Diözesan-Caritasverband Eichstätt, 17.11.2020

Zeitkapsel gefunden

Baggerfahrer wurde im Caritas-Seniorenzentrum Abenberg fündig

Den Altbau des 1966 in Betrieb genommenen Altenheimes „St. Josef“ Abenberg, einst Herberge für 106 alte und/oder pflegebedürftige Menschen, gibt es nicht mehr. Am vergangenen Dienstag fielen die letzten Mauerreste des Westflügels dem Abrissbagger zum Opfer. Der Ostflügel und der Festsaal mussten dem Neubau des inzwischen bezogenen, ca. 14 Millionen Euro teuren Caritas-Seniorenzentrums schon 2017 weichen.

Künftig gibt es nur noch 69 Plätze im Pflegebereich und vier Plätze für den „rüstigen Bereich“, dem Schwestern-Konvent. Außerdem stehen zehn Plätze für solitäre Tagespflege mit getrenntem Eingang zur Verfügung.

Der ambulante Pflegedienst, der vorher auch im Ort unterwegs war, wird künftig nur noch die beiden Häuser „Betreutes Wohnen“ (dieses Gebäude blieb unangetastet) und „Caritas-Seniorenzentrum“ betreuen. In den Neubau werden die verbliebene Kapelle mittels Überbauung sowie eine Terrasse mit Caféteria mit einbezogen. Voraussichtliches Bauende: 2021

Die „Zeitkapsel“, ein zeitgeschichtliches Relikt, von Baggerfahrer geborgen 

Der Aufmerksamkeit des Baggerführers ist es zu verdanken, dass beim Abbruch die „Zeitkapsel“, in diesem Fall eine viereckige, luftdicht verschlossene, verplombte Kupferbüchse, die seinerzeit in den Grundstein mit eingemauert worden war, geborgen werden konnte.

Noch am selben Tag ordnete Einrichtungsleiterin Ursula Reichmann die Öffnung vor der Fatima-Grotte im Freien an. Weil eine „Zeitkapsel“ in der Regel zeittypische Dinge enthält, lud sie dazu namhafte Persönlichkeiten ein.

Nacheinander entnahm Reichmann dem Behälter die Urkunde über die Grundsteinlegung, eine Denkschrift, die tagesaktuelle Wochenendausgabe des Schwabacher Tagblattes (15./16.08.1964), den Zeitungsbericht über die Projektvorstellung von Arno Guder, dem späteren Chefredakteur (Erscheinungsdatum 4.7.1964), aktuelle Währungs-Münzen, fünf Dias von den Erdbau-Arbeiten und einen Werkplan des Architekten. Nach dem Verlesen von Urkunde (Schwester Monika Galster) und Denkschrift (Ursula Reichmann) kündigte die Einrichtungsleiterin an, diese „Zeitdokumente“ für jedermann einsehbar dauerhaft in einer Vitrine auszustellen.

Urkunde der Grundsteinlegung gibt Interessante Details preis

Die anlässlich der Grundsteinlegung des Altenheim-Neubaues „St. Josef“ in Abenberg angefertigte Urkunde offenbart interessante Details:

„Am 15. Aug. des Jahres 1964 legte Schw. M. Editha Mayer, die derzeitige Oberin des Klosters Marienburg in Abenberg diesen Grundstein zum Neubau des Altersheimes „St. Josef“.

Für den Bauplatz wurden im Juli 1961 von Babette Baumann von Abenberg 4.487 qm käuflich erworben, durch Umtausch mit einem Landstück von Richard Heckl von Abenberg gingen 1000 qm in den Besitz des Klosters über, den Rest schenkte die Stadt Abenberg, so daß rd. 6000 qm zur Verfügung standen. Die Pläne für den Bau wurden von Architekt Oberbaurat Rudolf Christof, Würzburg gefertigt. Die Leitung der Genossenschaft, Generaloberin Mutter M. Olivia Benz, und die damalige Leitung der Marienburg, Schw. Oberin M. Editha Mayer, beschlossen im Aug. 1963, endgültig diese Pläne auszuführen. Als Gesamtkostensumme wurden 2.085.000 DM veranschlagt. Der bayerische Staat hat dazu eine Unterstützung gewährt. Die Firma Paul Humpenöder von Schwabach wurde mit der Bauerstellung beauftragt und hat am 23. Mai 1964 mit den Erdaushubarbeiten begonnen.

Möge diese Stätte ein Heim der wohlverdienten Ruhe und des Friedens werden für Menschen, die in einem Leben der Arbeit alt geworden sind. Möge das Heim St. Josef zum Segen sein für die Stadt Abenberg und für die Umgebung.

Unterzeichnet wurde die Urkunde von Architekt und Baurat Rudolf Christof, dem Spiritual des Klosters Marienburg, Pater Josef Sterkel, und in Vertretung der Generaloberin Mutter M. Olivia von Sr. M. Editha Mayer, der Oberin des Klosters Marienburg.

Interessant auch der Nachsatz:

Zum Zeitpunkt der Grundsteinlegung tagte in Rom das von Papst Johannes XXIII. einberufene Zweite Vatikanische Konzil, war Seine Heiligkeit Paul VI. Papst der katholischen Christenheit, Dr. Josef Schröffer Bischof von Eichstätt, Dr. Heinrich Lübke war Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Erhard war Bundeskanzler. An der Spitze der Bayerischen Staatsregierung stand Ministerpräsident Dr. Alfons Goppel, Regierungspräsident von Mittelfranken war Dr. Burkhardt.

Karlheinz Hiltl

In der geborgenen „Zeitkapsel“ aus dem Altenheim-Grundstein steckte auch ein Werkplan des damaligen Architekten. Zeugen der „Kapsel“-Öffnung durch Einrichtungsleiterin Ursula Reichmann (Vierte von links) waren (von links) vom Kloster Marienburg Regionaloberin Schwester Beate Nieberler, Schwester Michaela Geitner, die Oberin des Seniorenzentrums, mit Schwester Renate Schleer die vorherige Regionaloberin, Schwester Monika Galster, die Oberin des Schwesternwohnheimes und selbst langjährige Einrichtungsleiterin (von 1995 bis 2015),  sowie Jürgen Böckler (technischer Leiter) Manuela Mehl (Pflegedienstleiterin) und Anna Hausmann (Verwaltung). Foto: Karlheinz Hiltl