Bauchtänzerinnen der Orientalischen Tanzschule Mia Luna begeistern die Besucherinnen und Besucher beim Weltflüchtlingstag. Foto: Caritas / Peter Esser
"Ich wünsche mir, dass der Tag das Positive über Geflüchtete in den Vordergrund rückt und dass schöne Begegnungen stattfinden können." Das erklärte Lea Schweitzer, Teamleiterin der Flüchtlings- und Integrationsberatung (FIB) der Caritas-Kreisstelle Eichstätt, zu Beginn des zweiten Weltflüchtlingstages in Eichstätt am vergangenen Samstag. Diesen hatte erneut der vor drei Jahren aus Afghanistan geflüchtete Saleem Zmarial in Zusammenarbeit mit zahlreichen Ehrenamtlichen und Organisationen - unter anderen der Caritas - organisiert. Das Motto lautete ganz im Sinne des Wunsches von Lea Schweitzer "Sichtbarkeit - Begegnung - Solidarität".
Mehrere Stände am Domplatz
Auch für Kinder wie den achtjährigen Olexandre und seinen vierjährigen Bruder Mykhailo aus der Ukraine war am Stand der Mongolesin Unenbayar Batbayar einiges geboten. Foto: Caritas / Peter Esser
Mehrere Stände am Domplatz warben mit ihren Inhalten für dieses Motto: zum Beispiel der Stand "Solidarität mit Flüchtlingen" von Unenbayar Batbayar aus der Mongolai, die an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt ein Masterstudium in "Bildung für nachhaltige Entwicklung" absolviert. Auf einem von Ukrainerinnen und Ukrainern gestalteten Plakat standen Aussagen wie "Mehr Nähe, weniger Distanz", "Gegenseitige Unterstützung", "Empathie"", Gleiche Chancen" und "Hey Bro, du bist nicht so schlecht, wie ich dachte". Auf mehreren von der Mongolesin aufgestellten Hockern mit Aufschriften wie "Kein Hunger" und "Weniger Ungleichheiten" nahmen zahlreiche Besucherinnen und Besucher statt, die trotz Hitze zu der Veranstaltung gekommen waren. Der achtjährige Olexandre und sein vierjähriger Bruder Mykhailo aus der Ukraine fanden Spaß daran, am Stand von Unenbayar Batbayar Luftballons aufzublasen und am Glücksrad zu drehen. An einem weiteren Stand informierten die Berufsintegrationsklassen der Berufsschule Eichstätt über Fluchtrouten, die deren Schülerinnen und Schüler per Bus, auf Booten oder zu Fuß von Afrika und Asien nach Deutschland genommen hatten. Einige schilderten ihre Erlebnisse an einer Stellwand. "Ich war zehn Tage in Bulgarien und bin zu Fuß gelaufen. Ich habe im Wald geschlafen. Meine Lebensmittel waren aufgebraucht. Deshalb hatte ich drei Tage lang nichts zu essen und trinken. Das war eine sehr schwere Zeit", stand dort zum Beispiel.
Ukrainische und deutsche Lieder sangen und spielten „Maria & Maria“. Foto: Caritas / Peter Esser
Die Initiative "Wir sind Eichstätt" warb mit einem großen Banner "für ein Miteinander auf Augenhöhe mit Toleranz und Respekt gegen Demokratiefeindlichkeit, Menschenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus und Faschismus". An einer Stellwand hatten Geflüchtete einen großen Baum gestaltete, dessen Wurzeln zum Beispiel Namen wie "Freunde", "Praktikum", "Nachhilfe" und "Fußball" trugen und dessen Krone als Ziele Blätter wie "Wohnung, "Integration", "Ausbildung" und Deutsch sprechen" beinhaltete. Auf einer Bühne spielten und sangen die Ukrainerinnen "Maria & Maria" ukrainische und deutsche Lieder wie "Ein bisschen Frieden" und "Wir haben gute Laune". "Es geht darum, Sichtbarkeit für Geflüchtete zu schaffen", sagte die Moderatorin des Nachmittages Laura Kovac vom Zentrum für Lehrerinnen und Lehrerbildung (ZLB) in ihrer Begrüßung und ergänzte: "Sie als Eichstätterinnen und Eichstätter können heute ein Zeichen setzen." Hannah Rautenberg aus Eichstätt meinte: "Die Angst gegenüber Ausländerinnen und Ausländern kommt auch daher, dass viele keinen Kontakt zu diesen haben. Daher ist es wichtig, solche Räume der Begegnung zu schaffen."
Vom afghanischen Reisgericht bis zu syrischen Keksen
Eichstätts Bürgermeisterin Martina Edl wies in einer Ansprache darauf hin, dass die Stadt genau dies umsetze: am Domplatz zum Beispiel mit Schatten spendenden Bäumen und Spielmöglichkeiten. Sie informierte darüber, dass laut dem Weltflüchtlingsrat weltweit rund 117 Millionen Menschen auf der Flucht seien. Hinter dieser Zahl stünden Schicksale von Menschen, "die uns mit ihren Perspektiven und Erfahrungen bereichern und die Gemeinsamkeit erleben wollen". Die Integrationsbeauftragte der Stadt, Simone Zink, nannte vier Schlagworte, die das Leben von Geflüchteten - auch in Eichstätt - kennzeichneten: Sprache, Wohnen, Familie und Freunde sowie Teilhabe und Ehrenamt. Für ihre herausragende ehrenamtliche Arbeit ehrten Zink und Edl Saleem Zmarial, Laura Kovac und Roya Halimi von der afghanischen Community. Letztere verwöhnte an einem Stand die Gäste zum Beispiel mit den gedämpften Teigtaschen Mantu und dem Reisgericht Qabili Palau. An anderen Ständen gab es unter anderem Rindfleisch aus Eritrea, argentinische Empanadas, chinesische Huhnspieße mit Reis, syrische Kekse und ukrainische Kartoffelteigtaschen. Auf der Bühne präsentierten derweil Tänzerinnen der Orientalischen Tanzschule Mia Luna zum Beispiel Schleiertänze. Später traten dort auch noch die türkische Band Rumi Saaz und die Eichstätter Band Electric Ladybug auf.
Der Initiator des Festes, Saleem Zmarial, schilderte in einer längeren Rede seine Fluchtgeschichte und seinen Einsatz für Menschenrechte. "Seit 2022 unterdrückt das Regime in Afghanistan viele dieser Rechte", erklärte er. Im Landkreis Eichstätt verfolgt er das Ziel, einen Migrationsbeirat zu schaffen. An die Politiker wandte sich der Afghane mit drei Bitten: Erstens wünscht er sich, "dass viele Geflüchtete hier ein Angebot für ein Engagement finden und nicht zurückgeschickt werden". Zweitens sollten sie hier eine Arbeit sowie eine Wohnung finden können. In diesem Zusammenhang bat Zmarial für verstärkte Bemühungen für die Geflüchteten, die innerhalb kurzer Zeit aus dem Gebäude des Ratskellers ausziehen müssen. Und drittens sollte wieder der Familiennachzug für subsidiär Geflüchtete - die nicht nach der Genfer Flüchtlingskonvention anerkannt sind, aber denen im Herkunftsland ein "ernsthafter Schaden" droht - ermöglicht werden.
"Mit diesem Festival leben wir Integration"
Der Eichstätter Landrat Alexander Anetsberger sagte: "Mit diesem Festival leben wir Integration." Er wies darauf hin, dass der Landkreis intensiv am kommunalen Integrationskonzept arbeite. Seine Behörde unterstütze Migrantinnen und Migranten, wo es möglich sei, "wobei uns allen klar ist, dass wir auch an Grenzen stoßen". Grundsätzlich sagte Anetsberger, Geflüchtete müssten unterstützt werden, denn "zum einen brauchen wir sie und zum anderen ist das ein Gebot der Menschlichkeit".
Die FIB der Caritas bot bei der Veranstaltung Fahrdienste für Klientinnen und Klienten an, die weiter entfernt im Landkreis wohnen und ohne Fahrdienst nicht an der Veranstaltung hätten teilnehmen können.