Die Sekretärin von Codas Caritas Doula/Kamerun, Eveline Gongang (Mitte), berichtete in Eichstätt über ihre Arbeit. Aus dem Französischen übersetzte die freiberufliche Dolmetscherin Sabine Hoster. Der Leiter des Referates Weltkirche der Diözese Eichstätt, Dr. Gerhard Rott, hatte die Veranstaltung mitorganisiert. Foto: Caritas/Peter Esser
"Hier fängt Zukunft an." Unter diesem Motto hat die diesjährige Fastenaktion des katholischen Hilfswerkes Misereor gestanden. Ein Beispiel dafür, wo dies umgesetzt wird, ist die Organisation Codas Caritas in Doula/Kamerun. Deren Sekretärin Eveline Gongang berichtete am vergangenen Samstag bei einem "Fairen Misereor Coffee-Stop" im Büro für die Bürgerschaft am Marktplatz in Eichstätt über deren Arbeit für Jugendliche in schwierigen Lebenslagen in ihrem Land. Rund 30 Interessierte nahmen daran teil. Zu der Veranstaltung hatten das Referat Weltkirche der Diözese Eichstätt, der Verein Welt-Brücke und die Fairtrade-Stadt Eichstätt eingeladen.
"Zeichen des Gelingens"
Ein Misereor-Film zeigte, wie Codas Caritas jungen Menschen, die über kein Geld verfügten, selbst nach der Schule arbeiten gingen und keine Träume mehr hatten, durch Bildung neue Hoffnung gibt: zum Beispiel durch eine Ausbildung zum Elektroniker. Ein Azubi entwickelt den Ehrgeiz, nach der Ausbildung Robotik zu studieren, ein anderer träumt sogar davon, den ersten KI-Roboter in Kamerun aus alten Teilen zu bauen. Er soll selbstständig Felder bewässern können und mit Sprachsteuerung und Solarenergie laufen. "Angesichts der vielfältigen Krisen in der Welt sehen wir hier Zeichen des Gelingens", erklärte Dr. Gerhard Rott, Leiter des Referates Weltkirche.
Rund 30 Interessierte kamen zum Misereor-Coffee-Stop, bei dem die Kamerunerin sprach. Foto: Caritas/Peter Esser
Als bestes Beispiel für eine gelungene Ausbildung bei der Codas Caritas Doula mit der Unterstützung von Misereror bezeichnete dieser die Referentin des Tages selbst. Eveline Gongang hatte nach ihrem Abitur bei der Organisation eine Ausbildung im Bereich EDV und Finanzen absolviert. Heute arbeitet sie als Sekretärin bei Codas Caritas und übernimmt zunehmend Verantwortung in der Verwaltung und den Bereichen, die sie dort erlernt hat.
Nach Mitteilung der Kamerunerin haben seit dem Jahr 2002 rund 1.100 Jugendliche eine Ausbildung mit Hilfe der Caritas Codas Doula und mit der finanziellen Unterstützung von Misereor absolviert und sind etwa 600 in den Arbeitsmarkt integriert worden. Für sie war dieser Weg meistens die einzige Chance in ihrer beruflichen Laufbahn. Denn Bildung ist der Caritasmitarbeiterin zufolge in Kamerun teuer. "Schon für die Grundschule muss man bezahlen", berichtete sie und ergänzte. "80 Prozent der Menschen in unserem Land arbeiten im informellen Sektor." Das heißt, sie haben keine sozialversicherungspflichtige Arbeit.
Viele wagen Weg in Selbstständigkeit
Codas Caritas hilft nach den Worten von Eveline Gongang vor allem den Jugendlichen, "die am entschlossensten sind". 80 Prozent der Ausbildungskosten trage die Organisation, 20 Prozent zahlten die Jugendlichen oder deren Familien selbst. Das stärke die Willenskraft und das Selbstbewusstsein und führe dazu, dass die jungen Menschen dranbleiben, so die Caritas-Sekretärin.
Codas Caritas leistet für die jungen Menschen eine Berufsberatung, bietet praxisnahe Schulungen und stärkt unternehmerische Kompetenzen. Um ihnen die Ausbildung zu ermöglichen, arbeitet die Organisation mit Ausbildungszentren und Meistern in Werkstätten zusammen. Da es schwierig ist, eine Festanstellung zu bekommen, wagen viele anschließend den Weg in die Selbstständigkeit. Diese Existenzgründer erhalten nach Information der Kameruner Caritas-Sekretärin eine Anschubfinanzierung von rund 900 Euro.
So bekommen viele junge Frauen und Männer eine Chance auf eine selbstbestimmte Zukunft. "Und ein gut ausgebildeter Jugendlicher kann schließlich auch seinen Beitrag zur Gesellschaft leisten", erklärte Eveline Gongang das Ziel von Codas Caritas.
Die Kamerunerin sprach in Eichstätt auch beim ökumenischen Friedensgebet am Residenzplatz und im Sonntags-Gottesdienst im Eichstätter Dom.