Die 33-jährige Anna Olari aus Moldawien fühlt sich wohl im Caritas-Seniorenheim St. Franziskus in Berching. Foto: Caritas/Peter Esser
Als die 33-jährige Anna Olari aus Moldawien in der Coronazeit zum ersten Mal ins Caritas-Seniorenheim St. Franziskus in Berching kam, erschien sie noch mit einem Dolmetscher. Einrichtungsleiter Gerhard Binder hatte Zweifel, ob sie einmal in seinem Haus arbeiten kann. Doch inzwischen hat die Mutter von drei Kindern fleißig Deutsch gelernt. Seit zwei Jahren ist sie in St. Franziskus als Pflegehilfskraft tätig. Im Mai will sie das Sprachzertifikat B2 erwerben und dann ihre moldawische Ausbildung zur Krankenschwester in Deutschland anerkennen lassen, um auch hier im Seniorenheim ihrem erlernten Beruf nachzugehen. "Für mich ist Frau Olari ein Vorbild für alle, die sich bei uns integrieren wollen. Sie hat schnell Deutsch gelernt, ist zuverlässig und diszipliniert sowie den Bewohnerinnen und Bewohnern sehr zugewandt", ist Binder heute froh, sie als Mitarbeiterin zu haben.
Vor sieben Jahren kamen Anna Olari und ihr Ehemann mit einem Kind nach Deutschland. Möglich war dies, weil sie auch einen rumänischen Pass haben - Rumänien gehört zur Europäischen Union. Die Moldawierin arbeitete zunächst bei einer Firma in Neumarkt und war danach vier Jahre zu Hause zur Erziehung ihrer weiteren zwei Kinder, die sie hier bekam. Dann nahm sie die Chance wahr, in St. Franziskus zunächst als Pflegehilfskraft tätig zu sein. "Ich begleite die Menschen hier und achte darauf, dass es ihnen gut geht", bringt sie das, was sie im Haus tut, auf den Punkt. Dazu gehört es zum Beispiel, den meist pflegebedürftigen Seniorinnen und Senioren beim Aufstehen und Anziehen zu helfen, manchen Essen einzugeben, aber auch mit ihnen Spaziergänge zu machen und zu spielen. "Am liebsten unterhalte ich mich mit den alten Menschen. Ich frage sie, was sie früher erlebt haben, und viele von ihnen wollen auch wissen, wie unser Leben in Moldawien war", erklärt Anna Olari und fügt hinzu: "Das Haus ist für mich inzwischen ein zweites Zuhause." Natürlich gebe es auch Dinge, die sie nicht so gerne macht: "zum Beispiel, schwere Menschen aus ihrem Bett herauszuheben. Zwar gibt es technische Hilfsmittel, aber nicht alle mögen diese", so die Pflegehilfskraft. Sie hofft, bald als Krankenschwester in St. Franziskus arbeiten zu können, um zum Beispiel auch Tabletten verabreichen und Spritzen geben zu können.
Das Leben in Deutschland allgemein gefällt ihr sehr gut. "Hier werden Regeln stärker beachtet als in meinem Heimatland, zum Beispiel im Verkehr." Und sie beteuert, dass sie sehr froh war, "dass mir in der Anfangszeit hier, als ich noch nicht so gut Deutsch konnte und nicht sofort alles verstand, zum Beispiel bei Arzt immer wieder geduldig erklärt wurde, was ich tun solle". Die Moldawierin verschweigt nicht, dass sie auch immer wieder einmal Heimweh hat. Einmal im Jahr besucht sie mit ihrer Familie ihre Angehörigen in ihrem Heimatland. Sie weiß nicht, ob sie für immer in Deutschland leben will, "aber wir möchten uns hier in den nächsten Jahren ein stabiles Leben aufbauen".
Dass sie sich im Seniorenheim wohlfühlt, liegt auch daran, dass sie die Internationalität im Haus, in dem sehr viele Menschen aus anderen Ländern arbeiten, interessant findet und schätzt. "Da erzählt dann in den Pausen einmal jemand aus Polen etwas vom Urlaub in seinem Heimatland und ein anderes Mal zum Beispiel jemand aus dem Senegal." Außerdem schätzt es die Frau, die der russisch-orthodoxen Kirche angehört, dass sie in dem katholischen Seniorenheim auch ihr religiöses Leben pflegen kann. "Der katholische Glaube und meiner haben ja viele Gemeinsamkeiten", sagt sie. Sie ist froh, vor dem Mittag- und Abendessen in St. Franziskus mit den Bewohnerinnen und Bewohnern gemeinsam beten zu können.