Diözesan-Caritasverband Eichstätt, 14.10.2019

"Erfolgsmodell" für Menschen mit Behinderung

50 Jahre Caritas-Zentrum St. Vinzenz gefeiert / Engelsfigur mit Zeitkapsel enthüllt

50 Jahre Caritas-Zentrum St. Vinzenz: Es ist die Geschichte einer Einrichtung, die sich von einem kleinen zweigruppigen Kindergarten für 18 geistig behinderte Kinder zu einer großen Institution für  Menschen mit Behinderung in jeder Lebenslage entwickelt hat. Das haben zahlreiche Mitarbeitende aus St. Vinzenz und des Caritasverbandes sowie Vertreter aus Kirche und Politik am Samstag bei einem Festgottesdienst in der Kirche St. Josef sowie bei einem Festakt gefeiert. Krönender Abschluss war die Enthüllung eines hölzernen Engels des Neuburger Künstlers Franz Schmid im Foyer. Diese dort jetzt fest verankerte Figur enthält eine verschlossene Zeitkapsel, in der selbstgezeichnete Bilder, Fotografien, Bastelarbeiten und andere Dinge aus St. Vinzenz für die Zukunft aufbewahrt werden.

 

 

Eine hölzerne Engelsfigur mit Zeitkapsel hat der Neuburger Künstler Franz Schmid für das Caritas-Zentrum St. Vinzenz geschaffen. Sie wurde bei der Jubiläumsfeier enthüllt. Fotos: Caritas/Esser

 

Ein Leib und viele Glieder

Um die jahrzehntelange Entwicklung zu einer vielfältigen Einrichtung deutlich zu machen, erstellten leitende Mitarbeitende im Gottesdienst an einer Tafel das Logo der Einrichtung, das „Vinzenz-Männchen“, aus den verschiedenen „Gliedern“ vom  Kopf bis zum Fuß. Die Glieder waren die unterschiedlichen Bereiche: von der Frühförderung und Kinderkrippe über die Wohnheime für Kinder und Erwachsene, die Schule und zwei Tagesstätten bis zur Offene Behindertenarbeit. „Anfangs ging es nur um die Kinder, heute deckt St. Vinzenz die gesamte Lebensspanne ab“, erläuterte Religionslehrer Tobias Wallner. Den Gottesdienst zelebrierte der Eichstätter Generalvikar Pater Michael Huber gemeinsam mit Caritas-Präses Franz Mattes und Ortspfarrer Clemens Hergenröder. „Wir sind ein Leib und viele Glieder. Das gilt auch für das Vinzenzzentrum“, brachte Generalvikar Huber die Botschaft bei diesem Gottesdienst auf den Punkt. Caritas-Präses Franz Mattes betonte in seiner Predigt, Menschen mit Behinderung seien auf ihre Weise Abbild Gottes. Niemand habe das Recht zu behaupten, dass Menschen mit Beeinträchtigungen weniger wert seien als beispielsweise Spitzensportler. Vor Gott komme es nicht auf menschliche Leistung an, sondern darauf, „vertrauen zu können wie ein Kind“. Den rund 300 Mitarbeitenden, die sich in St. Vinzenz für Menschen mit Behinderung einsetzen, sagte Mattes: „Vergelt’s Gott für viele Dinge, die man nicht entlohnen kann“ und „Macht’s weiter so“. Der Gottesdienst wurde musikalisch vom einrichtungseigenen Chor sowie den Veeh-Harfen von der Offenen Behindertenarbeit gestaltet.

Caritasdirektor Alfred Frank sagte beim Festakt,  „wohl kaum eine Einrichtung wie St. Vinzenz macht deutlich, wie sinnvoll sich gerade solche Sondereinrichtungen in den Prozess der Inklusion einbringen können – also für das ganz selbstverständliche Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung“. Die Zusammenarbeit von St. Vinzenz mit der Grund- und Mittelschule an der Lessingsstraße für eine inklusive Beschulung in Partnerklassen am Nachmittag zeige, wie Förder- und Regelschulen zusammenarbeiten können und sollten. „Die besonderen Kompetenzen des Caritas-Zentrums St. Vinzenz mit seinen spezialisierten Diensten wie etwa der Heilpädagogischen Tagesstätte sind dabei ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg des Projektes.“ Frank zeigte sich davon überzeugt, dass es Einrichtungen wie das Caritas-Zentrum St. Vinzenz auch in Zukunft geben werde, „denn sie werden weiterhin gebraucht zum Wohl von Menschen mit Behinderung – und auch für jene, die mit ihnen zusammen leben, lernen und arbeiten.“ In einem Bühneninterview mit Radio K1-Redakteur Bernhard Löhlein brachte er allerdings für den ganzen Caritasverband seine Sorge um den Fachkräftemangel sowie sinkende Kirchensteuereinnahmen zum Ausdruck.

Ingolstadts Oberbürgermeister Christian Lösel zeigte sich bezüglich St. Vinzenz vor allem von der Tatsache beeindruckt, „dass hier Menschen vom Säugling bis zum Greis betreut werden. Die älteste Bewohnerin in den Wohngruppen St. Anna ist ja bereits über 90 Jahre alt.“ Lösel sieht in der Einrichtung nicht nur „einen ganz wesentlichen Baustein für Menschen mit Behinderung, sondern auch grundsätzlich für die ganze Stadt und Region“. Das Caritas-Zentrum trage dazu bei, echte Teilhabe zu ermöglichen. Viele Initiativen dort könnten Menschen mit sowie ohne Behinderung helfen, ihr Potenzial zu entwickeln. Eichstätts Landrat Anton Knapp bezeichnete St. Vinzenz als ein „Erfolgsmodell“. Die Institution habe es geschafft, „sich den Herausforderungen der Zeit zu stellen“. Auch Knapp dankte insbesondere den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern: „Sie bereiten den nötigen Platz für eigenständiges Leben und Lernen“.

Inklusion im Kopf haben

Der Leiter von St. Vinzenz, Markus Pflüger, ließ in seinem Vortrag verschiedene Begriffe Revue passieren, welche die Arbeit mit Menschen mit Behinderung in den vergangenen Jahrzehnten bestimmt haben: Heilen, „Normalisierung“, Integration, Selbstbestimmung und Inklusion. Pflüger stellte klar, dass die vielzitierte „Inklusion“ in der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen als Begriff gar nicht vorkomme. Dort heiße es vielmehr, „dass der dem Wohl des Kindes am besten geeignete Bildungsort“ gewählt werden solle. Und das könne, müsse aber nicht die Regelschule sein. Für Pflüger sind Integration und Inklusion zwei Seiten einer Medaille: „Der Mensch mit Behinderung muss selbst seinen Teil dazu beitragen, sich zu integrieren, indem er zum Beispiel Rollstuhl fahren lernt“. Für die Inklusion müsse andererseits die Gesellschaft die nötigen Rahmenbedingungen ermöglichen: etwa durch Schaffung eines Aufzuges, aber auch indem sie grundsätzlich „Inklusion im Kopf hat“.  Nicht ohne Stolz teilte Pflüger mit, dass das Caritas-Zentrum St. Vinzenz nie eine Auswahl bei den betreuten Personen vorgenommen habe: „Wir haben immer alle aufgenommen, egal wie die Behinderung ausgesehen hat.“ Hinsichtlich der an diesem Tag enthüllten Engelsfigur mit Zeitkapsel würdigte Pflüger die Leistung des Künstlers Franz Schmid: „Ihm ist es gelungen, etwas Außergewöhnliches für das Caritas-Zentrum herzustellen.“

Zur Geschichte des Caritas-Zentrums St. Vinzenz gehört auch, dass eine Gruppierung dieser Einrichtung den ersten Fanclub des FC Ingolstadt 04 stellte. Als Dank dafür überreichte Werner Roß als Repräsentant des Fußballvereins St. Vinzenz-Schulleiter Rainer Grupp ein Trikot mit der Aufschrift „50 – Danke für Eure Unterstützung“ und ihm sowie Leiter Pflüger und Caritasdirektor Frank Fanschals.

 

 

Als Dank für die Fanunterstützung verschenkte der Repräsentant der FC Ingolstadt Werner Roß ein speziell der Einrichtung gewidmetes Trikot sowie Fanschals.

 

 

Über die 50-jährige Erfolgsgeschichte des Caritas-Zentrums St. Vinzenz freuten sich der Ingolstädter Bezirksrat Dr. Michael Kern, Caritasdirektor Alfred Frank, Einrichtungsleiter Markus Pflüger, Ingolstadts Oberbürgermeister Christian Lösel, Eichstätts Landrat Anton Knapp und Ingolstadts Bürgermeister Albert Wittmann (von links).

 

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