Diözesan-Caritasverband Eichstätt, 08.07.2020

"Erst einmal alle auf Stumm schalten"

Bundesfreiwilligendienst-Seminar der Caritas: virtuell statt Präsenzveranstaltung

„Die Caritas und Digitalisierung passen nicht zusammen.“ Diese Sicht widerlegte das erste digitale Seminar im Bundesfreiwilligendienst (BFD), das der Caritasverband für die Diözese Eichstätt vor einigen Tagen durchführte. Hauptorganisatorin war die pädagogische Fachkraft Sarah Strasser, die BFDler beim Caritasverband begleitet. „Es waren manchmal hohe Anforderungen an die Technik“, meinte Jakob Streller, Koordinator von Freiwilligendiensten beim Verband. Geplant war zunächst auch eine Präsenzveranstaltung im Eichstätter Priesterseminar, die allerdings aufgrund der Coronakrise ausfiel. „Wir sind aber froh, eine gute Alternative gefunden zu haben“, sagte Sarah Strasser. Das virtuelle Treffen auf der Plattform von Webex, einem Anbieter von Videokonferenzen, wurde denn auch gut angenommen. Viele der 31 Beteiligten meinten zum Abschluss bei einer Online-Abfrage, „neue Erfahrungen gesammelt“ zu haben.

„Gute Zeit“

 „Ihr müsst erst einmal alle auf Stumm schalten, damit wir keine Hintergrundgeräusche haben, wenn einer etwas sagt“, erklärte Sarah Strasser zu Beginn. „Ich kann meine Kamera nicht anmachen“, meldete eine Teilnehmerin, „Wir machen das alle so entspannt wie möglich“, beruhigte die Caritas-Mitarbeiterin. Derweil teilten Jakob Streller und Praktikant Lukas Rehm im technischen „Support“ einzelnen BFDlern, die noch nicht dabei waren, den nötigen Link zur Videokonferenz mit.  Trotz mancher Aufregung ergab sich ein positives Stimmungsbild: Nahezu alle Beteiligten sandten einen Smiley über den Bildschirm.  Dann wurde es inhaltlich. Bei einer Reflexion über ihren Freiwilligeneinsatz notierten die Teilnehmenden #Hashtag-Wörter, die auf dem Bildschirm in verschiedenen Größen erschienen – je nachdem, wie oft sie genannt wurden: „Gute Zeit“ stand fett in der Mitte. Darum gruppierten sich unter anderem „Gut und Herausforderung“, „Neue Erfahrungen“ sowie „Nächstenliebe“.

Auch Direktor zugeschaltet

Nach dieser Übung über das Abstimmungs- und Brainstorming-Tool Mentimeter gesellte sich Caritasdirektor Alfred Frank zu der virtuellen Runde hinzu. Dieser bedankte sich bei den BFDlern, „dass Sie Ihren Dienst bei uns leisten“ und nannte einige aussagekräftige Zahlen: 37 Personen engagieren sich auf diese Weise derzeit in 21 Einsatzstellen. Knapp drei Viertel davon sind Frauen. Über ein Drittel ist  über 27 Jahre alt, weit mehr als im Bundesdurchschnitt. Und die Dienstleistenden kommen aus 13 Ländern, fast die Hälfte aus dem Ausland: „ein Multikulti, und das finde ich klasse“, freute sich der Direktor. „Und vielleicht sehe ich Sie ja eines Tages bei der Caritas wieder, zum Beispiel in einer Ausbildung“, erwähnte der Direktor weitere Perspektiven. Bei einer Abfrage über die Zukunftsvorstellungen der Engagierten ergab sich: Zehn wollen eine Ausbildung machen, fünf auch nach Abschluss des BFD in ihrer Einsatzstelle in irgendeiner anderen Funktion bleiben und sechs visieren ein Studium oder eine andere Weiterbildung an. Des Weiteren stellte sich heraus: 16 sind mit ihrem Dienst „sehr zufrieden“, zehn „eher zufrieden“ und drei „neutral“, aber niemand unzufrieden.

Einige waren an dem Tag auch bereit, näher über ihre Erfahrungen zu erzählen: Franziska Daum aus dem Caritas-Seniorenheim Eichstätt hat während ihres Dienstes gelernt, „wie ich mit Leuten umgehen kann, die Demenz haben“. Dennoch strebt sie eine Ausbildung als Kauffrau im Büromanagement an. Anders Sandra Heimann aus dem Caritas-Zentrum St. Vinzenz in Ingolstadt: Sie teilte mit, sie sei am Anfang skeptisch gewesen, „ob der soziale Bereich meins ist“. Doch nun will sie nach ihrem Dienst eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin absolvieren.

Aktionstag am 5. November

Jakob Streller informierte die Bundesfreiwilligendienstleistenden über eine Initiative für-freiwillige.de an einem bundesweiten Aktionstag am 5. November dieses Jahres. An diesem Tag soll über soziale Medien auf die Bedeutung der Freiwilligendienste aufmerksam gemacht werden. Sarah Strasser kündigte für den Aktionstag auch einen Stand in der Ingolstädter Fußgängerzone an.

Dass im BFD neben Engagement für andere auch Selbstfürsorge wichtig ist, lernten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Seminar unter anderem bei einer „virtuellen Schokoladenmeditation“ und bei einer Übung „Energiefass: Was füllt? Was leert?“ Am Ende erklärten 26 Beteiligte über den Mentimeter, dass sie den BFD weiterempfehlen wollen, zwei stimmten mit „Nein“. Diesen bot Sarah Strasser an, ihr ihre Beweggründe dafür in einem persönlichen Gespräch oder telefonisch mitzuteilen. Denn es stellte sich heraus: Dies und manch anderes geht dann doch besser real als digital.

Noch einige Plätze frei

Jakob Streller teilte mit, dass sich bereits mehrere neue Interessierte für einen Bundesfreiwilligendienst gemeldet hätten. „Doch es sind auch noch einige Plätze frei.“ Wer sich über den Dienst informieren oder sich für ihn anmelden möchte, kann sich mit Streller telefonisch unter 08421 / 50975 oder per Mail an freiwilligendienste@caritas-eichstaett.de in Verbindung setzen.

 

 


Jakob Streller (links) und Lukas Rehm leisteten beim digitalen Bundesfreiwilligendienst-Seminar der Caritas den technischen Support. Fotos: Caritas/Esser

 

 

Über das Abstimmungs- und Brainstorming-Tool Mentimeter tauschten sich die Beteiligten aus.

 

Weitere Infos zu diesen Themen: