Mein besonderer Caritas-Moment fand im Jahr 2015 an Weihnachten statt. Ich war Bezugspflegekraft einer älteren Dame, deren Angehörige sich sehr liebevoll um diese gekümmert haben. Sie kamen regelmäßig zu Besuch. Sie waren in allen Lebenslagen immer da, ob für das Pflegepersonal oder für die Bewohnerin. An Weihnachten kam die Schwester meiner zu Pflegenden auf mich zu. In der Hand hatte sie zwei kleine Holzengel, die ihr Mann selbst gemacht hat, und überreichte mir diese mit den Worten: "Schwester Paula, Sie sind immer so liebevoll zu meiner Schwester, ich möchte Ihnen diese Engel schenken, damit sie diese an Weihnachten an ihren Weihnachtsbaum hängen. Auch wenn meine Schwester mal irgendwann nicht mehr da sein wird, möchte ich dass sie sich immer an uns erinnern können!" Seitdem hängen die Engel jedes Jahr an meinem Weihnachtsbaum, und ich erinnere mich gern an eine sehr liebe Heimbewohnerin und deren liebe Angehörige. Mitarbeiterin (28 Jahre)- Mein Caritas-Moment
Ich bin im Jahr 2001 ins Seniorenheim in Nürnberg-Altenfurt gekommen und habe in der wöchentlichen Gymnastikgruppe mitgeholfen. Leitung und Unterstützung wurden von ehrenamtlichen Mitarbeitern geleistet. Fast jedes Mal kam auch der damalige Heimleiter vorbei. Er bedankte sich bei jedem Einzelnen von uns Ehrenamtlichen und lobte unsere wertvolle Arbeit. Einen Satz werde ich nie vergessen: "Was ihr hier macht für die alten Leute, das ist Gottesdienst am Menschen!" Ehrenamtliche- Mein Caritas-Moment
Beim Caritas-Sammeln, i muaß sagn da musti scho oft richti plangn A jede vo uns jammert scho, jetzt geht des Laffa wieder o Scho wieda is sie da de Zeit Ko net sogn das des mie freid Must in alle Häusa geh Und des ist oft garnet sche Da bist meistens nicht begehrt Am liebsten machets manchmal kehrt De Laid, de jammern wie net g’scheid Mir derns oft scho glei selber leid Wenn’s net a mal 5 Euro mehr hom Und mir so erna Nout da klogn Do i will mi net beschwern Und jetzt kennts es ander hern Caritas-Samml, des is schee Sammlerin (78)- Mein Caritas-Moment
Ich habe bei vier Geistlichen und in sieben Straßen gesammelt. Fragt mich mal einer der Geistlichen: "Na, wie ist es so ergangen?" - "Wenn ich mal in Rente bin, schreibe ich ein Buch übers Caritas-Sammeln." Einige Beispiele: Sagte mir eine Frau, sie freut sich immer, wenn ich meine Runde drehe. Sie hat das einmal gemacht und für ihre Kirche Kirchengeld gesammelt. Sie würde das nie mehr machen. Sie bewundert mich. "Ja", sage ich, "was macht man nicht alles, dass man mal in den Himmel kommt". "Na, da haben Sie was gesagt. Da müssten’s mal meine Tochter hör’n, die würde sie darüber richtig aufklären". Ein Prediger von einer Sekte hat mehrmals gesagt: "Da gebe ich gerne, die Caritas tut was." Ein Mädchen, ca. 12 Jahre, holte aus seiner engen Hose einen kleinen Beutel und gab den Inhalt mir: "Die Eltern sind nicht da, ich hätte gern mehr gegeben, aber ich hab nicht mehr." Inzwischen ist aus ihr eine Dame geworden und gibt reichlich. Sagte ein Elektromeister in einem großen Betrieb: "Die Mutter ist jetzt nicht da, ich soll doch später kommen." Das mache ich nicht …. (die Mutter ist jung Witwe geworden und hat vier Kinder alleine großgezogen). Ähnliches kommt immer mal wieder vor, wenn ich die mittlere Generation antreffe: dass sie bei den alten Eltern läuten und selber verschwinden. Ein Mann, der immer gebefreudig und freundlich war, sagte zu mir: "Aus ganz bestimmten Gründen geb ich für die Caritas nichts mehr her." Da war ich platt. Nach zwei Jahren probierte ich es wieder: Er gab wie immer. Eine Familie konnte ich nie auslassen - wegen der Antworten. Schon wenn ich die Gartentür öffne, riecht es schon nach Reichtum. Die Frau. "Am Sonntag komme ich rüber, dann geb’s ich dem Pfarrer persönlich" ; "Ach Gott, jetzt hab‘ ich erst Weihnachten so viel gegeben". Und ihr Mann sagte nach einer Spende von einem Euro: "Brauchen's nicht reinschreiben", dann verlangte er die Liste doch, machte einen tiefen Seufzer und gab das nächste Mal das Doppelte und sagte dazu: "Und wer gibt mir was?" So könnte ich noch lange fortfahren. Das Sammeln war, solange ich am Bau arbeitete, fast eine Last. Als ich mich in Rente befand, war es eine Lust, und seit 10 Jahren, da ich in einer toten Wohnung lebe, ist es eine Notwendigkeit. Der Körper ist verbraucht, nun gehe ich in Sammlerrente. Sammler (82 Jahre)- Mein Caritas-Moment