Diözesan-Caritasverband Eichstätt, 30.08.2019

Neues Leben für Senioren in Neubau am Stadtschloss

Caritas weiht wegweisendes Projekt in Herrieden am 6. September ein

Am Freitag, 6. September ist es so weit: Der Caritas- Neubau für Wohnen und Leben am Stadtschloss am Vogteiplatz 7 in Herrieden wird von Bürgermeister Alfons Brandl und verschiedenen Caritas-Persönlichkeiten eingeweiht. Hier ist direkt neben dem Seniorenheim St. Marien ein Haus für Wohnen mit Service und Tagespflege sowie Begegnungszentrum errichtet worden. In Herrieden wird mit diesem besonderen Projekt eine Versorgungslücke in der Seniorenarbeit geschlossen. Im Diözesan-Caritasverband fungiert die neue Einrichtung als ein Pilotprojekt für das Leben und die Arbeit mit älteren Menschen. Das Wohnen mit Service besteht aus zwölf barrierefreien Zwei-Zimmerwohnungen, die Tagespflege bietet 15 Plätze. Nach Mitteilung der Einrichtung sind noch einige Kapazitäten frei, mehrere Plätze und Wohnungen sind aber auch bereits belegt. Das Begegnungszentrum steht allen Bürgerinnen und Bürgern offen und soll mit generationenübergreifenden Angeboten und Veranstaltungen gefüllt werden.

Für selbstständiges Leben mit Hilfe

Die Wohnungen haben eine Größe von 45 bis 56 Quadratmetern. In diese können Alleinstehende wie Ehepaare einziehen. Gedacht ist „Wohnen mit Service“ für ältere Menschen mit einem gewissen Pflege- und Unterstützungsbedarf: die ihren Haushalt grundsätzlich selbst führen können, aber Serviceleistungen nach Wunsch in Anspruch nehmen möchten. Die Mieter können zum einen Grundleistungen wie Beratung bei Krankheit sowie auch ein Vorzugsrecht für einen späteren Umzug ins Seniorenheim St. Marien erhalten. Zudem können sie sich Zusatzleistungen als individuelles Paket zusammenstellen lassen: Dazu gehören zum Beispiel Mahlzeiten in der Altenhilfeeinrichtung oder in der eigenen Wohnung, hauswirtschaftliche Hilfen wie Wohnungsreinigung und Wäschepflege, Pflege zum Beispiel durch die Kath./Evang. Sozialstation Bechhofen, Fahrdienste sowie Teilnahme an Veranstaltungen.

Das „Wohnen mit Service“ verfügt über eine gehobene technische Ausstattung. Nach Mitteilung von Seniorenheimleiter Robert Bengel wurden für Komfort und Sicherheit zum Beispiel eine einbruchhemmende Verglasung und Türsprechanlagen mit Videofunktion ebenso installiert wie Rauchmelder, Hausnotrufsysteme, besondere Beleuchtungskonzepte sowie automatisches Abstellen von elektrischen Geräten. Alle zwölf Apartements einschließlich ihrer Bäder sind laut Bengel rollstuhlgerecht eingerichtet. Auf Wunsch können Mieter gegen Mehrkosten viele Funktionen – zum Beispiel Jalousien und das Licht – über ein eigenes Tablet steuern.

Die angegliederte Tagespflege richtet sich vorrangig an alte Menschen, die in ihrer Alltagskompetenz eingeschränkt und pflegebedürftig sind. Der Tagesablauf folgt dem „Normalitätsprinzip“ in einer familiären Atmosphäre mit gewöhnlichen täglichen Aktivitäten. Dabei werden Ruhe- und Entspannungspausen beachtet, aber auch Fähigkeiten zum Erhalt von Gesundheit und Mobilität gefördert: zum Beispiel durch Gedächtnis- sowie Bewegungsübungen, Spiele und Gymnastik. Es gibt ein Foyer zum Ankommen und Abholen durch die Angehörigen, die in der Zeit der Tagespflege entlastet werden. Ort der Aktivitäten sind ein großer Gruppenraum mit eingebauter Wohnküche sowie eine sich anschließende Terrasse mit Blick auf das frisch renovierte Herrieder Stadtschloss. Die Tagespflege ist an fünf Wochentagen von 8.00 bis 16.00 Uhr geöffnet. 

Pilotprojekt im Caritasverband

Im Begegnungszentrum des Gebäudes gibt es ein kleines Café, welches auch Möglichkeiten für Treffen von Besuchern und Bürgern aus Herrieden und Umgebung bietet. Die seit Anfang dieses Jahres angestellte Sozialraummanagerin Laura Winner – deren Stelle von der Deutschen Fernsehlotterie gefördert wird – steht allen Senioren Herriedens als Ansprechpartnerin und Beraterin zu Themen des Alters zur Verfügung. Auf die Beine gestellt hat sie auch einen wöchentlichen Kaffeeklatsch für Senioren sowie einen regelmäßigen Männer-Seniorentreff mit Weißwurstfrühstück. In Zukunft will sie zudem Projekte mit den örtlichen Schulen und Kindertagesstätten organisieren. „So kann sozialer Isolation und Vereinsamung im Alter entgegengewirkt werden“, erklärt sie das Ziel ihrer Aktivitäten. Laura Winner ist die erste Sozialraummanagerin in der Caritas-Altenhilfe im Bistum Eichstätt. Das an der Umgebung orientierte Konzept in Herrieden ist das am weitesten entwickelte von allen 20 Caritas-Seniorenheimen in der Diözese - und hat somit Pilotcharakter.

Bei den Bauarbeiten aufgetretene archäologische Funde und dadurch bedingte Ausgrabungen erhöhten die Gesamtkosten um rund 130.000 Euro auf gut 4,3 Millionen Euro für das Bauprojekt. Laut dem Caritasverband betrugen sie etwa 3,1 Millionen für „Wohnen mit Service“ einschließlich des Begegnungszentrums und knapp 1,1 Millionen für die Tagespflege. Die Deutsche Fernsehlotterie bezuschusste die Tagespflege mit 300.000 Euro und die Stadt Herrieden stellte einen etwa ebenso hohen Betrag für das Gesamtprojekt als Darlehen zur Verfügung. Nach eigenen Angaben hat der Caritasverband selbst mit über dreieinhalb Millionen Euro den Großteil übernommen und steuerte die Diözese Eichstätt insgesamt weitere gut 150.000 Euro bei.


Mit dem Neubau für Wohnen und Leben am Stadtschloss in Herrieden bietet der Caritasverband Eichstätt Senioren ganz neue Möglichkeiten. Foto: Laura Winner/Caritas

 

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