Erstmals haben an den Caritas-Kindererholungen dieses Jahr Kinder mit geistiger Behinderung teilgenommen. Ein Mädchen und ein Junge von der Offenen Behindertenarbeit (OBA) des Caritas-Zentrums St. Vinzenz in Ingolstadt – beide 13 Jahre alt – waren eine Woche lang im August in Pfünz dabei. „Wir haben das gar nicht besonders thematisiert. Diese Kinder haben bei allen Aktivitäten mitgemacht“, freut sich Katrin Schneider, die diese Freizeit leitete. Hilfreich sei freilich gewesen, dass dafür eine eigene Betreuerin aus der OBA mitfuhr: „Sonst hätten diese Kinder vermutlich nicht mit ins Freibad fahren können, und auch bei den Ausflügen auf die Rosenburg bei Riedenburg und zum Haflingerhof in Landershofen wäre es schwieriger geworden“, so Katrin Schneider. Die Mutter eines der beiden Kinder sagte nach der Freizeit: „Unser Sohn hat diese Ferienwoche in vollen Zügen genossen. Trotz seiner geistigen Einschränkung war er voll dabei. Auch für mich und meine Familie sind solche Wochen erholsam. Wir tanken Kraft für unseren Alltag.“
Freude an der konkreten „Inklusionsinitiative“ hätten aber nicht nur die beiden Kinder mit Behinderung gehabt, sondern auch die anderen. „Diese haben ihnen teilweise beim Essen geholfen, sie geschaukelt und auf dem Wasserspielplatz gezeigt, wie man an der Wasserspirale dreht“, nennt Katrin Schneider einige Beispiele. Und ein Kind, das selbst hyperaktiv ist, habe Spaß daran gefunden, den Kindern mit geistiger Behinderung Boccia zu erklären – und sich so selbst in einer neuen Rolle als Helfer erlebt. „Das Pionierprojekt mit den Kindern aus St. Vinzenz hat sich für alle gelohnt“, lautet das Fazit der für die Kindererholungen zuständigen Caritas-Mitarbeiterin Melanie Papenfoth. Sie und Heidi Bamberger von der OBA können sich vorstellen, dass in Zukunft mehr Kinder mit Behinderung bei Freizeiten mitfahren. Frau Papenfoth will dafür nun verstärkt barrierefreie Häuser suchen.
Einmalige Eindrücke für gut 120 Beteiligte bei Erholungen
Nach den Rückmeldungen, die Frau Papenfoth von den fünf angebotenen Freizeiten erhielt, ermöglichten diese allen gut 120 beteiligten Kindern zum Teil einmalige Eindrücke: etwa bei einer erlebnispädagogischen Wanderung zu Wasserfällen am Schliersee. Alle Kinder hätten dadurch vom Alltag abschalten können und auch erfahren, wie sie selbstständig mit anderen Kindern etwas unternehmen können. Von besonderer Bedeutung, so Melanie Papenfoth, seien die Freizeiten für jene Kinder gewesen, die gesundheitliche Beeinträchtigungen haben oder die aufgrund finanzieller Probleme der Eltern sonst nicht hätten in Urlaub fahren können. Bei knapp Zweidrittel der beteiligten Kinder liegt nach ihren Angaben zumindest eine Krankheitsdiagnose vor – häufig Allergien, Infektanfälligkeiten oder ADS/ADHS. „Besonders hat uns gefreut, dass ein Kind mit ADS, das also grundsätzlich Aufmerksamkeits- und Konzentrationsprobleme hat, selbst einen Workshop in Origami falten geleitet hat, wofür schließlich einige Konzentration erforderlich ist“, erzählt die für die Caritas tätige Diplom-Pädagogin. Bei vielen Initiativen vom Sport bis zur Entspannung hätten Kinder ihre Selbstwahrnehmung stärken können.
Für fast Dreiviertel der Kinder haben laut Melanie Papenfoth die zuständigen Mitarbeiterinnen in den Caritas-Kreisstellen Zuschüsse organisiert, da die Familien die Freizeiten nicht oder nicht ganz selbst finanzieren konnten: vor allem bei Krankenkassen und Kommunen, teilweise auch bei Pfarreien und Stiftungen. Die Kindererholungen fanden neben Pfünz mit zwei einwöchigen Freizeiten jeweils zwei Wochen am Schliersee, im Allgäu und im Schwarzwald statt.
Erstmals nahmen an einer Caritas-Kindererholung dieses Jahr ein Mädchen und ein Junge mit geistiger Behinderung teil – eine interessante Erfahrung für alle Kinder, nicht nur beim Minigolf. Foto: Katrin Schneider