Diözesan-Caritasverband Eichstätt, 28.10.2011

Sprachatelier und Trommeln als innovative Projekte

Caritasstiftung fördert Kinderhaus Marienheim und Villa Johannes

Projekte zugunsten von Menschen mit Migrationshintergrund des Kinderhauses Marienheim in Ingolstadt und der Kontakt- und Begegnungsstätte für Menschen mit Suchterkrankungen der Caritas-Kreisstelle Ingolstadt „Villa Johannes“ werden dieses Jahr von der Caritasstiftung Eichstätt gefördert. Das Kinderhaus Marienheim in Ingolstadt erhält aus Mitteln der Stiftung für ein neu eingerichtetes „Sprachatelier“ 4.000 Euro. Die Villa Johannes bekommt für eine Initiative „Trommeln“ 1.000 Euro. „Beide Projekte haben einen besonders innovativen Charakter zum Thema Integration“, sagte der Geschäftsführer der Caritasstiftung, Dr. Thomas Echtler, bei einem Besuch der beiden Einrichtungen. „Integration von Menschen mit Migrationshintergrund“ ist der Förderschwerpunkt der Stiftung im Jahr 2011.

Kindern mit Migrationshintergrund Sprache „be-greifbar“ gemacht

„Sprache ist der Schlüssel zur Welt!“ Unter diesem Motto hat das Kinderhaus Marienheim das Projekt „Sprachatelier“ gestartet. In diese Einrichtung gehen Kinder 14 unterschiedlicher Nationalitäten, viele mit Sprachproblemen. Eine Befragung im Kinderhaus hatte nach Information von Kinderhausleiterin Stefanie Lau ergeben, dass fast die Hälfte der Kinder zu Hause überwiegend nicht deutsch spricht. Dies war Anlass, gezielte Angebote für fremdsprachige Kinder zu machen. Eines davon sind Sprachförderkurse in dem Sprachatelier. Die Caritasstiftung finanzierte dafür verschiedene Ausstattungsmaterialien: zum Beispiel Aufnahmegeräte, eine Abspielstation mit Kopfhörern, einen Wahrnehmungstisch zum „Be-greifen“ von zum Beispiel Tannenzapfen oder Kastanien zur Begriffsbildung und Wortschatzerweiterung, einen digitalen Bildschirm zur visuellen Information der Eltern über Aktivitäten und eine Tastbox.

An der Tastbox demonstrierten sechs Kinder Dr. Echtler, wie sie durch Tasten die für sie nicht sichtbaren Gegenstände Maiskolben, Stifte, ein kleines Buch sowie Nüsse und Weizenkörner errieten und dadurch die Wörter lernten und einprägten. Sprachlehrerin Ulrike Braun, die mehrere Fortbildung für Sprachförderung absolviert hat, erläuterte: „Kinder lernen ja mit allen Sinnen. Die Kinder spüren, ob der Gegenstand hart oder weich ist, lang  oder kurz, dick oder dünn, beschreiben den Gegenstand und holen ihn dann aus der Box, um zu sehen, ob sie richtig gespürt und geraten haben.“ 

Wie die Kinder sprechen lernen, über das, was sie sehen, vermittelte die Sprachlehrerin gemeinsam mit sechs Mädchen und Buben dem Geschäftsführer der Caritasstiftung am Beispiel einer dialogorientierten Bilderbuchbetrachtung: In dem ausgewählten Buch brachte die Maus Frederick Kindern auf unterhaltsame Weise bei, sich die Namen von Farben und Jahreszeiten einzuprägen und sie auszusprechen.

Derzeit werden 35 Kinder, die fast alle aus Migrantenfamilien stammen, zweimal pro Woche in Sprachkursen gefördert. Die Förderung findet in der Kernzeit vormittags statt: für die Vorschulkinder etwa eine Stunde lang, für die  jüngeren Kinder 30 bis 45 Minuten. Um eine effektive Förderung zu ermöglichen, sind in einer Gruppe höchstens sieben Kinder.

 

 

Während sich ein kleiner Junge mit Hilfe der Tastbox den Namen „Maiskolben“ verinnerlicht, erfreuen sich andere Kinder an Buchstabenkissen, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Für verschiedene von der Caritasstiftung Eichstätt geförderte Materialien für das Sprachatelier überreichte Geschäftsführer Dr. Thomas Echtler Kinderhausleiterin Stefanie Lau einen symbolischen Scheck. Mit ihr freute sich Sprachlehrerin Ulrike Braun (rechts hinten). Fotos: Caritas/Esser

 

Über sprachfreie Kommunikation Kontakte und soziales Miteinander gestärkt

In der Villa Johannes erhielt Dr. Thomas Echtler eine „Trommel-Kostprobe“. Die Initiative „Trommeln“ dient dazu, die Sprach-, Ausdrucks-, Kommunikationsfähigkeit und soziale Kompetenz für Menschen mit Migrationshintergrund und Suchterkrankung zu verbessern. Mit dem Geld der Caritasstiftung hat die Einrichtung acht Trommeln gekauft. Eine Musikgruppe aus zwölf Besucherinnen und Besuchern der Begegnungsstätte – darunter die Hälfte mit Migrationshintergrund – nutzt sie zunächst in einem Trommel-Grundkurs mit acht zweistündigen Einheiten, den Günter Raum aus Buxheim-Tauberfeld in der Einrichtung durchführt. Dieser Kurs, den die Caritas-Kreisstelle Ingolstadt finanziert, dient als Einführung, damit die Teilnehmerinnen und Teilnehmer anschließend selbstständig und geschult Musik machen können. Nach Aussage von Silvia Kopp, Leiterin der Villa Johannes, ist Trommeln sehr gut geeignet, um Therapie- und Gruppenfähigkeit zu schulen und aufrechtzuerhalten, die nötig ist, um an suchttherapeutischen Maßnahmen – zum Beispiel Selbsthilfegruppen – teilzunehmen. „Außerdem verstärken positives soziales Miteinander und Kontakte immer individuelles Selbstbewusstsein und Lebensfreude, sodass es auch als suchtmildernd gesehen werden kann.“

Etwa 60 Prozent der Menschen, die täglich die Einrichtung aufsuchen, haben nach Mitteilung von Frau Kopp einen Migrationshintergrund – meist einen russischen und osteuropäischen. Der Caritasmitarbeiterin fällt auf, dass gerade diese Personen häufig Bedenken haben, sich sprachlich mitzuteilen – aus Angst, sich falsch auszudrücken und weil sie sich insgesamt häufig unverstanden fühlen. „Diese Grundlagen verstärken Suchtproblematiken“, so die Diplom-Sozialpädagogin.

Um die Sprach- und Kommunikationsfähigkeit sowie soziale Kompetenz von Menschen mit Migrationshintergrund und Suchterkrankung zu verbessern, entstand die Idee, diesen „auf niedrigschwelliger kommunikativer Ebene“ den Trommelkurs anzubieten. Trommeln „ bietet sich auch für Menschen mit eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten an sowie für Personen, die sich für wenig kommunikativ und musikalisch halten. Gleichzeitig schult gemeinsames Musizieren viele soziale Fähigkeiten und Fertigkeiten“, begründet Silvia Kopp das Projekt.

Der Grundkurs Trommeln beginnt mit einfachsten Bewegungsabläufen und steigert sich dann nach den Möglichkeiten der Beteiligten. Es kommt schnell zum „Zusammenspiel“, da die Schlagabläufe individuell und je nach Gruppe modellierbar sind. „Trommeln ist zunächst wertfreie Kommunikation. Der Einzelne kann in der Gruppe untertauchen, sodass Angstschwellen nicht im Vordergrund dieses Kommunizierens stehen. Durch schnell erreichbare Erfolge wird Mut zum Miteinander und Ausdruck verstärkt“, fasst Silvia Kopp zusammen. 

 

 

Eine Musikgruppe „Trommeln“ ist in der Caritas-Kontakt- und Begegnungsstätte für Menschen mit Suchterkrankungen der Caritas-Kreisstelle Ingolstadt „Villa Johannes“ gestartet worden. Sie soll insbesondere Betroffenen mit Migrationshintergrund helfen, ihre Sprach-, Ausdrucks-, Kommunikationsfähigkeit und soziale Kompetenz zu verbessern.

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