Die Eichstätter Caritas-Flüchtlings- und Integrationsberaterinnen Natalie Jagielski (links) und Lea Schweitzer begrüßen eine schnellere Arbeitsintegration von Asylbewerbern, kritisieren aber den Stopp von Integrationskursen für viele. Foto: Caritas/Peter Esser
Der Caritasverband für die Diözese Eichstätt begrüßt das Vorhaben der Bundesregierung, Asylbewerbern bereits nach drei Monaten Aufenthalt in Deutschland die Aufnahme einer Beschäftigung zu genehmigen, auch wenn ihr Asylverfahren noch nicht abgeschlossen ist. Dies ist bisher nicht für Geflüchtete in Aufnahmeeinrichtungen möglich. Der Verband kritisiert aber die Entscheidung des Bundesinnenministeriums, die Finanzierung der freiwilligen Teilnahme an Integrationskursen zu stoppen.
"Integration ist nur möglich, wenn geflüchtete Menschen hier auch arbeiten dürfen", erklärt Natalie Jagielski, Flüchtlings- und Integrationsberaterin bei der Caritas-Kreisstelle Eichstätt und Sprecherin für diesen Bereich bei der Caritas im Bistum Eichstätt. Sie fügt hinzu: "Aufgrund des Arbeitskräftemangels kommt es allen zugute, wenn Geflüchtete möglichst früh arbeiten dürfen." Geplant ist, dass Asylbewerber bereits nach drei Monaten Aufenthalt in Deutschland arbeiten dürfen, solange sie nicht bereits abgelehnt sind oder ihre Identität verschleiern.
"Arbeit ist ein entscheidender Faktor für Integration, vor allem um die deutsche Sprache zu lernen. Da bei Beschäftigungen in der Regel gute oder zumindest ausreichende Deutschkenntnisse erwartet werden, halten wir es integrations- und arbeitsmarktpolitisch allerdings für einen Fehler, keine weiteren Zulassungen zu Integrationskursen zu erteilen. Das wird sich negativ auf die Integrationsmöglichkeiten der Betroffenen auswirken", so die Teamleiterin der Caritas-Flüchtlings- und Integrationsberatung Eichstätt, Lea Schweitzer. Betroffene seien zum Beispiel ukrainische Geflüchtete und geduldete Personen. Für sie wie für solche im Asylverfahren ist es nach Erfahrung von Lea Schweitzer gleichermaßen wichtig, Deutsch zu lernen: "für eine Arbeit, aber auch, um im Alltag zurechtzukommen".
Auch für Oliver Müller, Vorstandsmitglied des Deutschen Caritasverbandes, ist die Entscheidung des Innenministeriums "integrationspolitisch ein fatales Signal". Die Integrationskurse seien seit mehr als 20 Jahren ein bewährtes und erfolgreiches Instrument und in vielen Fällen auch ein wichtiger Schritt für die nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt.
Das Innenministerium will nach eigenen Angaben Kurse vor allem Geflüchteten mit dauerhafter Bleibeperspektive zur Verfügung stellen. Hintergrund sind demnach auch mögliche Einsparungen. "Für einen kurzsichtigen Sparkurs werden steigende Folgekosten billigend in Kauf genommen", kritisiert der Caritas-Vorstand. "Das ist integrationspolitisch falsch und in Zeiten von Arbeitskräftemangel widersinnig." Außerdem widerspreche die Entscheidung der Linie der Bundesregierung, die Sprachförderung als Schlüssel zur Arbeitsmarktintegration von Migrantinnen und Migranten zu stärken, so Müller.