Diözesan-Caritasverband Eichstätt, 22.09.2017

Demenz im Fokus

Prof. Dr. Thomas Kraus sprach im Landratsamt Neumarkt vor 200 Interessierten

„Wenn die Krankheit da ist, ist es natürlich ein Schicksal, aber wir können auch etwas tun. Insofern ist sie nicht nur Schicksal.“ Mit diesen Worten hat der renommierte Arzt, Neurologe sowie Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie Prof. Dr. Thomas Kraus aus Engelthal am Welt-Alzheimertag gestern im Landratsamt Neumarkt zum Umgang mit der Herausforderung „Demenz“ Mut gemacht. Wie sehr das Thema vielen Menschen unter den Nägeln brennt, zeigte allein die Resonanz: Im voll besetzten großen Saal hörten rund 200 Menschen den Vortrag des Arztes. Organisiert hatte ihn die Caritas-Sozialstation in Zusammenarbeit mit der Katholischen Erwachsenenbildung im Landkreis Neumarkt.

Die Veranstaltung war der Höhepunkt einer Aufklärungskampagne und Schulungsoffensive der Caritas-Sozialstation Neumarkt. Sie hat für pflegende Angehörige dieses Jahr drei kostenlose Fachvorträge durchgeführt und schult zudem ehrenamtliche Laienhelfer in diesem Herbst zum Thema Demenz. Geschäftsführer Josef Bogner führte zu Beginn der Veranstaltung im Landratsamt sehr persönlich ins Thema ein: Sein inzwischen verstorbener Vater sei vor mehreren Jahren an Demenz erkrankt. „Mich erkannte er irgendwann nicht mehr. Das hat mich tief berührt“, brachte Bogner eine Erfahrung zum Ausdruck, die heutzutage viele Menschen machen. Derzeit gebe es in Deutschland rund 1,5 Millionen demenzkranke Menschen, und es werde damit gerechnet, dass sich die Anzahl bis zum Jahr 2050 verdoppelt, brachte Bogner die gesellschaftliche Herausforderung auf den Punkt.

„Jeder vierte Mensch im Alter von 85 Jahren ist betroffen“, bestätigte der eingeladene Arzt. Doch es liege an der Gesellschaft und den einzelnen Menschen, etwas dagegen zu tun, dass sich die Krankheit Demenz – deren bedeutendste mit rund der Hälfte dieser Erkrankungen Alzheimer sei – nicht so rasant ausbreitet wie befürchtet.  Um einer Demenz vorzubeugen, sei eine gesunde Ernährung besonders wichtig: „möglichst vollwertig, mediterran mit Gemüse, Nüssen und Fisch.“ Ferner empfahl Kraus, sich viel zu bewegen und „in die Natur rauszugehen“ sowie sich geistig zu betätigen: „Den Kopf anzustrengen schafft  auch Reserven für später, wenn ein Abbauprozess losgeht.“ Er riet nicht dazu, zur Vorbeugung von Demenz Medikamente und Vitamine einzunehmen, da nicht bekannt sei, wie sie auf Dauer wirken. Allerdings scheine die Heilpflanze Ginkgo die geistige Leistungsfähigkeit im Lauf des Lebens zu verbessern.

Sobald eine Demenz feststeht, so der Arzt, komme es für die Therapie darauf an, um welche Art es sich handelt: Alzheimer oder eine gefäßbedingte Demenz oder eine Sonderform. Natürlich seien dann medizinische und medikamentöse Maßnahmen wichtig. Doch für sehr bedeutsam hält Kraus auch „psychotherapeutische und soziale Komponenten, denn auch diese können dazu beitragen, dass der Abbauprozess langsamer geht“. Als Beispiel nannte er Gedächtnistraining, das auch zu mehr Lebensqualität und einer Stimmungsverbesserung beitragen könne. Und natürlich sei es wichtig, dass Angehörige mit den Betroffenen zum Beispiel spazieren gehen und ihnen ein Selbstwertgefühl vermitteln.

Damit diese die schwierige Situation meistern können, empfahl Kraus ihnen „Informieren, Verstehen, Akzeptieren.“ Zunächst müsse man das Krankheitsbild und seine Stadien möglichst gut kennenlernen. Dann gehe es darum, sich darauf einzustellen, dass es Verhaltensänderungen und auch Konflikte geben wird, die man einordnen können muss.  „Man darf es nicht persönlich nehmen, wenn der Demenzkranke aggressiv wird und Vorwürfe sowie Unterstellungen macht. Denn das hat mit der Krankheit zu tun.“ Schließlich sei es wichtig, diese in einem „Trauerprozess“ zu verarbeiten und zu akzeptieren.  Die Akzeptanz fordere auch eine innerliche Gelassenheit. „Diese kann man üben, zum Beispiel mit Achtsamkeitsmeditation.“ Ganz wichtig sei es, in dieser Situation, sich  mit anderen auszutauschen, etwa in einer Selbsthilfegruppe, und sich beraten zu lassen. Dazu gehöre, „dass man sich nicht schämt, über die Probleme zu reden“. Und man müsse im Sinne einer Selbstfürsorge für Ausgleich sorgen. „Dann ist es auch in Ordnung, den Opa mal für ein paar Tage in die Tagespflege zu geben.“ So könne man selbst wieder zu Kräften kommen, um dem Betroffenen die nötige Zuwendung geben zu können. 

Die „Herausforderung Demenz“ machten bei einer Vortragsveranstaltung mit rund 200 Zuhörerinnen und Zuhörern der Geschäftsführer der Caritas-Sozialstation Neumarkt, Josef Bogner (links), und der Arzt Prof. Dr. Thomas Kraus deutlich.

 

Weitere Infos zu diesen Themen: