Diözesanadministrator und Caritaspräses Alfred Rottler rief beim ersten ökumenischen Friedensgebet nach der Sommerpause dazu auf, „nicht nachzulassen mit unserem Engagement für den Frieden“. Foto: Peter Esser / Caritas
"Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe" (Mk 1,15): Zu diesem Bibelwort aus dem Markusevangelium hat Diözesanadministrator und Caritaspräses Alfred Rottler am Mittwochabend den Impuls beim ersten ökumenischen Friedensgebet nach der Sommerpause gegeben. Aufgrund des Regens fand dieses spontan nicht auf dem Eichstätter Residenzplatz, sondern im Mortuarium des Doms statt. Gut 30 Gläubige nahmen daran teil. Der Initiator des Friedensgebetes, Dr. Gerhard Rott, Leiter des Referates Weltkirche in der Diözese Eichstätt, sagte: "Es ist uns ein Anliegen, mit einem starken Akzent das Friedensgebet fortsetzen zu können."
Der Akzent, den der Diözesanadministrator setzte, war vor allem ein theologischer. "Die Reich-Gottes-Botschaft ist der zentrale Inhalt der Verkündigung Jesu", sagte Rottler. Vielfach würden in der Reich Gottes-Verkündigung Jesu die irdischen Maßstäbe auf den Kopf gestellt: "Da kommen die Armen und Schwachen groß heraus, da werden die Mächtigen vom Thron gestürzt, da wird den Trauernden Trost und den Kranken Heilung zuteil." Immer wieder klinge in der Verkündigung Jesu die Reich-Gottes-Thematik an und man habe den Eindruck, dass ihm nichts so am Herzen liegt wie der Anbruch des Gottesreiches.
Allerdings, so der Diözesanadministrator, breche das Gottesreich nicht so an, wie viele seiner Zeitgenossen sich das vermutlich vorgestellt und erhofft hatten. Auch mit der Ausbreitung des Evangeliums in der Welt hörten Leid und Krieg nicht auf. "Stattdessen führten in den vergangenen 2000 Jahren auch christliche Nationen Krieg gegeneinander, auch heute noch. Es scheint, als hätte sich 2000 Jahre nach der Ankündigung von Gottes Friedensreich nichts verändert."
Dennoch habe Jesus seinen Mitmenschen verkündet: "Das Reich Gottes ist mitten unter euch" (Lk 17,21). "Es ist in der Person Jesu Christi mitten unter uns. Es hat in Jesus Christus ein Gesicht und einen Ausdruck bekommen. Wenn wir uns an seiner Person orientieren, wenn wir uns seine Praxis der Nächstenliebe und seine Botschaft des Friedens und der Versöhnung zu eigen machen, dann gewinnt das Reich Gottes Gestalt", erklärte der Caritaspräses. Es handele sich um einen Frieden, "der von Gott kommt, den wir oft aus eigener Kraft gar nicht erreichen können".
Menschen erlebten leidvoll, dass der Frieden, um den sie sich bemühen, "brüchig ist, im Kleinen, im zwischenmenschlichen Bereich und im Großen zwischen den Staaten". Doch das dürfe nicht entmutigen. Rottler rief in seinem Impuls dazu auf, "dass wir uns unablässig für den Frieden einsetzen: in der eigenen Familie, im eigenen Umfeld, dort wo wir den Umgang miteinander selbst beeinflussen können. Indem wir uns selbst bemühen, kleinen Frieden zu halten, hoffen wir, dass auch im Großen der Friede wächst, denn alles Große beginnt im Kleinen." Jesu Worte "Das Reich Gottes ist nahe" seien ein Auftrag, "nicht nachzulassen mit unserem Engagement für den Frieden und unsere Hoffnung zu setzen auf Jesus, der uns zugesagt habe: "Meinen Frieden gebe ich euch" (Joh 14,27). Unerlässlich ist Rottler zufolge für Christen auch das Gebet für den Frieden. "Das tun wir besonders jeden Mittwochabend, wenn wir uns hier am Residenzplatz zum Friedensgebet vereinen", so der Diözesanadministrator.
Musikalisch wurde das Friedensgebet vom Eichstätter Lehrer Andreas Völker begleitet. Das ökumenische Friedensgebet ist eine gemeinsame Veranstaltung der Katholischen Stadtkirche Eichstätt, der evangelischen Gemeinde, des Collegium Orientale und des Referats Weltkirche. Seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine kommen wöchentlich Gläubige zu gemeinsamem Gebet, Gesang und einem Redebeitrag zusammen.