Diözesan-Caritasverband Eichstätt, 26.09.2019

"Liebe nährt"

Das Motto der Caritas-Herbstsammlung am Beispiel des Dienstes Essen auf Rädern

Geschäftiges Treiben in der Großküche des Caritas-Seniorenheims St. Elisabeth Eichstätt: Küchenleiterin Brigitte Göbl und ihre Mitarbeiterinnen füllen heiße Suppe in mehrere Schüsseln ein und verschließen sie mit Deckeln: für 45 Essen auf Rädern, die von ihrem Haus aus heute auf zwei Touren in Eichstätt und Pfünz ausgefahren werden. Auf die Deckel drückt Hauswirtschafterin Christine Appelsmeier nochmals mit ihren Fingern: „Sonst läuft mir das am Ende alles im Auto aus“, erklärt sie. Als Hauptgerichte stehen Kirschmichel mit Vanillesoße sowie Hackbraten mit Karottengemüse und Kartoffelpüree zur Auswahl. Brigitte Göbl kennzeichnet die Essen mit Menü 1 und Menü 2, jeweils unterteilt in normale und kleine Portionen. Sodann packt Christine Appelsmeier ihre gut 20 Rationen auf einen Wagen und fährt sie zum Auto. „Die Kunst ist, jetzt alles so, wie man‘s braucht, ins Fahrzeug reinzukriegen. Vorne stelle ich stets die Suppen hin, damit ich von der Seitentür gleich drankomme“, so die 39-jährige Hauswirtschafterin.

Seit fünf Jahren fährt sie Essen auf Rädern für das Caritas-Seniorenheim aus. Morgens versorgt sie zunächst Bewohnerinnen und Bewohner in der Einrichtung mit dem Frühstück. Dann geht’s mit dem mobilen Mahlzeitendienst weiter, der gut zwei Stunden dauern wird. „Ich mache das sehr gerne, weil ich in dieser Zeit mein eigener Herr bin“, nennt sie eine Motivation für diese Tätigkeit. Die andere ist das Zwischenmenschliche: „Die Leute freuen sich, wenn ich komme: einerseits, weil sie von uns ein warmes Essen bekommen, andererseits weil viele jemanden brauchen, der mit ihnen redet. Manchmal reicht auch Zuhören, da braucht man gar nicht viel zu sagen“, erläutert sie am Beispiel ihres Dienstes praktisch die Doppelbedeutung des Mottos der Caritas-Herbstsammlung „Liebe nährt.“

Vor der Tour muss alles gut vorbereitet werden: Küchen- und Hauswirtschaftsleiterin Brigitte Göbl (Zweite von rechts) schüttet die Suppen ein, Ausfahrerin Christine Appelsmeier kontrolliert, ob alles passt. Fotos: Caritas/Esser

Ergotherapie vermittelt

Eine der ersten Essensbezieher, die sie anfährt, ist in Landershofen Heike Bauer, die in Wirklichkeit anders heißt. Ihr Mann sitzt im Rollstuhl. Sie pflegt ihn Tag und Nacht und ist daher froh, wenn sie nicht kochen muss. „Wir unterhalten uns oft, wie es ihrem Mann geht. Manchmal sitzt er auch schon am Essenstisch und grüßt mich dann ganz freundlich“, erzählt die Hauswirtschafterin, kurz bevor sie ankommt. Heike Bauer ist mit dem Essen ziemlich zufrieden: „Die Art und Weise, wie es kommt, warm und frisch gemacht, gefällt uns. Vor allem die Suppen und das Fleisch sind toll“, meint sie. „Sie schätzt den Dienst aber nicht nur, weil er für sie eine große Entlastung darstellt, sondern auch, weil Christine Appelsmeier oft einen Ratschlag für sie hat: „Dank ihr hat mein Mann eine Ergotherapie erhalten. Bei einem Gespräch nebenbei hatte sie hierfür eine Möglichkeit erwähnt“, sagt die Landershofenerin. Sie und ihr Mann, beide um die 80 Jahre alt, wollen möglichst lange zu Hause wohnen bleiben. „Und das ginge nicht, wenn es das Essen auf Rädern nicht gäbe.“

Auch Katrin Müller, deren Name hier ebenfalls geändert ist und die Christine Appelsmeier als nächstes ansteuert, schmecken vor allem die Suppen, die im Caritas-Seniorenheim zubereitet werden. „Früher war ich mittags total erschöpft vom Kochen. Jetzt darf ich mich an einen gedeckten Tisch setzen und essen. Das ist eine sehr große Erleichterung.“ Und auch sie verdankt Christine Appelsmeier eine große Hilfe für ihren Mann: Diese vermittelte ihm einen Pfleger.

Ausprobiert und dann dankbar

Nach einigen Essenslieferungen in Pfünz geht es zurück nach Eichstätt. „Ich fahre zum Teil zu sehr alten Leuten, die schon über 90 sind und es gibt solche, die so dement sind, dass ich sie auffordern muss, das Essen auch wirklich zu konsumieren. Bei einer Frau bin ich froh, dass die Caritas-Sozialstation kurze Zeit nach meinem Besuch nach ihr schaut“, erzählt Christine Appelsmeier auf der Autofahrt. Grundsätzlich kann man das Essen ab dem Rentenalter beziehen, mit einem Schwerbehindertenausweis auch früher. Oft wenden sich Menschen nach Krankenhausaufenthalten an den Dienst, wenn sie sich selbst nicht mehr versorgen können. Manche bekommen das Essen auf Rädern die ganze Woche lang, andere nur an bestimmten Tagen. Und einige bedürftige ältere Menschen auch nur, solange ihre erwachsenen Kinder oder Helfer eine Zeit lang nicht da sind: etwa ein Essensbezieher in der Breitenauerstraße, deren Haushälterin gerade in Urlaub ist. „Es rufen auch viele Angehörige an, die zum Beispiel mitteilen: „Meine Mutter kocht nichts mehr, wir wollen mal das Essen auf Rädern ausprobieren: Anschließend sind die Bezieher oft dankbar, dass ihre Angehörigen sie dazu überredet haben und freuen sich darauf, es zu bekommen“, macht die Caritas-Hauswirtschafterin auf eine wesentliche Motivation aufmerksam, ihren Dienst in Anspruch zu nehmen.

Vielen älteren Ehepaaren reicht eine Portion, andere bestellen zwei kleine Mahlzeiten. „Ab und zu ist es ein bisschen viel“, meint denn auch der 67-jährige Julius Bürkner, der in der Grabmannstraße wohnt. Doch er findet sich zurecht: „Dann kann man zweimal essen, mittags und abends, einwandfrei, ich esse alles.“ Dann geht’s weiter zum Pfarrer im Ruhestand Blasius Meixner. Der 90-jährige schätzt neben den Suppen vor allem die Mehlspeisen. Auch er freut sich stets auf ein kurzes Gespräch mit der Caritas-Mitarbeiterin, wenngleich er noch viel Kontakt hat, sogar noch einige Krankenbesuche selbst unternimmt. Bereits über 90 ist eine Person am Schießstättberg. Um zu ihr ins Haus zu kommen, hat Christine Appelsmeier einen Schlüssel bekommen: „Bei der weiß ich nie so richtig, ob sie schon wach ist. Da merkt man auch die Demenz.“

Auch der Pfarrer im Ruhestand  Johann Meixner gehört zu den Essenbeziehern.

Einer hochbetagten Dame in der Luitpoldstraße hilft  Christine Appelsmeier immer mal wieder mit einigen Handgriffen, zum Beispiel ihre Sommerkleidung auf den Schrank zu stellen und die Weihnachtsdekoration herunterzuholen. Und selbstverständlich wird sie im Notfall tätig: „Mir hat sie schon einmal auf die Couch raufgeholfen, als ich auf dem Boden lag. Ich weiß nicht, ob ich selbst wieder heraufgekommen wäre“, erzählt der bald 80-jährige Johann Schneider. Doch bei aller Notwendigkeit, sich Zeit für die Menschen zu nehmen, muss die Caritas-Mitarbeiterin immer die Uhr im Blick haben. „Denn wenn das Essen nicht pünktlich kommt, sind die Leute ungeduldig und fragen, was los ist.“ Das A und O bleibt für sie trotzdem – selbst bei Zeitdruck –, offen für die Leute zu sein. „Das ist das, was sie schätzen und brauchen. Dazu gehört es dann zum Beispiel auch, nicht nebenbei zu telefonieren“, weiß Christine Appelsmeier aus Erfahrung.

Auch Kinder freuen sich

Außer in den Ferien fährt Christine Appelsmeier auch Essen in die katholischen Kindertageseinrichtungen Heilige Familie in Eichstätt und St. Nikolaus in Pfünz. „Die Mädchen und Buben grüßen mich schon mit Namen. Und wenn es am Donnerstag Schokopudding gibt, strahlen ihre Gesichter. Dann merke ich besonders, dass sich neben alten Menschen auch Kinder auf das Essen freuen.“

PETER ESSER 

Zügig servieren, aber auch ein offenes Ohr für die Menschen haben ist die Herausforderung bei der Tätigkeit von Christine Appelsmeier.

„Was Caritas ausmacht“

Rund 50 Menschen werden beliefert

Den Dienst Essen auf Rädern des Caritas-Seniorenheimes St. Elisabeth Eichstätt gibt es seit Mitte der Siebziger Jahre. Solange die Caritas-Sozialstation Eichstätt Zivildienstleistende hatte, fuhren diese das Essen aus. Heute tun dies vor allem die Hauswirtschaftskräfte des Seniorenheimes in der Woche. Am Wochenende und an Feiertagen übernehmen die Malteser in Preith den Fahrdienst. Nach Mitteilung von Küchen- und Hauswirtschaftsleiterin Brigitte Göbl beziehen derzeit rund 50 Menschen und die beiden katholischen Kitas Heilige Familie Eichstätt und St. Nikolaus Pfünz das Essen auf Rädern. Noch werden die Mahlzeiten in Aluminiumverpackungen geliefert. „Wenn wir im kommenden Jahr unsere neue Küche im Seniorenheim beziehen, haben wir mehr Platz, und dann stellen wir auf Porzellangeschirr um“, kündigt sie an.

Brigitte Göbl nennt zwei Gründe, weshalb das Seniorenheim den Dienst Essen auf Rädern leistet: „Erstens kennen die Leute, die dann vielleicht auch mal zu uns in die Einrichtung kommen, unser Essen schon. Zweitens ist es ein Vorteil für die Familien der Bezieher, die so ohne Probleme ihrem Beruf nachgehen können und nicht vorkochen müssen. Dass dabei auch einige zusätzliche Dienste kostenlos geleistet werden, gehört der Leiterin zufolge zu dem, „was Caritas ausmacht“: Zum Beispiel bringen die Essensausfahrerinnen manchen Leuten, die nicht zu ihrem Briefkasten gehen können, auch die Post mit. „So etwas wird nebenbei erledigt. Und wenn jemand dringend zum Arzt muss, fahren sie den auch schon mal in ihrer Freizeit freiwillig dorthin und dann wieder nach Hause.“

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