Neue Auszubildende in der Pflege bei der Caritas tauschten sich bei einem regionalen „Azubitag“ in Ingolstadt über ihre Erfahrungen aus. Foto: Peter Esser / Caritas
"Wir freuen uns, dass Sie ein Teil von unserer Caritas-Familie geworden sind." Mit diesen Worten hat der stellvertretende Eichstätter Caritasdirektor, Andreas Steppberger, rund 20 neue Auszubildende aus den Caritas-Seniorenheimen St. Pius Ingolstadt, Ingolstadt-Gerolfing, Gaimersheim und Denkendorf bei einem regionalen "Azubitag" am Donnerstag im Haus St. Pius in Ingolstadt begrüßt. "Wir brauchen dringend Fachkräfte", machte der Abteilungsleiter für die Caritas-Altenhilfe im Bistum Eichstätt, Norbert Bittner, den überwiegend jungen Menschen deren Bedeutung für den Caritasverband für die Diözese Eichstätt klar. Fast alle Azubis, die an dem Tag teilnahmen, sind in der Altenpflege tätig und fast alle kommen aus anderen Ländern.
Zwei Frauen aus Indien und Namibia gingen den annähernd gleichen Weg
Unter den Beteiligten, die von ihren Praxisanleiterinnen und -leitern begleitet wurden, waren die 22-jährige Neniya Rejoy aus Indien und die 24-jährige Gift Hindjou aus Namibia, die beide im September die einjährige Ausbildung zur Pflegefachhelferin im Caritas-Seniorenheim Gerolfing begonnen haben. Beide sind in Deutschland bisher den annähernd gleichen Weg gegangen. Beide kamen 2024 nach Deutschland, waren Aupairs in deutschen Familien und leisteten anschließend einen Bundesfreiwilligendienst im Gerolfinger Seniorenheim, wo sie in der Pflege und Betreuung eingesetzt waren. Das gefiel den beiden jungen Frauen so gut, dass sie sich für die Ausbildung entschieden. Beide haben auch vor, danach noch die dreijährige generalistische Ausbildung zur Pflegefachkraft in dem Haus zu absolvieren. Und dann wollen beide weiterhin in der Pflege in Deutschland arbeiten.
"Ich möchte Menschen helfen", bringt Neniya Rejoy ihre Motivation für ihre Tätigkeit auf den Punkt. Diese ist vielseitig: Sie wäscht Bewohnerinnen und Bewohner, bringt sie zum Frühstück, hilft diesen beim Essen, geht mit ihnen spazieren und begleitet sie auch, wenn sie schlafen gehen. Am liebsten unterstützt sie die Seniorinnen und Senioren bei verschiedenen Angeboten: etwa beim Malen, Singen oder bei Sitzgymnastik. An ihrer Ausbildung schätzt sie, "dass hier im Gegensatz zu meinem Heimatland alles besser geregelt ist, zum Beispiel Arbeitszeit, Urlaubstage und Gehalt". Gift Hindjou zeigt sich motiviert, speziell alte Menschen zu unterstützen. Vor diesen hätten die Menschen in Nambia viel Respekt. Dort würden sie in ihren Familien gepflegt und betreut, es gebe aber auch noch nicht so viel demenzkranke Menschen wie in Deutschland, informiert die Frau aus Namibia. Für sie spielt auch eine Rolle, "dass ich in der Pflege in Deutschland einen sicheren Arbeitsplatz habe".
Ruslan Chernov (24), der ursprünglich aus Russland kommt, aber seit seinem sechsten Lebensjahr in Deutschland lebt, hat im Caritas-Seniorenheim St. Elisabeth in Gaimersheim bereits seine einjährige Ausbildung zum Pflegefachhelfer absolviert und ist im September in die dreijährige generalistische Ausbildung dort eingestiegen. "Ich möchte Menschen in ihrer letzten Lebensphase bis zum Tod begleiten. Das gibt mir das Gefühl, dass ich etwas richtig mache", erzählt er und zeigt sich davon überzeugt, "dass mir die Tätigkeit als Pfleger im Blut liegt". Besonders gerne betreibt Ruslan Chernov Gedächtnistraining mit den Seniorinnen und Senioren.
Den alten Menschen viel Zeit widmen
Zeki Kaya (40) kam 2021 aus der Türkei nach Deutschland. Er war in der Nähe von Memmingen Pflegehelfer in einem Seniorenheim, musste dort aber aufhören, weil die Einrichtung nach seiner Mitteilung insolvent ging. Er zog mit seiner Familie nach Ingolstadt um und arbeitete im Caritas-Seniorenheim St. Pius als Pflegehelfer. Jetzt hat er dort die einjährige Ausbildung zum Pflegefachhelfer begonnen. "Ich bin ein sozialer Mensch", sagt der zweifache Familienvater. Ihm liegt nach eigenen Worten daran, den alten Menschen viel Zeit zu widmen. Deshalb bevorzuge er es, in der Spätschicht zu arbeiten, denn dort bestehe kein so großer Zeitdruck wie morgens. Beeindruckt hätten ihn die Worte eine Bewohnerin, die ihm einmal sagte: "Wenn man nicht redet, vergisst man Wörter." Seitdem ist es ihm ein Anliegen, besonders viel mit den ihm anvertrauten Menschen zu sprechen. Nach Abschluss der einjährigen Ausbildung will auch er noch die dreijährige generalistische Ausbildung zur Pflegefachkraft absolvieren.
Andreas Steppberger und Norbert Bittner informierten die neuen Azubis über die Arbeit der Caritas im Bistum sowie bundesweit: unter anderem darüber, dass für diesen Wohlfahrtsverband "rund 770.000 Menschen in Deutschland arbeiten, die rund zwölf Millionen Menschen betreuen", so Bittner. Bei der Caritas im Bistum Eichstätt arbeiten dem Abteilungsleiter zufolge knapp 4.000 Menschen, davon alleine gut 1.850 in den 20 Caritas-Seniorenheimen. Bittner machte den Auszubildenden auch deren vielseitige Rolle in der Pflege deutlich. Sie seien gleichzeitig, Arzt, Animateur, Koch, Künstler, Bodyguard, Feuerwehrmann und Seelsorger.
"Caritas ist Liebe, und ich möchte diese Liebe teilen"
Als Gründe, warum sie sich für die Caritas entschieden haben, gaben die rund 20 Azubis bei einer Mentimeterabfrage unter anderem an: "weil ich die Werte der Caritas wichtig finde", "Ich kenne die Caritas schon aus meinem Heimatland", "gutes Gehalt", "Meine Oma, meine Mutter und Tante arbeiten bei der Caritas" und auch "weil Caritas mit Kirche verbunden ist". Ein Beteiligter erklärte: "Die Bedeutung von Caritas ist Liebe, und ich möchte diese Liebe teilen." Als größte Herausforderung nannten viele die deutsche Sprache. Der neue zentrale Praxisanleiter beim Caritasverband, Danny Hafner, machte ihnen mit der Ankündigung Hoffnung, dass der Diözesan-Caritasverband Eichstätt im kommenden Jahr "eine digitale Deutschlern-Plattform anbieten wird".
Zum Abschluss des regionalen "Azubitages" fand in der Kapelle des Seniorenheims St. Pius ein Wortgottesdienst statt, bei dem die Auszubildenden eigene Fürbitten für die Bewohnerinnen und Bewohner, Azubis, Verantwortlichen in der Caritas sowie für den Frieden in der Welt vortrugen.
Unter anderem der stellvertretende Eichstätter Caritasdirektor, Andreas Steppberger, informierte die Auszubildenden in Wort und Bild über die Arbeit der Caritas. Foto: Peter Esser / Caritas