gruber treffen immer häufiger unerwartete Ausgaben Geringverdiener sowie Sozialleistungsbezieher hart: „zum Beispiel, wenn die Waschmaschine plötzlich kaputt geht, in der Schule für die Kinder etwas bezahlt werden muss oder eine Stromnachzahlung fällig wird, welche auch Hartz-IV-Empfänger selbst zahlen müssen.“ Gruber ist Sozialberater bei der Caritas-Kreisstelle Ingolstadt und Sprecher für die Allgemeine Sozialberatung bei der Caritas im Bistum Eichstätt. Vermehrt um Hilfe gebeten werden deren Mitarbeitenden auch von alten Menschen: Der Anteil der Ratsuchenden ab 65 Jahre stieg von 5 auf 13 Prozent und jener der Rentenbezieher von 17 auf 27 Prozent. „Hier zeigt sich, dass das Thema Altersarmut ein zunehmend ernst zu nehmendes Problem wird. Es kommen immer mehr, die auf eine aufstockende Grundsicherung angewiesen sind“, so Gruber.

Doch neben der materiellen Armut leiden nach seiner Erfahrung diese Menschen auch immer häufiger an Vereinsamung. Vor kurzem sei zum Beispiel eine verwitwete Spätaussiedlerin von ihrem Nachbarn zu dem Ingolstädter Berater gebracht worden, weil ihr das Sozialamt angedroht hatte, die Miete nicht weiterzubezahlen. „Diese Gefahr konnten wir mit einem Brief und einigen Nachweisen erst einmal bannen. Doch die Frau wird weiterhin zu mir kommen, auch um ihr Herz bei mir auszuschütten. Da sie keine Familie hat, wird es zudem darum gehen, ob und wie sie daheim unterstützt werden kann, zum Beispiel durch Essen auf Rädern oder eine Nachbarschaftshilfe“, beschreibt Gruber einen typischen Fall. Ein anderer: „Eine Ärztin rief mich an, sie habe eine ältere Frau operiert, die zum einen sehr abgemagert war und zum anderen nicht weiß, wie es in ihrem Leben weitergehen soll.“ Hier will der Sozialberater möglichst bei einem Hausbesuch die näheren Umstände klären. Häufig ist das zunächst einmal damit verbunden, einen Antrag bei der Pflegeversicherung oder auf Grundsicherung für die Betroffenen zu stellen. „Viele wissen gar nicht, dass und wie sie das machen können. Andere beantragen die Grundsicherung aus Scham nicht oder auch, weil sie fürchten, dass das Vermögen Angehöriger herangezogen wird, was aber nur selten der Fall ist“, erklärt der Ingolstädter Caritas-Verantwortliche.  

Vereinsamt fühlen sich dem Sozialberater zufolge allerdings nicht nur viele ältere Menschen, sondern auch etliche Hilfesuchende im mittleren Alter. „Oft sind es Langzeitarbeitslose, die kaum noch eine Integrationsperspektive haben, häufig aber auch Männer, die nach einer Trennung alleine überfordert sind: vor allem mit manchem ‚Papierkram‘, mit dem sie dann zu uns kommen.“   Der Anteil der Alleinstehenden in den Beratungsstellen ist von 34 auf 49 Prozent gestiegen und die Anzahl der Klienten ohne Kinder von 48 auf 55 Prozent.

Von Bescheiden überfordert

Drei weitere Trends zeigten sich in der jüngsten Untersuchung: Die Anzahl der Klienten, die Probleme im Umgang mit Behörden hat, wuchs von 41 auf 47 Prozent im Vergleich mit dem Vorjahr. Viele fühlen sich nach Erfahrung Grubers überfordert, Briefe und vor allem Bescheide von Ämtern zu verstehen. Für den Sozialberater ist das kein Wunder: „Beim mehrseitigen Bescheid zur Übernahme von Heimkosten des überörtlichen Sozialhilfeträgers komme ich sogar an meine Grenzen. Dafür muss ich mir schon eigens außerhalb der Beratung in Ruhe Zeit nehmen“, macht er die Kompliziertheit deutlich. In über einem Viertel aller Fälle sind die Klienten am Stichtag von anderen Caritasdiensten an die Allgemeine Sozialberatung vermittelt worden. „Das tun zum Beispiel die Suchtambulanz oder die Beratungsstelle für psychische Gesundheit, wenn die Betroffenen sie mit Problemen der Existenzsicherung oder auch mit eher diffusen Lebensschwierigkeiten konfrontieren. Da ist die Allgemeine Sozialberatung das ‚Sammelsurium für alles“ im Caritas-Hilfenetzwerk“, erklärt Gruber die Bedeutung des Caritas-Kerndienstes.

Darüber hinaus stieg der Anteil der Ratsuchenden mit Problemen im Bereich „Wohnen“ von 19 auf 30 Prozent drastisch an. Für Gruber zeigt sich auch hier, dass gerade viele arme Menschen – wenngleich nicht nur diese – „derzeit kaum eine Chance haben, eine für sie angemessene bezahlbare Wohnung zu finden“. Die Caritas in ganz Deutschland macht daher heuer auf diese Problematik mit ihrer Jahreskampagne „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“ aufmerksam.

Allgemeine Sozialberatung leisten im Bistum Eichstätt die Kreisstellen in Eichstätt, Herrieden , Ingolstadt, Neumarkt, Nürnberg-Süd, Roth und Weißenburg. Außenstellen gibt es zudem in Altdorf, Beilngries , Eibach , Gunzenhausen, Hilpoltstein, Kösching , Schwabach und Wemding .

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