Diözesan-Caritasverband Eichstätt, 12.12.2018

"Jeder Mensch braucht ein Zuhause"

Caritas-Kreisstelle Eichstätt organisierte Wohn- und Esszimmer auf der Straße

„Das ist mir hier gleich ins Auge gestochen“, meinte Sebastian Schmid aus Tauberfeld, als er sich heute Morgen einem ungewöhnlichen Stand der Caritas-Kreisstelle am Eichstätter Marktplatz näherte. Deren Mitarbeitende hatten dort ein Wohn- und Esszimmer sozusagen auf der Straße aufgebaut: als eine besondere Aktion im Rahmen der bundesweiten Jahreskampagne des katholischen Wohlfahrtsverbandes unter dem Motto „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“.

„Wir wollten das bewusst im Winter machen, damit die Leute einen plastischen Eindruck bekommen, wie ungemütlich es sein kann, keine Wohnung zu haben“, erklärte Kreisstellenleiter Josef Wintergerst. Manfred Aschenbrenner aus Eichstätt, der mit den Caritas-Mitarbeitenden am Stand ins Gespräch kam, meinte denn auch: „Ich finde es wichtig, dass man auf dieses Problem aufmerksam macht.“  Zwar schauten sich nicht sehr viele Passanten wie er das Zimmer und den Stand aus der Nähe an. „Man weiß aber nicht, was das hier bei denen bewirkt, die hier vorbeigehen und herüberschauen“, hofft der Kreisstellenleiter dennoch, eine breitere Wirkung mit dem Projekt erzielt zu haben.

Diejenigen, die den Stand aufsuchten, erhielten über die Wohnraumproblematik vor allem durch eine spezielle Plakatgegenüberstellung eine Vorstellung: Da hing auf der einen Seite eine Abbildung des „perfekten Mieters“: ein Mann ohne Krankheiten, ohne Kinder, mit guten Einkommen, der zudem kleine Reparaturen selbst vornimmt und am Wochenende meistens wegfährt. Auf der anderen Seite hingen Bilder von einer Familie, Menschen mit Behinderung sowie Migrationshintergrund. „Auch und gerade diese brauchen eine Wohnung! Oft sind sie allerdings wie auch die heilige Familie – an die wir uns in der Weihnachtszeit wieder erinnern – verzweifelt auf der Suche, ohne eine Bleibe zu finden. Das erleben wir in unserer Beratung immer wieder“, erläuterte Wintergerst im Gespräch. Gerade wenn bei diesen Menschen dann noch ein weiteres Hemmnis hinzukommt wie zum Beispiel eine Verschuldung, „wird es nochmals umso schwieriger“.

Dass von 9.00 bis 15.00 Uhr abwechselnd Mitarbeitende aus allen Diensten der Caritas-Kreisstelle am Stand waren, stand stellvertretend für das Wohnraumproblem. Denn dieses ist Wintergerst zufolge in allen immer wieder ein Thema – von der Allgemeinen Sozialberatung über die Schuldner- sowie Flüchtlings- und Integrationsberatung bis hin zum Gerontopsychiatrischen Dienst. Für alle fasste der Kreisstellenleiter als zentrales Anliegen zusammen: „Wir wollen mit der Aktion zum einen auf die Notwendigkeit von mehr sozialem Wohnungsbau aufmerksam machen. Wir wünschen uns aber auch von privaten Vermietern, dass sie offener werden für Menschen mit sozialen Problemen und auch diesen eine Chance geben, eine Wohnung zu mieten.“

 


Mit einem Wohn- und Esszimmer auf der Straße machte die Caritas-Kreisstelle Eichstätt auf die Wohnraumproblematik aufmerksam. Foto: Caritas/Esser

Weitere Infos zu diesen Themen: