Viel gewerkelt wurde bei der Mitmach-Aktion zum Tag des Flüchtlings in Neumarkt. Foto: Grendah Heitner / Caritas
Wie sieht Vielfalt aus? Neumarkt hat sie gemalt. Am 2. Oktober entstand im NeuerMarkt für einen Vormittag ein offenes Atelier. Drei große Leinwände, Farben, Pinsel und eine Einladung standen bereit: Neumarkt gestaltet gemeinsam. Eingeladen hatte die Ökumenische Flüchtlings- und Integrationsberatung (FIB) von Caritas und Diakonie. Die Aktion "Gesichter der Vielfalt" fand im Rahmen der Interkulturellen Woche und bewusst am Tag des Flüchtlings statt. Denn Vielfalt in Neumarkt hat viele Geschichten. Manche Menschen sind hier geboren, andere zugezogen. Manche kamen aus freien Stücken, andere mussten ihre Heimat verlassen und suchten Schutz. Was sie verbindet: Sie leben hier und prägen diese Stadt.
Dazugehören heißt: Ausgestreckte Hände und offene Türen
Hinter der Aktion steht ein einfacher Gedanke: Zugehörigkeit hängt nicht davon ab, wo ein Mensch geboren wurde. Menschen aus vielen Ländern sind längst Teil der Gemeinschaft in Neumarkt. Doch wirklich dazugehören heißt mehr, als nur an einem Ort zu leben. Es bedeutet auch, angenommen zu werden, sich einbringen zu können und mit den eigenen Fähigkeiten gesehen zu werden. "Integration gelingt nur gemeinsam", sagt Grendah Heitner, Beraterin der FIB Neumarkt. "Wer neu hierherkommt, ist gefragt, sich einzubringen und auf andere zuzugehen. Gleichzeitig braucht es eine Gesellschaft, die offen ist und Menschen die Chance gibt, wirklich dazuzugehören. Denn wer sich angenommen fühlt, kann seine Fähigkeiten entfalten, Verantwortung übernehmen und selbst etwas zur Gemeinschaft beitragen."
Kein Gesicht glich dem anderen
Junge Menschen malten Gesichter der Vielfalt. Foto: Grendah Heitner / Caritas
Die Neumarkter Künstlerin Mahshid Samiei hatte die Leinwände für die Aktion vorbereitet. Zwei davon waren für die Gesichter der Besucherinnen und Besucher bestimmt. Vor allem Jugendliche, aber auch Erwachsene und ein Kind griffen zum Pinsel, schauten einander über die Schulter und entwickelten ganz eigene Ideen. Am Ende blickten 14 Gesichter von den beiden Leinwänden - keines glich dem anderen. Unterschiedliche Farben, Formen und Stile kamen nebeneinander zusammen. Gut malen zu können, war nicht der Punkt. Jedes Gesicht durfte anders sein, und jedes fand seinen Platz.
Manche nahmen sich dafür viel Zeit. Eine Jugendliche malte ihr Gesicht mit großer Geduld. Ein Kind malte und malte und sagte immer wieder, es sei noch nicht fertig: Sein Bild sollte schließlich perfekt werden. Ein anderer Besucher hatte zunächst nur wenige Minuten Zeit. Später kam er noch einmal zurück und griff doch zum Pinsel. Aus den wenigen Minuten wurde mehr: Er blieb, bis sein Gesicht fertig war - und währenddessen entstand ganz nebenbei ein längeres Gespräch.
Ein Rathaus voller bunter Spuren
Nicht jeder, der mitmachen wollte, wollte ein Gesicht malen. Als Rita Großhauser, Integrationsbeauftragte des Stadtrates, die Aktion besuchte, wollte auch sie kreativ werden - am liebsten mit etwas Abstraktem. So kam die dritte Leinwand ins Spiel. Darauf hatte Mahshid Samiei das Neumarkter Rathaus, umgeben von Bäumen, gemalt. Die Bäume waren bewusst noch nicht fertig gestaltet - ihre Blätter fehlten. Als Rita Großhauser davon erfuhr, hatte sie spontan die Idee, die Blätter mit Fingerabdrücken zu gestalten. Sie machte selbst den Anfang und setzte die ersten farbigen Fingerabdrücke auf die Zweige. Andere Besucherinnen und Besucher griffen ihre Idee auf. Abdruck für Abdruck bekamen die Bäume ihre Blätter. Jeder Fingerabdruck war einzigartig - und einzelne Abdrücke wurden Teil eines gemeinsamen Bildes. Jeder hinterließ seine eigene Spur - und gemeinsam wurde daraus ein Stück Neumarkt.
Musik, Begegnung und bleibende Spuren
Rund um die Leinwände entstand eine offene, herzliche Atmosphäre. Auch Menschen, die selbst nicht zum Pinsel griffen, blieben stehen, schauten zu und kamen ins Gespräch. Auch das war ein Anliegen der Aktion: auf die Interkulturelle Woche aufmerksam zu machen, Interesse zu wecken und Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen. Peter Kugler begleitete den Vormittag mit seiner Gitarre und Liedern in verschiedenen Sprachen. Am gemeinsamen Stand informierten die Mitarbeitenden von Caritas und Diakonie über ihre Arbeit.
Am Ende waren die drei Leinwände nicht mehr dieselben wie am Morgen. Viele Menschen hatten etwas Eigenes hinzugefügt - ein Gesicht, einen Pinselstrich, einen Fingerabdruck. Aus den vorbereiteten Leinwänden waren gemeinsam gestaltete Kunstwerke geworden. Und sie bleiben sichtbar: Die Bilder bekommen einen Platz in den Räumen der Flüchtlings- und Integrationsberatung von Caritas und Diakonie. Dort erinnern sie an diesen Vormittag und an die Menschen, die ihn mitgestaltet haben.
Wie sieht Vielfalt also aus? Nicht immer gleich. Genau das macht sie aus. Viele Gesichter. Ein Neumarkt.