Sarah Strasser (links) und Elke Rager schenken Freiwilligen im Laufe ihres Dienstes eine Tasche mit der Aufschrift „Lass machen, könnt Mega werden“. Foto: Caritas / Peter Esser
"Unsere Plätze waren fast immer komplett belegt, viele Jugendliche suchten bei uns Wege für sich, das Interesse von ausländischen Bewerberinnen und Bewerbern war sehr groß, wir haben unsere pädagogische Begleitung kontinuierlich weiterentwickelt und die Engagements waren und sind eine große Chance für uns als katholischen Träger." Anlässlich des 15-jährigen Jubiläums des Bundesfreiwilligendienstes (BFD) am 1. Juli nennt die Koordinatorin für diesen Bereich beim Diözesan-Caritasverband Eichstätt, Sarah Strasser, einige von mehreren Faktoren, welche diesen Dienst aus ihrer Sicht zu einer Erfolgsgeschichte für die Caritas im Bistum Eichstätt gemacht haben. Genau 662 Personen haben nach ihren Angaben in dieser Zeit den Dienst bei katholisch-sozialen Einrichtungen in der Diözese geleistet, etwas mehr Personen weiblichen als männlichen Geschlechts. "Über 500 waren unter 27 Jahre alt, gut 40 über 50 Jahre, die jüngsten Engagierten waren gerade einmal 15, der älteste 69", beschreibt Sarah Strasser das breite Altersspektrum. Rund 60 Freiwillige haben der Caritas-Verantwortlichen zufolge in diesen Jahren den BFD als "Sprungbrett" genutzt und anschließend in ihrer Einsatzstelle eine Ausbildung oder eine andere berufliche Tätigkeit begonnen.
Dienst am Klienten "mit Lachen und Herzlichkeit"
"Es ist immer wieder schön zu sehen, wie Freiwillige ihren Weg finden und an den Aufgaben wachsen", bringt die Leiterin der Caritas-Freiwilligendienste ihre Erfahrungen auf den Punkt. Da gebe es eine "Incomerin" aus der Dominikanischen Republik, der beim Blick auf das Meer in ihrer Heimat die Idee kam, nach Deutschland zu gehen, und die schließlich einen Bundesfreiwilligendienst in der Altenpflege des Caritas-Seniorenheimes Deining absolvierte. Betreut hat Sarah Strasser auch eine Freiwillige aus Eichstätt, die sich im Caritas-Kinderdorf Marienstein engagierte und nun ihren Weg als Lehrerin geht. Und besonders gerührt haben sie nach eigenem Bekunden die Worte eines ehemaligen Telekommitarbeiters, der seinen Dienst kurz vor seinem Ruhestand in der Behindertenhilfe leistete und ihr sagte: "Wenn ich noch einmal meinen Beruf wählen könnte, würde ich definitiv in den sozialen Bereich gehen." Caritas-Mitarbeiterin Elke Rager, die seit gut zwei Jahren Bundesfreiwilligendienstleistende pädagogisch begleitet, hat vor allem ein früherer Schreiner-Azubi beeindruckt, der seine Lehre abbrach und nun Erzieher werden will: "Ich habe ihn vor kurzem bei einem privaten Ausflug getroffen und gesehen, wie er im BFD bei der Offenen Behindertenarbeit des Caritas-Zentrums St. Vinzenz Ingolstadt mit den Klientinnen und Klienten umgeht: mit Lachen und Herzlichkeit."
Der Caritas im Bistum Eichstätt steht Sarah Strasser zufolge derzeit ein Kontingent von gut 50 Plätzen in rund 50 Einsatzstellen zur Verfügung. Im Durchschnitt seien rund 95 Prozent der Plätze in den letzten Jahren belegt gewesen. "Momentan machen 55 Freiwillige ihren Dienst in rund 30 Einsatzstellen", informiert sie. Dass nicht mehr Einsatzstellen besetzt sind, liege zum einen daran, dass das Kontingent an Plätzen ausgeschöpft sei, "zum anderen aber auch daran, dass sich einige Einrichtungen die rund 800 Euro für einen Dienstleistenden, die sie aufbringen müssen, nicht mehr leisten können". Das sei vor allem bei Einrichtungen in der Behindertenhilfe sowie bei Kitas der Fall. Dennoch plädiert die Caritas-Verantwortliche dafür, die Dienstleistenden "angemessen und fair" zu bezahlen. "Bei uns erhalten sie ein Taschen-, Wohn- und Verpflegungsgeld von 825 Euro, es gibt aber auch Träger, die zahlen wesentlich weniger", weiß sie. Sarah Strasser schließt sich einem Positionspapier der Wohlfahrtsverbände "Vision 2030" an, das für einen Rechtsanspruch auf einen BFD-Platz plädiert, wenn der Freiwillige und eine Einsatzstelle sich einig sind, für eine analoge gleichwertige BFD-Beratung zum Wehrdienst durch den Staat sowie ein Freiwilligengeld auf Bafög-Niveau. "Und wenn dem Staat der BFD so wichtig ist, wie er dies immer wieder kundtut, dann sollte er auch seine Zuschüsse an die Einsatzstellen und Träger erhöhen", fordert die Caritas-Koordinatorin.
150 "Incomer" aus anderen Ländern
Von den 662 BFDlern waren nach ihrer Mitteilung allein 150 "Incoming-Freiwillige", die entweder direkt aus dem Ausland mit einem Visum kamen oder nach einem Aupair-Jahr für einen BFD hierblieben. "Es kommt also fast jede vierte Person aus anderen Ländern, und der Trend geht weiter nach oben", erklärt sie. Es könnten noch mehr sein, doch es müsse Bewerberinnen und Bewerbern deshalb immer wieder abgesagt werden, weil der Caritas nicht mehr Unterkünfte zur Verfügung stünden. "Dabei haben wir Unterkünfte vor allem in den Seniorenheimen, aber wir haben auch Häuser angemietet, in denen unsere Freiwilligen zum Beispiel gemeinsam mit Azubis in einer WG wohnen." Die Motivationen für den BFD sind laut Sarah Strasser bei "Incomern" etwas anders als bei deutschen Freiwilligen. "Den jüngeren einheimischen Engagierten geht es oft um eine Orientierung, ob der soziale Bereich eine Zukunftsperspektive sein kann oder um eine Überbrückung bis zum Studium. Auch Ältere erhoffen sich zum Teil, über einen BFD wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Manche Jüngere spekulieren auch bereits auf eine Anrechnung für eine vielleicht kommende Wehrpflicht. Incomer kommen hingegen meist, um hier beruflich Fuß zu fassen und streben oft einen Ausbildungsplatz in der Pflege an. In den Seniorenheimen haben wir grundsätzlich die meisten Plätze besetzt", erläutert die BFD-Koordinatorin.
"Dass eine hohe Zufriedenheit unter den Freiwilligen herrscht, hängt auch damit zusammen, dass diese auf Seminaren die Möglichkeit haben, Themen selbst zu wählen, Freunde zu finden und sich untereinander zu vernetzen. Eine pädagogische Begleitung ist uns als Träger sehr wichtig und eine tragende Säule im BFD", so Sarah Strasser. Elke Rager, die diese Aufgabe wahrnimmt, stellt allerdings auch fest, "dass immer mehr junge Freiwillige psychische Beschwerden haben". Das erfordere eine intensive Begleitung und eventuell Anpassungen: "dass zum Beispiel jemand von Voll- auf Teilzeit umstellt". Dankbar ist sie dafür, "dass einige ältere Freiwillige sich die Zeit nehmen, sich und ihren Dienst jüngeren Menschen vorzustellen wie zuletzt zum Beispiel am Gabrieli-Gymnasium in Eichstätt".
Ab September wieder einige Plätze frei
Nach Information von Sarah Strasser und Elke Rager werden ab September wieder einige Plätze im BFD bei der Caritas im Bistum Eichstätt frei: vor allem in Seniorenheimen, aber auch bei Kreisstellen in der Flüchtlings- und Integrationsberatung und Jugendsozialarbeit an Schulen, auch einzelne Plätze im Caritas-Zentrum St. Vinzenz Ingolstadt sowie beim Piustreff des Sozialdienstes katholischer Frauen und im Kloster Plankstetten. Interessierte können sich an Sarah Strasser persönlich wenden: Für Auskünfte steht sie telefonisch unter 0 84 21 / 50 975 zur Verfügung oder per E-Mail an freiwilligendienste@caritas-eichstaett.de. Über die Betreuungs- und Bildungsmöglichkeiten im BFD kann man sich bei Elke Rager unter 0 84 21 / 50 944 erkundigen.