Drei Ordner hat der ehrenamtliche gesetzliche Betreuer Christian Will für seine Arbeit angelegt, doch er versteht seine Aufgabe nicht als rein bürokratisch, sondern auch als sozial. Foto: Peter Esser / Caritas
Seit gut einem Jahr ist Christian Will (47) aus Sengenthal ehrenamtlicher gesetzlicher Betreuer. Hauptberuflich arbeitet er als Sozialbetreuer in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderung bei der Lebenshilfe in Neumarkt. "Da habe ich regelmäßig mit gesetzlichen Betreuern zu tun, und deshalb dachte ich mir: Das könnte ich auch machen." Bereits vor mehreren Jahren informierte sich der zweifache Familienvater über diese Aufgabe für Menschen, "die ihre Dinge nicht selbst regeln können", bei der Betreuungsstelle des Landratsamtes Neumarkt - und erklärte sich dazu bereit. "Mit Corona ist das Ganze dann wieder etwas eingeschlafen, doch vor gut einem Jahr rief mich dann die Betreuungsstelle an, ob ich einen Fall übernehmen wolle und ich sagte mir: ‚Mach’s einfach mal‘."
Gesundheits- und Vermögenssorge wahrgenommen
Will erhielt den Auftrag, sich um einen Bewohner eines Wohnheims von Regens Wagner zu kümmern, "der immer wieder einmal depressive Phasen durchlebt", informiert er. Der betroffene Mann, Mitte Vierzig, hatte unter anderem Angst vor dem Zahnarzt, und es stand eine Zahntransplantation bei einem Spezialisten an. Betreuer Christian Will begleitete ihn dabei und unterschrieb auch, dass dieser unter Narkose gesetzt werden durfte. Da die Operation mehrere tausend Euro kostete, hatte er zuvor außerdem geprüft, ob der Betroffene dies finanzieren konnte. Sein Konto überprüft der Betreuer regelmäßig per Onlinebanking.
Neben der Gesundheits- und Vermögenssorge obliegt dem Ehrenamtlichen auch die Verfügung über das Aufenthaltsrecht des Mannes. Will könnte also entscheiden, dass dieser an einen anderen Ort umzieht, falls er das für nötig empfände. Auch für dessen Rentenangelegenheiten, Sozialleistungen und Versicherungen trägt der Ehrenamtliche die Verantwortung. Für die drei Personen, die er inzwischen betreut, hat er jeweils einen Ordner angelegt. Doch der Betreuer versteht sein Engagement nicht als eine rein bürokratische Aufgabe. Wichtig ist es ihm auch, regelmäßigen Kontakt zu den ihm anvertrauten Menschen zu halten und sich immer wieder einmal nach ihrem Wohlbefinden zu erkundigen. Ab und zu fährt Christian Will direkt zu seinen Klienten, ansonsten sucht er hin und wieder das Gespräch am Telefon. "Hier könnte ich sicherlich noch mehr tun", gesteht der Betreuer ein, dessen Alltag als Familienvater und Sozialbetreuer aber auch gut ausgefüllt ist.
Bereits kurz nach der Annahme des ersten "Falls" hatte Christian Will im Oktober vergangenen Jahres eine zweite Person vom Amtsgericht zugewiesen bekommen: eine ältere, stark an Demenz erkrankte Frau in einer Wohngruppe für Seniorinnen und Senioren. Mit ihr spricht der Betreuer bei seinen Besuchen so gut es geht über "Gott und die Welt". Zuletzt musste er für sie eine Impfung genehmigen und hat dafür gesorgt, dass sie etwas mehr Taschengeld bekommt. Seit Februar dieses Jahres kümmert sich Christian Will noch um eine fast 90-jährige Witwe in einem Altenheim in Velburg. Deren Betreuerin war verstorben, sodass die Betreuungsstelle bei Christian Will nachfragte, ob er sich auch ihr noch annehmen wolle. "Sie lebt mit einer Mitbewohnerin in einem Zimmer, ist körperlich bereits sehr gebrechlich, aber geistig noch topfit", erzählt der Betreuer. Als sie neulich ins Klinikum kam, wollte sie so schnell wie möglich wieder zurück ins Altenheim. Will überlegte, von seiner Verfügung für das Aufenthaltsrecht Gebrauch zu machen. Da die Frau aber ohnehin innerhalb von zwei Tagen entlassen werden sollte, einigte er sich mit dem Klinikpersonal darauf, es dabei zu belassen.
Für alle drei Klienten muss Christian Will immer wieder einmal Rechnungen - etwa für Fahrdienste - begleichen oder Formulare ausfüllen: zum Beispiel für das Grundsicherungsgeld, das Landespflegegeld, für die Krankenkasse oder für den Jahresbericht fürs Amtsgericht mit mehreren Angaben: von den Ausgaben für die Personen bis hin zu seinem persönlichen Eindruck von ihnen. Wenn er Fragen hat, wendet er sich unter anderen an die Sozialpädagogin Linda Schötschel vom Dienst Rechtliche Betreuung der Caritas-Kreisstelle Neumarkt.
"Damit etwas Gutes tun"
Obwohl Christian Will bereits drei "Fälle" hat, wäre er nicht abgeneigt, noch weitere zu übernehmen, wenn die Betreuungsstelle an ihn mit dieser Bitte herantritt. Er empfindet sein Ehrenamt nicht als belastend, "sondern ich lerne dabei auch durchaus etwas fürs Privatleben dazu". Für jeden Klient erhält er eine jährliche Ehrenamtspauschale von 450 Euro. Diese ist freilich nicht der Grund für sein Engagement. Seine Motivation ist, "dass ich damit etwas Gutes tun kann". Die Arbeit als gesetzlicher Betreuer nimmt bei ihm nach eigenem Bekunden nicht überhand, aber sie erfordere Verantwortung und Beständigkeit. "Es macht ja keinen Sinn, eine Vertrauensbasis zu hilfsbedürftigen Menschen aufzubauen und dann sofort wieder aufzuhören", stellt er klar. In diesem Sinne hat Christian Will den festen Willen, sein Ehrenamt noch lange fortzusetzen.