„Betreuungskräfte wie Sie werden immer wichtiger. Die Pflege ist schon sehr aufwendig. Da ist es gut, wenn es Menschen gibt, die sich speziell Zeit für Zuwendung zu den alten Menschen nehmen.“ Mit diesen Worten dankte Caritasdirektor Franz Mattes am Freitagnachmittag (24.7.) im Bildungshaus Schloss Hirschberg 17 Frauen und einem Mann aus neun Caritas-Seniorenheimen und drei –Sozialstationen im Bistum dafür, dass sie sich in den vergangenen fünf Monaten für eine Betreuungsassistenz fortgebildet haben. „Sie werden in ihren Einrichtungen nun Lebensqualität und Wohlbefinden der Menschen fördern“, betonte der Direktor und gratulierte allen zum erfolgreichen Abschluss. Die für die Caritas-Altenhilfe im Bistum Eichstätt verantwortliche Abteilungsleiterin Hedwig Kenkel würdigte vor allem, dass sich die Beteiligten intensiv mit dem Krankheitsbild Demenz beschäftigt hätten. Es sei wichtig, ein Gefühl dafür zu bekommen, was ein demenzkranker Mensch will und dabei auch zu erfahren: „Das Herz wird nicht dement“, so Kenkel.
Den Fortbildungskurs hatte der Caritasverband Eichstätt in Kooperation mit der Katholischen Akademie für Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen in Bayern sowie dem freiberuflichen Referenten in der Altenhilfe Thomas Distler organisiert und durchgeführt. Er umfasste 168 Stunden Theorie. Das Spektrum reichte von Grundkenntnissen zu den Anforderungen einer bedürfnisgerechten Ernährung über aktivierende und therapeutische Möglichkeiten bei Demenzerkrankungen bis zur Angehörigenarbeit oder Basiswissen über Pflegedokumentation. Hinzu kamen 80 Stunden Praktikum. Jede angehende Betreuungskraft musste auch in einer Praxisaufgabe eine Biografie über einen alten Menschen in seiner Einrichtung schreiben und am Abschlusstag vorstellen.
Biographien helfen für die Arbeit
Bei nahezu allen Biographievorstellungen wurde dabei deutlich, wie hilfreich es für die neuen Betreuungskräfte und die ihnen anvertrauten Menschen ist, wenn sie deren Lebensläufe genauer kennen. Anke Klein aus Gaimersheim erzählte beispielsweise über eine alte demenzkranke Frau, die nie eine Ausbildung machen konnte und immer in Küche und Haushalt tätig war. Sie entwickele auch heute noch eine Akribie beim Äpfel schneiden. So sei es wichtig, dieser Frau weiterhin einen Tagesrhythmus zu bieten, „der ihr Routinearbeiten mit dem Alltäglichen ermöglicht, aber sie nicht mit Dingen konfrontiert, die sie nicht kennt, um sie nicht zu überfordern“. Inge Schermer aus Denkendorf berichtete über eine über 90-jährige Seniorenheimbewohnerin, die zahlreiche Schicksalsschläge in ihrem Leben hinnehmen musste: Sowohl deren Vater als auch Tochter starben früh, sodass sie selbst ein Enkelkind großzog. Halt habe die Frau im christlichen Glauben gefunden. Daher führt Inge Schermer mit der Bewohnerin auch heute viele religiöse Gespräche, die ihr wichtig sind: „von den Kirchenfesten bis zu Fragen der österlichen Auferstehung“, berichtete Frau Schermer. In den Berichten anderer Kursteilnehmer wurde deutlich, dass sie das Schicksal alter vereinsamter Menschen, die kaum noch Besuch von Angehörigen bekommen, selbst emotional nicht unberührt lässt. Im Kern gehe es darum, diesen Menschen ein Gefühl zu geben, dass sie geliebt sind und andere lieben können, sagte ein Teilnehmer, worin er die Grundaufgabe einer Betreuungskraft sieht.
Die am Fortbildungskurs beteiligten angehenden Betreuungskräfte haben sich aus unterschiedlichsten Gründen für ihre neue Aufgabe qualifiziert. Anke Klein aus Gaimersheim arbeitete bisher als Präsenzkraft, stellte dabei aber ihre spezielle Neigung fest, in der Betreuung tätig sein zu wollen. Manuela Stößl aus Eichstätt war früher zunächst Zahnarzthelferin und dann Bürokauffrau, bevor sie eine längere Familienpause für ihre vier Kinder einlegte. „Jetzt will ich mit Menschen arbeiten“, erklärte sie ihre Motivation. Eine Teilnehmerin war bisher in der Pflege tätig. Da ihr dies körperlich zu anstrengend wurde, engagiert sie sich nun als Betreuungsassistentin.
17 Frauen und ein Mann aus Caritas-Seniorenheimen und –sozialstationen im Bistum Eichstätt haben sich zu Betreuungskräften qualifiziert. Den Fortbildungskurs hatte der Diözesan-Caritasverband in Kooperation mit der Katholischen Akademie für Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen in Bayern sowie dem freiberuflichen Referenten in der Altenhilfe Thomas Distler (Zweiter von rechts) organisiert und durchgeführt. Foto: Caritas/Esser