Alois Kleindorfer (68) aus Ingolstadt-Zuchering hat sich schon immer gerne dort engagiert, wo andere Menschen Hilfe brauchen. Lange Zeit war der gelernte KFZ- Mechaniker Lehrer an der Regens-Wagner-Berufsschule Schrobenhausen, einer privaten, staatlich anerkannten Berufsschule zur sonderpädagogischen Förderung mit dem Schulprofil Inklusion. Gleich zweimal ging er als Entwicklungshelfer nach Afrika: von 1987 bis 1991 nach Äthiopien als Berater im KFZ-Bereich und 2021 für ein Jahr nach Namibia, wo er in der KFZ-Ausbildung tätig war. Vor dem Ruhestand überlegte er, wie er sich als Rentner sinnvoll ehrenamtlich in die Gesellschaft einbringen kann. Nun engagiert er sich unter anderem im Malteser-Einkaufsdienst für sozial bedürftige Menschen und unterstützt junge Menschen bei Hausaufgaben sowie beim Lernen. Seit Ende 2023 ist er außerdem ehrenamtlicher rechtlicher Betreuer.
Artikel im Donaukurier war Auslöser
"Auf die Thematik rechtliche Betreuung wurde ich durch einen Artikel im Donaukurier aufmerksam, in dem stand, dass dafür Ehrenamtliche gesucht werden", erinnert sich Kleindorfer. Daraufhin nahm er an Gesprächen und Fortbildungsabenden über Rechte und Pflichten bei dieser Aufgabe teil, welche von der Caritas-Kreisstelle Ingolstadt organisiert werden. Caritas-Mitarbeiterin Ines Westphal, die ihm auch heute noch mit Ratschlägen zur Seite steht, fragte den Rentner schließlich, ob er den "Fall" eines rund 80-jährigen Mannes übernehmen wolle. Kleindorfer sagte zu.
"Der Mann, der alleine wohnt, regelt noch selbstständig seinen Haushalt, geht auch allein zum Arzt oder auch aufs Volksfest. Ich erledige aber alles, was von ihm angefragt wird, übernehme die Vermögens- sowie Gesundheitssorge und Versicherungsangelegenheiten", erklärt der ehrenamtliche rechtliche Betreuer. Die ganze Post für den älteren Herrn kommt zu Kleindorfer. Dieser kümmert sich zum Beispiel um die Eigentumswohnung des älteren Herrn, kommuniziert dafür mit der Hausverwaltung, und prüft immer mal wieder den Kontostand seines Betreuten. "Wenn er zu viel Geld abgehoben hat, ermahne ich ihn schon einmal", so der Betreuer.
Auch fährt er den Herrn zu Spezialärzten. "Alle ein bis zwei Wochen rufe ich ihn an, und alle drei bis vier Wochen schaue ich bei ihm persönlich etwa eine Stunde in der Wohnung vorbei. Außer dem Sozialdienst der Caritas-Sozialstation bin ich der Einzige, der das tut", verweist der Betreuer darauf, dass sein Betreuter "recht vereinsamt lebt, weil sich seine Familienangehörigen nicht um ihn kümmern". In den persönlichen Gesprächen blickt der ältere Herr laut Kleindorfer eher etwas negativ auf sein Leben zurück, "indem er zum Beispiel von verpassten Chancen beruflich sowie privat erzählt. Dann spreche ich ihm Mut zu und mache ihm zum Beispiel klar, "dass es ihm heute ja nicht so schlecht geht mit seiner vernünftigen Rente und Eigentumswohnung", berichtet Kleindorfer. Diese Gespräche sind auch für ihn wichtig, denn der Betreuer will nicht nur die rechtlichen und organisatorischen Dinge für seinen Klienten gut regeln, sondern versteht seine Aufgabe auch als eine soziale und menschliche.
Vor einem halben Jahr fragte die Betreuungsstelle der Stadt Ingolstadt bei Alois Kleindorfer an, ob er noch einen weiteren "Fall" einer jungen berufstätigen Frau, Mitte 20, übernehmen könne. Kleindorfer sagte auch hier zu. Bei dieser Frau sei eine "Betreuungsbedürftigkeit" festgestellt worden, als sie volljährig wurde. Sie selbst wolle möglichst schnell unabhängig von der Betreuung werden. "Da eine Betreuung zunächst für sieben Jahre festgelegt wird, werden bei ihr darüber Gutachten in eineinhalb Jahren entscheiden", informiert der Betreuer. Anders als bei seinem rund 80-jährigen Betreuten nimmt sich Kleindorfer nach eigenem Bekunden bei der jungen Frau eher zurück. "Ich sehe sie vielleicht alle acht Wochen, und unser Kontakt läuft ansonsten weitgehend über WhatsApp", so der Betreuer.
Arbeit mit rund vier Stunden im Monat überschaubar
Kleindorfer ist froh, dass er zwei sehr unterschiedliche Personen betreut. Das mache die Aufgabe als rechtlicher Betreuer umso interessanter. Es sieht das zeitliche Engagement für beide zusammen mit etwa vier Stunden pro Monat als überschaubar "Ich habe auch nicht das Gefühl, dass sie zu einer Belastung für mich werden." Froh ist er aber, "dass ich bei Fragen und Unsicherheiten die Rückendeckung von Frau Westphal von der Caritas habe, die mir immer schnell und kompetent antwortet". Kleindorfer wünscht sich allerdings, dass die rechtlichen Betreuer in irgendeiner Weise digital bei den Betreuten registriert werden, zum Beispiel auf der Krankenkassenkarte. "Mein älterer Betreuter war schon einmal eine Woche im Krankenhaus und ich hatte nichts davon mitbekommen", begründet Kleindorfer.
Seine Aufgabe erfährt der Betreuer als erfüllend und sinnstiftend. Er kann sie anderen Menschen, die sich überlegen, dieses Ehrenamt zu übernehmen, empfehlen, "solange sie keine Entscheidungsängste und keine Angst vor dem Umgang mit Behörden haben".
Weitere Informationen über dieses Ehrenamt gibt es bei der Caritas-Kreisstelle Ingolstadt, Rechtliche Betreuung, Jesuitenstraße 1, 85049 Ingolstadt, Telefon: 0841 309-131, E-Mail: vereinsbetreuung@caritas-ingolstadt.de