Freiwilligendienstleistende, Politiker und Caritas-Verantwortliche erhielten bei einem Rundgang durch das Seniorenheim Spalt unter anderem von einer Wohnküche einen Eindruck. Foto: Dr. Andrea von Eberstein / Caritas
Wie können Freiwilligendienste gestärkt werden? Mit dieser Frage haben sich heute bei einem Begegnungstag im Caritas-Seniorenheim Spalt hochrangige Persönlichkeiten aus Caritas, Schule und Politik gemeinsam mit Freiwilligendienstleistenden in der Diözese Eichstätt und Caritas-Verantwortlichen auseinandergesetzt. Nach einem Rundgang durch die Einrichtung nahmen an einer Diskussion unter anderem die Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes, Eva Maria Welskop-Deffaa, der Eichstätter Caritasdirektor Alfred Frank und die Bundestagsabgeordneten Ralph Edelhäußer und Artur Auernhammer (beide CDU/CSU) teil. Etwa 15 Personen beteiligten sich insgesamt. Durch die Einrichtung führte Seniorenheimleiterin Anna Hafner, die Diskussion leitete die Leiterin für den Bundesfreiwilligendienst beim Caritasverband für die Diözese Eichstätt, Sarah Strasser.
Politik gefragt
"Wir müssen unabhängig davon, ob ein verpflichtender Wehrdienst kommt oder nicht, die Freiwilligendienste stärken", sagte die Caritas-Präsidentin. Dies müsse auch durch die Politik geschehen. Eva Maria Welskop-Deffaa forderte drei Dinge: Erstens müssten alle Freiwilligendienstleistenden ein auskömmliches Taschengeld erhalten. Dies sei derzeit nicht der Fall, sondern es gebe hier äußerst unterschiedliche Handhabungen. Zweitens müsse die pädagogische Begleitung im Bundesfreiwilligendienst (BFD) besser refinanziert werden. Und drittens müssten die notwendigen Haushaltsmittel verlässlich eingestellt werden, damit Einsatzstellen und Bewerber für den BFD Planungssicherheit haben. Die Präsidentin sprach sich für ein Recht auf einen Freiwilligenplatz aus.
Darüber hinaus sollten Freiwilligendienste nach Meinung der Caritas-Präsidentin in gleicher Weise beworben werden wie der Wehrdienst. Die Möglichkeit eines Freiwilligendienstes sollte zum Beispiel auch auf dem Fragenbogen zum Wehrdienst, den junge Menschen erhalten, deutlich aufgeführt werden. "Es gibt keine systematische Information über Freiwilligendienste, sondern die Rekrutierung basiert auf vielen Zufällen", bemängelte Welskop-Deffaa.
Die Caritas-Präsidentin und die beiden Bundestagsabgeordneten bescheinigten dem Bundesfreiwilligendienst eine nicht zu überschätzende Bedeutung. "Er ist eine win-win-Chance gleichermaßen für die Träger, die Freiwilligen selbst und die Gesellschaft", sagte Ralph Edelhäußer, und sein Kollege Artur Auernhammer ergänzte: "Er ist es auch für die Demokratie." Edelhäußer zeigte sich davon überzeugt, dass junge Freiwilligendienstleistende "weniger anfällig sind für links- oder rechtsextremistische Strömungen".
Eva Maria Welskop-Deffaa betonte, dass Freiwillligendienstleistende sowie auch ehrenamtlich Engagierte nicht die Arbeit von Hauptamtlichen ersetzen -, sondern diese ergänzen würden. Ohne sie könne die Caritas aber ihre Arbeit nicht tun, hob Caritasdirektor Alfred Frank hervor. Er verwies darauf, "dass bei der Caritas in ganz Deutschland fast 800.000 Hauptamtliche und rund 500.000 Ehrenamtliche arbeiten".
Zwei Drittel Menschen aus anderen Ländern
Sarah Strasser überraschte mit der Information, dass fast zwei Drittel aller BFDler beim Diözesan-Caritasverband Eichstätt "Incomer", also Personen aus dem Ausland, seien. Eine junge Frau aus Madagaskar stellte sich bei dem Begegnungstag vor: Miora Harolanto Fanantenana Rajaona leistete zunächst ein Aupair-Jahr in Deutschland ab und entschied sich in dieser Zeit, anschließend einen Bundesfreiwilligendienst im Caritas-Seniorenheim Weißenburg zu absolvieren. Dort fühlt sie sich so wohl, dass sie später eine Ausbildung in der Pflege absolvieren will. Für diese Ankündigung erhielt sie von den Beteiligten am Begegnungstag, insbesondere auch von den beiden Politikern, viel Applaus. "Der BFD ist auch eine große Chance, Integrationsarbeit zu leisten", erklärte Sarah Strasser.
Ebenso ist er eine Chance für Quereinsteiger: Lorenz Hochholzer aus Eichstätt machte nach dem Abitur zunächst eine Ausbildung zum Dachdecker. Dann absolvierte er einen Bundesfreiwilligendienst im Caritas-Kinderdorf Marienstein in Eichstätt, einer heilpädagogischen Einrichtung für Kinder und Jugendliche mit Problemen im emotionalen-sozialen Bereich. Bei dem Begegnungstreffen erzählt Lorenz Hochholzer, wie er dort zum Beispiel im Fahrdienst für die jungen Menschen deren Schicksale nach und nach kennenlernte und sich ihnen immer besser zuwenden konnte. Zu einem Kind habe er ein Dreivierteljahr keinen Zugang gefunden, doch dann habe dieses sich ihm geöffnet. Lorenz sagte, er habe gelernt, "wie wichtig es ist, dass sich die Kinder gesehen und wertgeschätzt fühlen". Heute studiert der junge Mann Soziale Arbeit.
"Keine Ad hoc-Einsätze, sondern dauerhafte Engagements"
Für die Caritas-Präsidentin zeigte dieses Beispiel den besonderen Nutzen von Freiwillligendiensten: "Es sind keine Ad hoc-Einsätze, sondern dauerhafte Engagements zum Wohl von Menschen." Denn was nutze es, "wenn bei einer Ad hoc-Aktion in einem Seniorenheimgarten Pflanzen gesetzt werden, aber anschließend ist niemand da, der sie gießt", zog Eva Maria Welskop-Deffaa einen Vergleich.
Sarah Strasser stellte bei der Begegnung klar, dass die Caritas mit Freiwilligendiensten nicht in erster Linie junge Menschen für soziale Berufe gewinnen wolle. "Wir wollen sie aufs Leben vorbereiten und ihnen in ihrer Einsatzzeit Softskills mitgeben. Wenn dann jemand anschließend bei uns bleiben will, ist es umso schöner."