Diözesan-Caritasverband Eichstätt, 18.09.2016

Wehmut und Dank beim Abschied

Die letzten vier von über 70 engagierten Niederbronner Schwestern in Eichstätt hören auf

144 Jahre lang haben die Schwestern vom Göttlichen Erlöser, genannt Niederbronner Schwestern, in vielfältigen sozialen und kirchlichen Diensten in Eichstätt gewirkt. Heute sind die letzten vier Ordensfrauen im Caritas-Seniorenheim St. Elisabeth Eichstätt, wo diese bis zuletzt wohnten, verabschiedet worden: von zahlreichen alten Menschen sowie Verantwortlichen und Mitarbeitenden aus Caritas, Kirche und Politik bei einem Gottesdienst in der überfüllten Hauskapelle und Festakt im Speisesaal der Einrichtung.

Zwei Grundstimmungen beschrieb Caritasdirektor Franz Mattes im Zusammenhang mit dem Abzug der Schwestern: „zum einen großen Abschiedsschmerz, zum anderen Dank, der den Abschiedsschmerz vertreiben möge“. „Vergelt’s Gott“, sagte der Direktor zu den Schwestern, von denen neun an der Abschiedsfeier teilnahmen. Diese hätten in vielfacher Weise segensreich gewirkt: vor allem für alte und kranke Menschen, aber auch in Pfarreien bis hin zum Bischofshaushalt. „Und Sie haben hier zum Stadtbild dazugehört“, sagte Mattes mit Wehmut, der den Gottesdienst mit Dompfarrer Josef Blomenhofer und dem Hausgeistlichen des Seniorenheimes Michael D. Klersy hielt. Den Gottesdienst gestalteten Rudolf Pscherer an der Orgel und der Hauschor des Caritas-Seniorenheimes musikalisch.

 

 

Die Niederbronner Schwestern noch einmal gemeinsam mit Verantwortlichen in Caritas, Kirche und Politik in Eichstätt. Mit den Ordensfrauen Marie Dominika Osiander, Maria Theresia Seitz, Cornelia Böhm und Antonina Firsching (unten von links) verlassen jetzt die letzten vier Schwestern der Gemeinschaft das Caritas-Seniorenheim St. Elisabeth und die Stadt. Fotos: Caritas/Esser

 

„Die Zeiten ändern sich und wir mit ihnen“, zitierte Provinzoberin Schwester Rosa Fischer den römischen Dichter der Antike Ovid, fügte aber aus dem Buch Kohelet in der Bibel hinzu: „Doch sieh ein, dass Gottes Tun noch hinzukommt.“ Unter diesen Leitsätzen gab die Provinzoberin einen Rückblick auf die fast 150-jährige Geschichte ihrer Ordensgemeinschaft in Eichstätt. 1872 kamen die ersten Schwestern aus dem Generalmutterhaus im elsässischen Bad Niederbronn nach Eichstätt, wo sie sich zunächst im Distriktkrankenhaus in Pflege und Hauswirtschaft einsetzten. Als dieses 1920 das Altenheim St. Elisabeth wurde, blieb die Ordensgemeinschaft dort weiterhin engagiert. Über 70 Schwestern haben Schwester Rosa Fischer zufolge seitdem in der Einrichtung gelebt und gewirkt. Ordensgründerin Elisabeth Eppinger, Mutter Alfons Maria – von der ein Bild zusammen mit vier Kerzen stellvertretend für die letzten vier Schwestern in Eichstätt vor dem Altar aufgestellt war – habe vorgelebt, worum es den Schwestern stets gegangen ist: „In der Zuwendung zu Jung und Alt, Gesunden und Kranken sollte Gottes Liebe und Erbarmen für sie erfahrbar werden“, so die Provinzoberin.

Vielfältig kirchlich und sozial eingebracht

Mit der Zeit zeichnete sich allerdings der Rückgang an Ordensberufungen immer deutlicher ab. Ende 2005 schied in St. Elisabeth die letzte in der Pflege eingesetzte Schwester aus Alters- und Gesundheitsgründen aus dem aktiven Dienst aus. Doch als Gemeinschaft waren die Schwestern weiter präsent: durch ihre ehrenamtliche Mithilfe in verschiedenen Bereichen des Caritas-Seniorenheimes sowie hauptamtlich in kirchlichen und sozialen Diensten außerhalb der Einrichtung. Bis heute haben dies Schwester Cornelia Böhm, Oberin der Eichstätter Gemeinschaft, und ihre Mitschwestern Maria Theresia Seitz, Antonina Firsching und Marie Dominika Osiander getan. Schwester Cornelia ist als Ordensreferentin in der Diözese Eichstätt tätig gewesen und hat ehrenamtlich wöchentlich Patientinnen und Patienten im Eichstätter Krankenhaus besucht. Schwester Maria Theresia hat als Krankenschwester bei der Caritas-Sozialstation Eichstätt mitgearbeitet und ehrenamtlich viel in der Kapelle des Caritas-Seniorenheimes Eichstätt mitgewirkt.

Schwester Antonina hat sich vielfältig ehrenamtlich im Caritas-Seniorenheim St. Elisabeth Eichstätt engagiert: zum Beispiel in der Betreuung der alten Menschen, in ihrer seelsorglichen Begleitung und an der Pforte sowie in der Verwaltung. Und Schwester Marie Dominika Osiander hat in der Einrichtung kranke und sterbende Menschen sowie deren Angehörige begleitet, ist als ehrenamtliche Sakristanin und Kommunionhelferin tätig gewesen, hat für den Kirchenschmuck gesorgt und auch viel in der Wäscherei ausgeholfen.

„Danke für alle Mitsorge, Ihre Wertschätzung, alles Vertrauen, das Sie uns Schwestern geschenkt haben, auch und gerade dann, wenn wir aus Alters- und Krankheitsgründen Dienste ab- und weitergeben durften“, sagte Provinzoberin Rosa Fischer. Sie schloss Ihre Ansprache mit den Worten: „Ihnen verehrte Dienstgemeinschaft, liebe Bewohnerinnen und Bewohner hier in St. Elisabeth, uns allen wünschen wir Gottes Segen, getragen von der gläubigen Zuversicht, dass bei allem, was wir heute und morgen tun, immer Gottes Tun hinzukommt.“

 

 

Provinzoberin Schwester Rosa Fischer gab einen Rückblick auf die 144-jährige Geschichte der Niederbronner Schwestern in Eichstätt.

 

Eine Mischung aus Wehmut und Lob sowie Dank prägte auch die Ansprache der für die Caritas-Altenhilfe im Bistum Eichstätt verantwortlichen Abteilungsleiterin, Hedwig Kenkel. „Sicherlich kann man die eine oder andere Tat ersetzen, aber nicht alles.“ Kaum oder schwer zu ersetzen sind Kenkel zufolge Trost und Hoffnung, welche die Schwestern vor allem sterbenden Menschen geschenkt haben. Für den Abzug der Schwestern äußerte sie Verständnis. Wesentliche Gründe dafür sind das fortgeschrittene Alter der Schwestern und der generelle Nachwuchsmangel. „Und auch die bevorstehende Baumaßnahme im Seniorenheim hat dazu beigetragen, dass sie jetzt und nicht etwas später hier aufhören“, so die Caritas-Abteilungsleiterin.

„Wir wollen den Geist weitertragen“

Der dritte Bürgermeister der Stadt Eichstätt, Gerhard Nieberle, dankte den Schwestern für ihr so langes caritatives Engagement. 144 Jahre stünden für zwölf mal zwölf Jahre. Die symbolisch für Vollkommenheit stehende Zahl Zwölf in multiplizierter Weise mache allein deutlich, „welche gute Arbeit Sie hier geleistet haben“, so Nieberle zu den Schwestern. Dompfarrer Josef Blomenhofer, der auch Bischöflicher Beauftragter für die Orden im Bistum ist, griff das Zahlenspiel in seinem Dankeswort auf, indem er darauf hinwies, dass Zwölf sich aus vier mal drei zusammensetzt. Angelehnt daran schenkte Blomenhofer den vier letzten verabschiedeten Schwestern jeweils drei Tafeln Schokolade als „Nervennahrung“ für den bevorstehenden Auszug. Der Vorsitzende des Eichstätter Vinzenzvereins, Dr. Bertram Blum, machte darauf aufmerksam, dass bereits im Jahr 1885 die erste Niederbronner Schwester im Dienst dieses Vereins in der Hauskrankenpflege aktiv wurde, „lange bevor es eine organisierte Caritas gab“. Blum teilte persönlich mit, dass die Schwesterngemeinschaft sein Leben in Kindergarten, Schule und Beruf vielfach geprägt habe. Der neue Leiter des Caritas-Seniorenheimes St. Elisabeth, Benedikt Sedlmeier, sagte, die Schwestern hätten ihm den Einstieg in seine Arbeit erleichtert. „Wir wollen den Geist weitertragen, den Sie hier eingebracht haben.“ kündigte er an.

Als Abschiedsgeschenk und zur Erinnerung an ihre Zeit im Seniorenheim überreichten Caritasdirektor Franz Mattes und Hedwig Kenkel allen vier verabschiedeten Schwestern ein vom Caritasverband eigens aufgenommenes Foto des Altarraumes der Hauskapelle mit dem Wandteppich über das Rosenwunder der heiligen Elisabeth. Ferner erhielten sie jeweils ein Buch über Heilige, Selige und verehrungswürdige Personen aus dem Bistum Eichstätt sowie von Einrichtungsleiter Sedlmeier einen Geschenkkorb. Der Festakt wurde musikalisch vom Eichstätter Musiklehrer Stefan Reil und seinem Sohn Tobias, der Möckenloher Stubenmusik und dem Altmühltaler Hausgesang umrahmt.

 

 

Von Caritasdirektor Franz Mattes (links) und Seniorenheimleiter Benedikt Sedlmeier sowie Caritas-Abteilungsleiterin Hedwig Kenkel (rechts) erhielten die Schwestern Abschiedsgeschenke.

 

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