Knapp 6.150 Menschen hat
die Ingolstädter Bahnhofsmission Ingolstadt im letzten Jahr geholfen, fast 15
Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei wurden mehr als 9.900 Hilfen geleistet, was
sogar eine Steigerung um über 20 Prozent bedeutet. Nach dem Jahresbericht 2015
dieser ökumenischen Einrichtung – die gemeinsam von der Caritas-Kreisstelle und
dem Diakonischen Werk Ingolstadt getragen wird – hatten fast 30 Prozent der
Klienten einen Migrationshintergrund
. Unterstützt wurden die Menschen vor allem durch
Reisehilfen, aber auch mit Brotzeiten, Getränken und Kleidung sowie durch
Gespräche und Vermittlungen zu sozialen Fachstellen. Der Stamm der
Ehrenamtlichen hat sich laut dem Bericht weiter vergrößert. Das
Stundenkontingent der hauptamtlichen Fachkraft müsse weiter ausgebaut werden,
um den gewachsenen Herausforderungen gerecht zu werden, heißt es.
Seismograf für
gesellschaftliche Entwicklungen
Dem
Jahresbericht zufolge benötigten 2015 fast genauso viele Männer wie Frauen die
Hilfe der Einrichtung. Fast 40 Prozent der Betroffenen seien unter 27 Jahre alt
gewesen, 35 Prozent zwischen 27 und 64 und über ein Viertel über 65 Jahre. „Es
suchen uns auch wohnungslose Menschen auf, die in der Regel öfter kommen, weil
sie sich hier willkommen fühlen. Wir beobachten auch, dass vereinsamte und
psychisch auffällige Personen sich gern am Bahnhof aufhalten“, schreiben die
Verantwortlichen der Caritas und Diakonie. Als weiteren Trend halten sie fest:
„Gerade durch die Reisefreiheit in der EU ‚stranden‘ vor allem immer mehr
Menschen aus Rumänien und Bulgarien am Bahnhof. Aber auch Flüchtlinge suchen
uns verstärkt auf.“ Insofern sei die Bahnhofsmission immer auch ein Seismograf
für gesellschaftliche Entwicklungen und „Sozialstation am Bahnhof“.
Reisehilfen
beschränken sich laut dem Bericht nicht nur auf Unterstützung beim Ein- und
Aussteigen am Zug, sondern die Engagierten der Bahnhofsmission begleiteten
Menschen auch zum Bus. Mittlerweile gebe es 17 Ehrenamtliche. Unter diesen
seien drei Ingolstädter Studenten neu, die Erfahrungen im sozialen Bereich
sammeln wollten. Neben einem Ersthelferkurs hätten sich freiwillig Engagierte
im vergangenen Jahr auch für mobile Reisehilfen fortgebildet. Hierbei begleiten
Helferinnen und Helfer ältere Reisende oder solche mit Behinderung im Nahverkehr.
Weitere Ehrenamtliche
gesucht
In
diesen Bereich will die Ingolstädter Bahnhofsmission ihrer hauptamtlichen
Mitarbeiterin Heike Bergmann zufolge vielleicht in Kürze einsteigen. Benötigt
für ein solches Engagement sowie weitere Aufgaben würden allerdings weitere
Ehrenamtliche.
Interessierte an einer
ehrenamtlichen Mitarbeit bei der Bahnhofsmission können Heike Bergmann
telefonisch unter 08 41 / 7 23 40 und per Mail an
heike.bergmann@caritas-ingolstadt.de
erreichen oder dienstags und donnerstags von 9.00 bis
11.30 Uhr direkt bei der Ingolstädter Bahnhofsmission am Bahnsteig 1
(Bahnhofstraße 8).
Dankbar
zeigen sich Heike Bergmann und der von der Caritas-Kreisstelle Ingolstadt für
die Bahnhofsmission verantwortliche Sozialarbeiter Bernhard Gruber, dass die
Stadt Ingolstadt die Stelle der hauptamtlichen Mitarbeiterin mit
7.500 Euro jährlich unterstütze. Angesichts
der Zunahme an Klienten sowie Hilfen und einer notwenigen verstärkten
Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen reichten allerdings die derzeit knapp
sieben Wochenstunden nicht mehr aus. Die Verantwortlichen wollen sich 2016
dafür einsetzen, das Stundenkontingent zu erhöhen. Mit ihrem niedrigschwelligen
Angebot stellt die Bahnhofsmission nach ihren Worten „eine wichtige Stütze im
sozialen System der Stadt Ingolstadt dar. Durch unsere aufsuchende Arbeit und
unsere leichte Erreichbarkeit wenden sich Menschen an uns, die andere
Beratungsstellen nicht oder nicht mehr aufsuchen.“ Die Verantwortlichen wünschen
sich daher, dass die Bahnhofsmission in Zukunft auch am Wochenende präsent ist,
heißt es im Jahresbericht.