Generationenaustausch im Caritas-Seniorenheim Ingolstadt-Gerolfing. Kinder des Katholischen Kindergartens St. Rupert nehmen die alten Menschen an der Hand. Dann wird gemeinsam gesungen und gelacht. Foto: Caritas / Peter Esser
Ein Dienstag um 10 Uhr: Rund 20 Mädchen und Buben des Katholischen Kindergartens St. Rupert in Ingolstadt-Gerolfing marschieren voller Vorfreude in einen Aufenthaltsraum im Erdgeschoss des gegenüberliegenden Caritas-Seniorenheims St. Josef. Dort erwarten sie schon sehnsüchtig ebenfalls etwa 20 meist hochbetagte Bewohnerinnen und Bewohner der Einrichtung. Kindergartenleiterin Alexandra Weingart begrüßt die Seniorinnen und Senioren. Dann stimmt Erzieherin Vanessa Muhr die Gitarre an und die Kinder stimmen in das Lied "Brüderchen, komm tanz mit mir" ein. Mehrere alte Menschen singen mit oder bewegen zumindest ihre Lippen, andere hören zumindest interessiert zu. Schließlich ist es ein Lied, das auch viele von ihnen schon aus ihrer Kindheit kennen. Jeweils ein Kind und ein Senior oder eine Seniorin nehmen sich dabei an der Hand. Einige der alten Menschen zeigen sich sehr gerührt oder blühen regelrecht auf. Manche haben Freudentränen in den Augen.
Für beide Seiten "eine Bereicherung"
Seit September 2024 kommen Kinder aus St. Rupert monatlich an einem Dienstag in das Seniorenheim. Die Idee dazu hatte Alexandra Weingart gemeinsam mit der Leiterin des Pflegeheims, Sarah Jacoby. "Da der Kindergarten direkt gegenüber auf der anderen Seite der Straße liegt, lag es nahe, hier etwas zusammen zu machen", erklärt Sarah Jacoby und ergänzt: "Für beide Seiten hat es sich als eine Bereicherung herausgestellt." Schnell waren Aktivitäten gefunden: heute zum Beispiel ein Fingerspiel mit der Geschichte von der Familie Maus. Die Kinder sagen und zeigen mit ihren Fingern: "Das ist Papa Maus, sieht wie alle Mäuse aus, hat große Ohren und eine spitze Nase." Und dann simulieren auch mehrere der alten Menschen freudestrahlend mit ihrem Arm, wie lang ein Schwanz der Maus ist.
"Wir werden jünger, wenn wir die Kinder anschauen und mitmachen. Ich habe mitgesungen", erklärt die 85-jährige Elisabeth Baier. "Wir haben auch schon mit den Kindern Spiele gemacht", fügt sie hinzu. "Wunderbar" findet das Zusammensein von Jung und Alt auch die 92-jährige Rita Seidel, "vor allem das gemeinsame Singen". Das meint auch die sechsjährige Emilia. Sie freut sich immer, wenn sich die alten Menschen freuen, "wenn sie lächeln". Der ebenfalls sechsjährige Lian hat es zuletzt auch einmal sehr genossen, mit einigen der Seniorinnen und Senioren "Mensch ärgere dich nicht" zu spielen, während die fünfjährige Ella mit anderen ein Buch anschaute.
"Ich erlebe die Kinder hier stets als sehr engagiert", erklärt Kindergartenleiterin Alexandra Weingart. "Wenn wir fragen, wer mit ins Seniorenheim gehen will, melden sich immer mindestens zwanzig Kinder." Die 89-jährige Adelheid Funk freut sich schon Tage vorher auf das Treffen mit den Kindern. "Sie sind ohne Scheu und machen alles so wunderbar", ist sie begeistert. Der Aufenthaltsraum ist auch voller als sonst, nicht nur wegen der ebenfalls anwesenden Kinder. Auch mehrere Bewohnerinnen und Bewohner sind nach Mitteilung von Betreuungsassistenz Johannes Tyroller extra zu dem Event gekommen.
"Zusammen geht was"
Der Katholische Kindergarten St. Rupert und das Caritas-Seniorenheim St. Josef in Gerolfing setzen so beispielhaft das um, was Anliegen der diesjährigen bundesweiten Caritas-Jahreskampagne ist. Diese steht unter dem Motto "Zusammen geht was. Caritas verbindet Generationen." Im Abschlusslied "Gottes Liebe weitergeben", das die Kinder und einige Seniorinnen sowie Senioren heute gemeinsam singen, kommt zudem zum Ausdruck, dass sich alle dem christlichen Glauben verbunden fühlen. Die gemeinsame Aktion findet sowohl mit Bewohnerinnen und Bewohnern im Aufenthaltsraum des Erdgeschosses statt als auch mit jenen im ersten Stock. "Wir bedanken uns, dass Sie so toll mitgemacht haben und freuen uns auf das nächste Mal", sagt Alexandra Weingart zweimal zum Abschluss.