Den ersten Spatenstich für das zu sanierende Caritas-Wohnheim in der Hugo-Wolf-Straße nahmen Caritasdirektor Alfred Frank, Tanja Avila von der Projektsteuerung Hitzler Ingenieure, Diakon Udo B. Jung, der stellvertretende Caritasdirektor Andreas Steppberger, Einrichtungsleiter Michael Rinnagl, Bauunternehmer Fabian Schiebel und Architektin Ulrike Donner (von links) vor. Foto: Peter Esser / Caritas
Der erste Spatenstich für das zu sanierende Caritas-Wohnheim in der Hugo-Wolf-Straße in Ingolstadt ist heute auf dem Baugelände vorgenommen worden. Dafür nahmen Caritasdirektor Alfred Frank, sein Stellvertreter Andreas Steppberger, der Leiter der Caritas-Wohnheime und Werkstätten, Michael Rinnagl, der Diakon der Pfarrei St. Pius, Udo B. Jung, Tanja Avila von der Projektsteuerung Hitzler Ingenieure, Bauunternehmer Fabian Schiebel und die Architektin Ulrike Donner von der bharchitektengesellschaft jeweils eine Schaufel in die Hand. Michael Rinnagl, der durch die Veranstaltung führte, freute sich, gut 60 mit dem Bauvorhaben verbundene Menschen begrüßen zu können: Bewohnerinnen und Bewohner sowie Mitarbeitende der Einrichtung, Vertreterinnen und Vertreter von Planungsbüros, Baufirmen, der Stadt Ingolstadt und der Caritas. Er zeigte den Leuten gemeinsam mit Ulrike Donner und Wolfgang Gürtner von der Projektsteuerung Hitzler Ingenieure ein Bild, wie das Haus in rund zwei Jahren nach Sanierungsabschluss aussehen soll. Nach Mitteilung Rinnagls kostet die Sanierung rund 13 Millionen Euro.
Gebäude hat schon lange Geschichte
Andreas Steppberger führte in einer Ansprache aus, dass es um sehr viel mehr gehe als das Bauvorhaben: "Es geht um die Frage, wie Menschen leben können - und wie sie leben sollen: mit Würde, mit Sicherheit, mit Privatsphäre und mit der Möglichkeit, sich zuhause zu fühlen." Steppberger zufolge gibt es das Wohnheim in der Hugo-Wolf-Straße bereits seit 1964. "Viele Menschen haben hier in diesen Jahrzehnten Unterstützung, Begleitung und ein Zuhause auf Zeit gefunden. Das Gebäude hat damit eine lange Geschichte." Aber ein Haus, das Menschen beherbergt, müsse mit der Zeit gehen. "Und vor allem muss es sich an den Menschen orientieren, die darin leben", betonte der stellvertretende Caritasdirektor. Genau darum gehe es bei dieser Generalsanierung: "Aus drei Zimmern werden künftig zwei Wohnbereiche mit eigenem Bad. Es entstehen barrierefreie und rollstuhlgerechte Bereiche, Gemeinschaftsräume auf jeder Etage, ein Raum für Körperpflege, neue Schutz- und Rückzugsmöglichkeiten, ein freundlicher Empfangsbereich und vieles mehr. Das klingt zunächst nach Bauplanung. Für die Menschen, die hier leben werden, bedeutet es aber mehr Selbstbestimmung und mehr Lebensqualität", betonte Steppberger.
Und deshalb, so der Caritasverantwortliche weiter, sei dieser Spatenstich ein guter Tag für die Caritas. Denn der Auftrag der Caritas bestehe nicht darin, möglichst viele Menschen möglichst effizient unterzubringen. Ihr Auftrag sei es, Menschen in schwierigen Lebenssituationen beizustehen und ihnen ihre Würde zu bewahren. "Gerade Menschen, die wohnungslos geworden sind, die psychisch belastet sind, mit einer Suchterkrankung leben oder aus anderen Gründen am Rand unserer Gesellschaft stehen, brauchen nicht zuerst die Frage: ‚Was hast du falsch gemacht?‘ Sie brauchen Menschen, die sagen: ‚Wir sehen dich. Wir nehmen dich ernst. Und wir gehen ein Stück des Weges mit dir.‘" Steppberger wünscht sich nach eigenen Worten vor allem, dass die Bewohner später bei ihrer Rückkehr sagen können: "Ja, hier kann ich gut leben. Hier habe ich meinen Platz. Hier bin ich willkommen."
Natürlich, so Steppberger werde die kommende Zeit nicht immer einfach sein. Zwei weitere Jahre Bauzeit bedeuteten Veränderungen, Einschränkungen und Improvisation. Die Bewohnerinnen und Bewohner wohnen vorübergehend in der Händelstraße in einem Haus des Caritas-Zentrums St. Vinzenz. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen sich auf neue Situationen einstellen. "Von allen Beteiligten wird diese Zeit Geduld und Flexibilität verlangen", so der stellvertretende Caritasdirektor, der sich bei allen an der Sanierung Beteiligten sowie Förderern bedankte.
Nach Mitteilung von Wolfgang Gürtner fließen Fördermittel von der Stiftung Obdachlosenhilfe, der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), der Bayerischen Landesstiftung und der Aktion Mensch in das Bauprojekt. Den Großteil der 13 Millionen Euro übernimmt aber der Caritasverband für die Diözese nach eigenen Angaben selbst.
Bisher Entkernung des Gebäudes und Schadstoffsanierung erfolgt
Ulrike Donner gab in einer kurzen Ansprache einen Überblick über das ganze Bauvorhaben. Bisher habe vor allem eine Entkernung des Gebäudes und eine Schadstoffsanierung stattgefunden. Nun fänden Baumeisterarbeiten im Inneren statt, wo unter anderem größere Zimmer entstehen, die auch alle eine Nasszelle haben werden - was bisher nicht der Fall war. Für die Appartements im Erdgeschoss würden eigene Eingänge geschaffen, und es werde mit einer Holzkonstruktion ein viertes Stockwerk hinzugefügt, in dem ein Teil der Büros untergebracht werde. Laut Michael Rinnagl können im neuen Haus später mit 30 Personen genauso viele Personen aufgenommen werden wie bisher - dann auch Frauen, was bisher nicht der Fall war. Auch bleibe es bei 15 Büroräumen.
Die Caritas-Wohnheime und Werkstätten verstehen sich als Helfer und Anwalt von Menschen, die zu den Benachteiligten in der Gesellschaft zählen und resignieren: langzeitarbeitslose, wohnungslose, strafentlassene, suchtkranke und psychisch kranke sowie andere gefährdete Personen. Aufgenommen werden hier Frauen und Männer, für die ambulante Hilfsangebote nicht ausreichen.
So soll das Caritas-Wohnheim nach Sanierungsabschluss in zwei Jahren aussehen. Quelle: bharchitekten (München)