Genau 40
Freiwilligendienstleistende
sind in verschiedenen sozialen Einsatzfeldern der Diözese Eichstätt
mittlerweile beschäftigt. 32 tun dies nach Mitteilung des
Diözesan-Caritasverbandes im seit Juli in ganz Deutschland begonnenen
Bundesfreiwilligendienst (BFD). Acht junge Menschen engagieren sich im
Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) und Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) in
verschiedenen Einrichtungen des Caritasverbandes und des Klosters
Plankstetten
. Drei weitere
BFDler
sind bei der Caritas bereits unter Vertrag, um in den kommenden Monaten diesen
Dienst zu starten. Caritasdirektor Rainer Brummer zeigt sich insbesondere mit
dem bisherigen Interesse an Stellen im BFD zufrieden: „Hier sind es etwa
doppelt so viele Engagierte, wie wir bis zu diesem Zeitpunkt erwartet hatten.
Und insgesamt haben wir bereits ungefähr die Hälfte der Zivildienstleistenden
ersetzt, die vorher in einem Jahr in sozialen Bereichen der Diözese tätig
waren. Wenn man bedenkt, dass nun freiwillig geleistet wird, was vorher ein
Pflichtdienst war, können wir uns wirklich freuen.“
Nach Angaben von Jakob
Streller
, Ansprechpartner für Freiwilligendienste bei der
Eichstätter Caritas, sind die meisten Freiwilligen im Caritas-Zentrum St.
Vinzenz in Ingolstadt für Menschen mit Behinderung engagiert: neun im BFD, drei
im FSJ. Fünf leisten ihren BFD im Caritas-Kinderdorf Marienstein, sieben in
insgesamt drei Caritas-Sozialstationen, drei in den Caritas-Kreisstellen
Ingolstadt und Eichstätt sowie ebenfalls drei in drei verschiedenen Caritas-Altenheimen.
„So schön das Gesamtergebnis ist, so schade ist es,
dass
es in den Altenheimen nicht mehr sind“, bedauert
Streller
.
„Dabei stellen diese über 70 Stellen zur Verfügung. Doch offenbar gibt es
leider eine Hemmschwelle, um mit alten Menschen zu arbeiten.“ Einer der
wenigen, die sich in einem Altenheim engagieren, ist Michael Schröter (48) in
Weißenburg. „Da die Gesellschaft für einen Gutes tut, sollte man ihr auch etwas
selbst zurückgeben, wenn man die Zeit dafür hat“, meint Schröter, der seinen
BFD in Teilzeit neben einer hauptberuflichen Arbeit als Selbständiger leistet.
Die Arbeit mit alten Menschen empfindet er nicht zuletzt als interessant, weil
diese über „einen Fundus an Lebenserfahrungen verfügen“. Heimleiter Josef
Zimmermann ist froh darüber, dass er zusätzliche Dienste tut, für welche die
hauptberuflichen Fachkräfte wenig Zeit hätten: zum Beispiel einfach mal eine
halbe Stunde mit den Heimbewohnern plaudern, kleinere Reparaturen übernehmen,
teilweise in der Küche helfen und Fahrdienste leisten.
Herausforderung, mit Kindern mit Behinderung zu
arbeiten
Dass im Caritas-Zentrum St.
Vinzenz mit Abstand die meisten Freiwilligendienstleistenden tätig sind, führt
deren stellvertretender Leiter Gerhard Doleschal zum einen auf den Ruf dieser
Einrichtung zurück und darauf, dass Ingolstadt einen Großstadt ist. „Zum
anderen arbeiten viele gerne mit Kindern zusammen und sehen es auch als
Herausforderung, mit Kindern mit Behinderung zu arbeiten.“ Die meisten
Freiwilligen sind Doleschal zufolge in der Schule und Tagesstätte der Einrichtung
„unterstützend in Förderung, Pflege und Betreuung tätig. Das Spektrum reicht
vom Wickeln über Hilfestellung bei der Nahrungsaufnahme bis zur Unterstützung
beim Lesen, Schreiben und Rechnen.“ Die 19-jährige Berit Telaar, die seit 1.
September ihr FSJ in St. Vinzenz leistet, fühlt sich „wohl im Team“ und ist
froh, nach der Schule erst einmal etwas zu tun, „was sinnvoll ist und auch
einen anderen Rahmen hat“.
So sehr sich die Caritas über
jeden Freiwilligendienstleistenden freut, so sehr wünscht sie sich, dass jeder
Engagierte sich zuvor genau überlegt, welchen Dienst er leisten will. Zwei
Personen haben
Streller
zufolge ihren Dienst wieder
aufgehört, eine davon im Bereich Behindertenhilfe, weil sie ihrer Aufgabe
psychisch nicht gewachsen war. Manche Caritaseinrichtungen bieten Interessierten
daher zunächst einige Probetage an: Dadurch sollen sowohl der Freiwillige als
auch die Einrichtung „ein Gefühl bekommen, ob es das Richtige ist“. Es sei auch
schon vorgekommen, dass Bewerber abgewiesen wurden, weil der Dienst für sie
nicht passte.
Großteil zwischen 16 und 27 Jahren alt
Etwa zwei Drittel der
Freiwilligendienstleistenden sind laut der Caritasstatistik in diesem Bereich
männlich. „Möglicherweise ist das eine Nachwirkung des Zivildienstes, den
bekanntlich nur Männer geleistet haben“, so
Streller
.
Der Großteil sei zwischen 16 und 27 Jahren alt. „Im FSJ und FÖJ dürfen die
Bewerber ohnehin nicht älter sein, aber auch im BFD ist das bisher so.“ Viele
junge Freiwillige suchen nach Erfahrung
Strellers
aus
Gesprächen mit ihnen vor allem Berufsorientierung oder eine Möglichkeit, die
Zeit bis zum Start eines Studiums zu überbrücken. Ältere Menschen suchten eine
Chance, wieder beruflich einsteigen zu können oder sie wollten auch einfach
etwas Gutes tun. „Und manche sehen darin auch eine Möglichkeit, dass ihnen zu
Hause nicht die Decke auf den Kopf fällt“, nennt Jakob
Streller
verschiedenste Gründe, sich zu engagieren. Ältere Menschen seien zudem oft
daran interessiert, neben sozialen Aufgaben auch andere Tätigkeiten zu
übernehmen: zum Beispiel Gartenarbeiten, Unterstützungen des Hausmeisters und
handwerkliche Tätigkeiten. Doch es gibt auch jüngere, die dies tun, etwa der
18-jährige Martin
Hauk
. Er hat gerade sein G-8-Abitur
abgelegt, weiß noch nicht genau, was er studieren möchte, wollte zuerst einmal
die Arbeitswelt etwas kennenlernen und etwas Handwerkliches machen. Im Radio
erfuhr er, dass Bundesfreiwilligendienstleistende gesucht
werden
.
Im Internet wurde er dann auf eine Stelle im Garten- und Landschaftsbau der
Caritas-Wohnheime und Werkstätten aufmerksam, wo er Anfang Oktober begonnen
hat. „Wie er finden unsere Stellen die meisten über die Medien, nur wenige
durch Mundpropaganda“, erfährt Jakob
Streller
.
Rund 80 Prozent der
Freiwilligen haben bei der Caritas Verträge für ein Jahr, zwei für 18 Monate
und einige auch für eine kürzere Zeit als ein Jahr. Neben der Chance, etwas
Sinnvolles zu tun, sowie einem Taschengeld von 195 Euro, Unterkunft und
Verpflegung oder Kostenerstattungen hierfür sowie der Übernahme der
Sozialversicherung durch die Einsatzstelle können
Streller
zufolge auch Seminare eine Motivation sein, einen Freiwilligendienst zu
leisten. „In Kürze beginnen erste Seminarwochen in Geretsried über
Persönlichkeitsbildung“, informiert der Ansprechpartner für Freiwilligendienste
bei der Caritas.
Dieser steht für
Auskünfte gerne zur Verfügung: Telefon
0 84 21 / 50 975, E-Mail:
jakob.streller@caritas-eichstaett.de
. Interessierte können sich auch direkt an unter
www.caritas-eichstaett.de/freiwillige
genannte Einrichtungen wenden.