Das Kunstzentrum Besondere Menschen begeisterte mit Musik und Tänzen. Foto: Caritas / Peter Esser
Der siebenjährige Jimmy hat ein schweres Sprachproblem. Er geht in die Heilpädagogische Tagesstätte für Kinder mit seelischer Beeinträchtigung (HPT S) des Caritas-Zentrums St. Vinzenz in Ingolstadt. "Hier hat er schon einige Wörter gelernt", freut sich seine Mutter. Und die Leiterin der Tagesstätte, Walburga Schloderer, bestätigt: "Jimmy macht gute Entwicklungsschritte." Am Samstag schaute der Junge neugierig den Tänzerinnen und Tänzern des Ingolstädter Kunstzentrums Besondere Menschen zu. Sie und "Die besondere Band" mit Menschen mit und ohne Behinderung waren eine Attraktion bei der Feier des 50-jährigen Jubiläums der HPT S auf dem Gelände der Einrichtung. "Let me entertain you" sangen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen gleich zu Beginn und machten damit deutlich, worum es an dem Tag ging: Spiel, Spaß und Unterhaltung.
Tänzer, Musiker, Klinikclowns und Fotoausstellung
Malen gehörte zu den Kreativen Arbeiten beim Jubiläumsfest. Foto: Caritas / Peter Esser
Neben den Tänzerinnen, Tänzern und Musikern erfreuten zwei Klinikclowns aus München die rund 50 gekommenen Kinder - und natürlich auch die etwa 80 Erwachsenen beim Fest. Angeboten wurden "Kreatives Gestalten" mit zum Beispiel Malen, Wurfspiele und Schaukeln auf dem Spielplatz. Außerdem gab es eine Ausstellung mit Stellwänden, von Kindern gemalten Bildern und Fotos aus dem Einrichtungsalltag. Überschrieben waren die Stellwände zum Beispiel mit "Förderung - was Kinder bei uns stark macht", "Erziehungspartnerschaft mit Eltern - gemeinsam für das Kind" und "Unser Gruppenalltag - ein Haus voller Möglichkeiten". Darunter stand der Spruch, der gleichermaßen Leitwort der Tagesstätte sein kann: "Unser Alltag ist wie ein Baum mit starken Wurzeln und vielen Ästen - Jedes Kind findet darin seinen Platz und kann wachsen."
Walburga Schloderer präsentierte die Einrichtung in einer Ansprache auf vielerlei Weise, zum Beispiel in Zahlen: "dass im Laufe der Jahre rund 1.200 Kinder begleitet wurden, dass etwa 100 Fachkräfte hier gewirkt haben - manche über viele Jahre." Sie erwähnte die multiprofessionelle Zusammenarbeit "über heilpädagogische Förderung, psychologische Begleitung, interdisziplinäre Fachdienste, Ergotherapie, Logopädie, also das volle Spektrum ganzheitlicher Entwicklungsunterstützung". Sie verschwieg auch nicht die schwierigen Momente, "wenn Plätze nicht ausreichen, Kinder nicht aufgenommen werden können, obwohl der Bedarf vorhanden ist. Das gehört zur Realität dazu - und zeigt gleichzeitig, wie notwendig diese Arbeit ist."
Auch zwei Klinikclowns aus München unterhielten die Kinder. Foto: Caritas / Peter Esse
Doch entscheidend für Walburga Schloderer sind andere Momente: wenn zum Beispiel eine Mutter, deren Kind die Schulgruppe verlassen kann, weil es alles gelernt hat, sagt: "Ich hätte nicht gedacht, dass sie schon so weit ist." Für die Leiterin ist dies ein Satz, "der mehr über gelungene Entwicklungsprozesse sagt als jede Statistik". Sie erntete dafür Applaus. "Oder wenn ehemalige Kinder zurückkommen - als Praktikantinnen, als Jugendliche - und man spürt: Hier waren die Betreuten gerne, haben positive Erinnerungen - Ein Mädchen kam als Jugendliche wieder für ein Sozialpraktikum. Ihr brach fast die Stimme weg, so ergriffen war sie. Sie will auf jeden Fall im pädagogischen Bereich arbeiten."
Frühe Förderung, die Bildungsbiographien nachhaltig beeinflusst
Für Walburga Schloderer steht fest: "Was hier passiert, ist keine Selbstverständlichkeit - es ist das Ergebnis von hochqualifizierter pädagogischer Arbeit, von feinfühliger Beobachtung, von individueller Förderung. Oder einfacher gesagt: vom ‚Lesen der Bedürfnisse‘, was braucht ein Kind - eine Kernkompetenz, die man nicht im pädagogischen Lehrbuch allein lernt." Auf den Punkt gebracht, meinte die Leiterin: "Das hier ist manchmal ein echter ‚Entwicklungssprint‘ in der HPT. Manchmal nur ein bis zwei Jahre. Ein Gamechanger im besten Sinne - frühe Förderung, die Bildungsbiographien nachhaltig beeinflusst."
Anders, aber ähnlich drückte es der Gesamtleiter von St. Vinzenz, Heinz Liebhart, aus: "50 Jahre HTP-S St. Vinzenz, fünf Gruppen, fünfmal Engagement, fünfmal Herz." Er hob drei Säulen hervor, die aus seiner Sicht den Erfolg über all die Jahre getragen haben: menschliche Zuwendung, Kooperation und Teilhabe sowie Perspektive und Empowerment. "Unsere Fachkräfte und Mitarbeitenden schaffen sichere Räume, in denen Kinder Vertrauen aufbauen können. Durch klare Strukturen, liebevolle und professionelle Nähe und verlässliche Rituale geben wir Halt und Orientierung." Sie arbeiteten eng mit Familien, Schulen, Therapeutinnen und Therapeuten sowie anderen Fachkräften zusammen. Denn nur gemeinsam könnten die Bedürfnisse der Kinder umfassend verstanden und passgenaue Unterstützungswege gefunden werden, so der Einrichtungsleiter. "Und wir befähigen Kinder, ihre Gefühle zu benennen, soziale Kompetenzen zu entwickeln und eigene Lösungen zu finden. Daraus gewinnen sie Selbstwirksamkeit und Freude am Lernen und im Leben."
Liebhart dankte allen, "die uns in ihrer jeweiligen Position und Funktion begleiten und unterstützen, den Vertreterinnen und Vertretern von Ämtern und Institutionen für die gute Zusammenarbeit, allen Mitarbeitenden für ihren unermüdlichen Einsatz, den Familien und besonders den Kindern - ihr seid der Grund, warum wir jeden Tag mit Freude hier arbeiten."
"Die besondere Band", bestehend aus Menschen mit und ohne Behinderung, bedankte sich zur Begeisterung der Gäste des Festes noch unter anderem mit den Liedern "Wake me up" und "Vielen Dank für die Blumen".